Zuger SVP-Vertreter verlangen, dass ihr Kanton sein Image in Zürich aufpoliert. Man sei kein Bonzenkanton.
Die Gastkantone am Zürcher Sechseläuten wollen sich jeweils ins beste Licht rücken. Glarus warb 2017 mit dem unbescheidenen Slogan «Glarnerland, einfach grandios»; Schaffhausen verkaufte sich 2009 als «kleines Paradies». Letztes Jahr gab sich Appenzell ganz «ausserrhodentlich», was nach dem dritten Glas Zunftwein wohl nicht mehr fehlerfrei über die Zunge rollt.
Mit dem diesjährigen Gastkanton Zug könnten weniger positive Emotionen verbunden werden. Dies nicht wegen des Mottos «Kirschen, Krypto & Klischees», das höchstens problematisch ist, wenn es böswillig auf seine drei Initialen verkürzt wird. Sondern weil Zug ein Imageproblem hat.
Dies jedenfalls befürchten zwei Zuger Kantonsparlamentarier der SVP. Wie «20 Minuten» berichtet hat, richteten sie im letzten Dezember eine Anfrage an die Zuger Kantonsregierung. Darin sprachen sie von «besorgten Rückmeldungen aus dem Zuger und Zürcher Zunftwesen» über den anstehenden Auftritt an dem traditionsreichen Anlass. Zug sei einem «schweizweiten Bashing» ausgesetzt.
«Zug ist vorbildlich»
Gregor Bruhin ist einer der beiden Autoren der Anfrage. «Zug wird in der öffentlichen Wahrnehmung manchmal so dargestellt, als ob wir ein Bonzenkanton mit lauter kriminellen Firmen wären, deren Machenschaften wir auch noch unterstützen», sagt er im Gespräch mit der NZZ. Wahr sei das Gegenteil. «Wir halten uns vorbildlich an Gesetze und internationale Normen.»
Bei der Umsetzung der OECD-Mindeststeuer sei Zug so weit wie kein anderer Kanton, zudem zahle es am meisten Geld in den Finanzausgleich ein und erziele die grössten Überschüsse bei der AHV und der Mehrwertsteuer. «Die ganze Schweiz profitiert davon, dass es Zug gutgeht», sagt Bruhin, der in Zug in einer Zunft aktiv ist.
Pikant ist, dass die Kritik an Zug selbst von höchsten Zürcher Stellen kommt. Der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) etwa sagte in einem NZZ-Interview mit seinem Zuger Amts- und Parteikollegen Heinz Tännler: «Zug ist reich, sehr reich. Vielleicht auch, weil es Zürich als Nachbarn hat.»
Der SVP-Kantonsrat Bruhin weist diese Stichelei zurück. «Zürich ist selber schuld. Der Kanton ist Opfer seiner Politik im Kantonsrat, in welchem Mehrheiten für bürgerliche Politik schwierig geworden sind. Zürich muss nicht wütend sein auf jene Kantone, die das besser machen.»
Eine halbe Million Franken für den Auftritt
Bruhin betont, dass er überhaupt nichts gegen den Auftritt seines Kantons am Sechseläuten habe – ganz im Gegenteil. «Es ist hervorragend, dass wir Gastkanton sind.» Aber der Kritik müsse man entgegentreten.
Den Nörglern Wind aus den Segeln zu nehmen, das hat die Zuger Regierung am Sechseläuten auch vor. Man wolle der breiten Bevölkerung positiv in Erinnerung bleiben, hält sie in ihrer Antwort auf die Anfrage der beiden SVP-Parlamentarier fest. Man erhoffe sich eine Wirkung, die weit über Zürich hinausgehe.
Kosten lässt sich Zug die Sechseläuten-Sause eine halbe Million Franken – das sind keine Steuergelder, sondern Mittel aus dem Lotteriefonds. 190 000 Franken sind für den viertägigen Gastauftritt auf dem Lindenhof vorgesehen. Knapp 100 000 Franken fallen für den Kinder- und den Hauptumzug an und 70 000 Franken für offizielle Anlässe. Der Rest, rund 140 000 Franken, ist für Kommunikation und Marketing und für die Projektleitung vorgesehen.
Selbst für den SVP-Politiker Gregor Bruhin ist das Geld nicht das Problem. Er sagt einen Satz, den man von Vertretern seiner Partei nicht oft hört: «Es ist in Ordnung, dass sich der Kanton Zug den Auftritt etwas kosten lässt.»
Selbstverständlich ist eine solche Ausgabe nicht. Ein anderer Zentralschweizer Kanton, Luzern, wurde für die Austragung 2015 eingeladen. Doch ein Jahr vor dem grossen Termin meldeten sich die Luzerner wieder ab, und zwar wegen klammer Kassen. Das Fürstentum Liechtenstein sprang zunächst ein, sagte dann aber auch ab, ebenfalls aufgrund der Kosten. In der Folge musste der Kanton Zürich in fast schon inzestuöser Art selbst als Gastkanton in die Lücke springen.
Dass Zug in Zürich überbordet, seinen Reichtum zur Schau stellt und somit die ganzen Bemühungen um eine Imageverbesserung wieder zunichtemacht, dürfte kaum passieren. Mit seinem 500 000-Franken-Budget liegt der Kanton im Rahmen früherer Auftritte. So viel warfen schon Solothurn 2008, Schaffhausen 2009 und 2013 St. Gallen auf.
Zug war 2007 zum letzten Mal Gast in Zürich – der damalige Auftritt war mit 470 000 Franken inflationsbereinigt praktisch gleich teuer wie der diesjährige.
Nicht zu den Zuger Sorgen um ihr Image am Sechseläuten äussern will sich die Trägerin des Anlasses, das Zentralkomitee der Zünfte Zürichs. Das sei eine interne Zuger Angelegenheit.