Donnerstag, Februar 27

In unserer neuen Serie sind wir jede Woche in einer anderen europäischen Stadt zu Gast – und verraten Ihnen, wo man für faire Preise tolle Zimmer bekommt. Zum Auftakt: willkommen in Berlin!

Drei Tage Berlin? Ein Wochenende in Paris? Oder vielleicht eine ganze Woche in Madrid? Städtereisen sind etwas Wunderbares, bieten eine kurze Auszeit und eine totale Abwechslung vom Alltag. Wären da nicht die oft sehr hohen Übernachtungskosten.

Doch auch in Grossstädten gibt es schöne Hotels, die sich fast jeder leisten kann. Man muss nur wissen, wo. Den Auftakt unserer Frühlings-Serie macht Berlin – eine Hauptstadt mit besonders freundlichen Preisen.

Der Blick von der Bar geht auf das Affengehege im Zoo, aus anderen bodentiefen Fenstern sieht man die Gedächtniskirche, den Breitscheidplatz oder den Tiergarten. Das vor gut zehn Jahren eröffnete Hotel der hippen 25hours-Gruppe befindet sich in einem Hochhaus aus den 1950er Jahren, das zu einem Komplex gehört, den die Berliner seit je «Bikini-Haus» nennen, weil hier früher Damenoberbekleidung produziert wurde, aber auch, weil die Ladenzeile im Erdgeschoss durch einen offenen Laubengang von den etwas schmaleren Obergeschossen getrennt ist. Dadurch wirkt das Gebäude zweigeteilt, wie ein Bikini.

Die 149 Hotelzimmer verteilen sich auf den zehnstöckigen Turm über der heutigen Bikini Concept Mall, ganz oben thronen das Restaurant «Neni» mit Gewächshaus-Atmosphäre und orientalisch-mediterraner Küche sowie die angesagte «Monkey Bar» mit Killer-Cocktails und phantastischer Terrasse.

Wenn ein Velo am Empfangstresen lehnt, hat es wohl ein Gast vergessen – die Räder der Kultmarke Schindelhauer hängen in den grösseren Zimmern an der Wand. Dazu haben manche eine freistehende Badewanne, andere eine Hängematte, manche warme Holzböden und -wände, andere Sichtbeton, alle fröhliche Farben, ein Plüschäffchen im Regal und eine lässige Atmosphäre.

25hours-hotels.com, DZ ab 160 Euro.

Der Eingang ist nicht zu übersehen: Hollywood-reif beleuchtet und von roten Seilen flankiert. Dabei liegt das zum charmanten Boutique-Hotel umgebaute ehemalige Mietshaus fast schon in Halensee, also nicht gerade im Zentrum des Geschehens.

Aber egal – hinter der Jugendstilfassade fühlt man sich ins glamouröse Paris der 1920er Jahre zurückversetzt: Die Lobby mit plüschigen Samtsesseln, dunklen Farbtönen und opulenten Materialien wirkt wie ein dekadenter Salon, tiefschwarze Wände und stimmungsvolle Beleuchtung sorgen für die nötige Dramatik, in der Bar sitzen Charlottenburger Hipster auf tiefroten Samtsofas. Es ist kein Zufall, dass das Haus zu den schicken Designhotels gehört.

Vom Erdgeschoss führt der original erhaltene, goldfarbene Aufzug mit Jahrgang 1911 zu den 58 Zimmern, die mit elegantem Stuck, Fischgratparkett, gedimmten Kronleuchtern und dunkelroten oder tiefblauen Samtwänden ausgestattet sind. Einige Zimmer haben eine freistehende Badewanne, andere einen Balkon. Ausserdem gibt es zwei Suiten, eine davon mit eigener Terrasse.

Die eleganten Räume des «Provocateur Berlin» – auch hier spielt Samt eine Hauptrolle.

Der Berliner Star-Gastronom The Duc Ngo hat die Speisekarte des chinesisch-französischen Fusion-Restaurants des Hauses kreiert: Auf der Karte stehen gegrillte Gänseleber mit Mango-Chutney und Sichuan-Pfeffer, chinesische Trüffel-Pasta und jede Menge Dim Sum. Das Frühstück wird bei schönem Wetter auf der Gartenterrasse serviert.

provocateur-hotel.com, DZ ab 121 Euro.

Dieses Hotel steht mitten im Berliner Literaturviertel Charlottenburg, nur wenige Schritte vom Ku’damm entfernt, in der berühmten Kantstrasse und direkt am idyllischen, grünen, kopfsteingepflasterten Savignyplatz. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich zahlreiche Restaurants, Bars und Klubs, man taucht sozusagen direkt vor der Tür des 1892 erbauten Gebäudes in das pulsierende Berliner Nachtleben ein.

Trotz seinen 44 Zimmern und Suiten verströmt das «Sir Savigny» ein intimes «Home away from home»-Flair. Das Interieur des Amsterdamer Designers Saar Zafrir kombiniert klare Linien mit üppigen Samtstoffen, dunklen Hölzern, Vintage-Teppichen, vergoldeten Spiegeln und Messingakzenten.

Die meisten Möbel sind Massanfertigungen, die Kunstwerke stammen von der Berliner Künstlerin Katharina Musick, und die Queensize- oder Kingsize-Betten in den nicht gerade grossen Zimmern sind mit feinster Baumwollbettwäsche bezogen.

Feinschmecker kommen im «Lo Fufu» auf ihre Kosten. Das hoteleigene Restaurant bietet ein interessantes kulinarisches Konzept: Der Küchenchef Amodio Iezza kombiniert italienische und japanische Aromen, die in sorgfältig zubereiteten Gerichten serviert werden, begleitet von ausgewählten Weinen, Sake und Cocktails – alles an einer eleganten Bar, ganz im Stil der japanischen Omakase-Tradition.

sirhotels.com, DZ ab 118 Euro.

Ebenfalls in der Kantstrasse überrascht eines der ungewöhnlichsten und zugleich geschmackvollsten Hotels der Stadt. Es residiert im 1896 errichteten ehemaligen Charlottenburger Strafgericht mit angeschlossenem Frauengefängnis, das damals noch ein freistehendes Gebäude war.

Dem renommierten Architekturbüro Grüntuch Ernst ist das Kunststück gelungen, das denkmalgeschützte Ensemble attraktiv und einladend zu gestalten, ohne die Spuren der Vergangenheit zu verwischen. Entstanden ist ein kontemplativer Rückzugsort mitten in Berlin, der in dieser Form einzigartig ist.

44 lichtdurchflutete Zimmer, liebevoll eingerichtet in einer klaren, hellen und schlicht-schönen Ästhetik, blicken auf verschlungene Höfe und üppige Gärten mit Bäumen, Sträuchern und Kletterpflanzen, die sich als das grüne Foyer des Hotels verstehen. Es gibt auch eine Penthouse-Suite mit einer raumhohen Glasfassade und maximaler Aussicht. Metallketten vor den Fenstern schützen vor neugierigen Blicken, glitzern in der Sonne und hüllen das historische Gebäude in einen eleganten Schleier.

Dazu: Wellnessbereich mit Sauna, Erfrischungsbecken und Fitnessraum, Lounge mit Kamin, Bibliothek mit Büchern, Brettspielen und Billardtischen, die Tagesbar «Lotta» im Garten, die hauseigene Bäckerei Wilmina Brot, das schicke Restaurant «Lovis», in dem die Küchenchefin Sophia Rudolph zeitgemässe deutsche Küche serviert, und der sogenannten Amtsalon, ein multidisziplinärer Raum für Kultur, Kunst, Architektur und Design.

wilmina.com, DZ ab 147 Euro.

Das im Mai 2023 eröffnete «The Hoxton» ist das erste Haus der angesagten britischen Hotelgruppe in Deutschland, die sich nicht, wie man vielleicht erwarten würde, Neukölln oder Friedrichshain als Standort ausgesucht hat, sondern das beschauliche Bobo-Viertel Charlottenburg, das zu den charmantesten Bezirken der Stadt gehört.

Doch gleich hinter der Eingangstür in der Lobby erlebt man eine ganz eigene Welt. In bester Hoxton-Tradition ist das Interieur von hellen, kräftigen Farben, Troddeln, Boudoir-Hockern, Ottomanen, Murano-Leuchtern, gemusterten Textilien und Keramiken geprägt – so viel fröhliche Pracht würde man dem von aussen unscheinbaren Siebziger-Jahre-Bau gar nicht zutrauen.

Tatsächlich strahlt das Innere eine sehr berlinerische Qualität aus: Alles geht. Heisst auch: Alles passt. Und so mischen sich deutscher Jugendstil und West-Berliner Design der zwanziger Jahre mit Elementen des Bauhauses und des Brutalismus. In der Lobby hängt ein Wandbild von Stefanie Kägi als Hommage an den deutschen Expressionismus, die Bar ziert ein Druck der Dada-Pionierin Hannah Höch, die für ihre surrealen Montagen bekannt ist.

Wie in den anderen Hotels der Gruppe sind die 234 Zimmer in sieben Kategorien unterteilt, von Shoebox bis Biggy Up. Ihr Stil greift den der Lobby auf.

Kulinarisch werden die Gäste nach Indien entführt: Im «Teahouse» gibt es Naan-Sandwiches und indisch inspiriertes Gebäck, aber auch Cocktails und internationale Snacks. Das «House of Tandoor» ist ein modernes indisches Restaurant mit kräftigen Aromen, duftenden Gewürzen und feuriger Tandoor-Küche, das die meisten Gerichte im beliebten indischen Familienstil serviert.

thehoxton.com, DZ ab 134 Euro.

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