Amerikanische Regierungsangestellte in China müssen offenbar eine Bewilligung einholen für Liebesbeziehungen mit Einheimischen. Das erinnert an den Kalten Krieg.
Sex als Sicherheitsrisiko: Die amerikanische Regierung untersagt es Mitarbeitern der Botschaften und Konsulate in China und Hongkong, romantische oder sexuelle Beziehungen mit Chinesinnen und Chinesen zu führen. Dies bestätigten vier anonyme Quellen gegenüber der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press. Wer eine bestehende Beziehung führe, könne eine Ausnahmebewilligung beantragen. Bei Nichtbewilligung müsse man die Beziehung beenden oder seinen Posten räumen. Wer gegen die Regel verstosse, müsse China unverzüglich verlassen.
Die Verordnung geht offenbar auf den im Januar abgetretenen Botschafter Nicholas Burns zurück und trat in Kraft, kurz bevor Donald Trump seine zweite Amtszeit als Präsident der USA antrat. Angeblich wurde seitens des amerikanischen Kongresses dafür lobbyiert. Dort gibt es seit 2023 einen Sonderausschuss, der sich mit der Kommunistischen Partei Chinas befasst.
Die Verordnung sei allerdings nicht neu, sagt ein ehemaliger Schweizer Diplomat, der in China stationiert war. Doch nun werde die Verordnung offenbar strenger durchgesetzt. Ähnliches gelte mit Sicherheit auch für chinesische Regierungsmitarbeiter, sagt der frühere Diplomat. So erinnert er sich, dass chinesische Staatsvertreter ihn nie alleine getroffen hätten, sondern immer mindestens zu zweit. Er fügt an: Solche Verordnungen hätten auch für Schweizer Diplomaten in kommunistischen Ländern gegolten, während des Kalten Kriegs.
Verführt von Liebesspionen im Kalten Krieg
Das Misstrauen der USA gegenüber China erinnert tatsächlich an den Kalten Krieg. Damals griffen die Geheimdienste auf moralisch verwerfliche, aber wirkungsvolle Tricks zurück, um an vertrauliche Informationen zu kommen – unter anderem die sogenannte Honigfalle. Ein berühmtes Beispiel davon sind die Romeo-Agenten: Die Staatssicherheit der DDR bildete Liebesspione aus, die Frauen in mächtigen Positionen in Westdeutschland verführten, zum Beispiel Büroleiterinnen oder Chefsekretärinnen. Die Romeo-Agenten waren höflich, charismatisch, gut gebildet. So schaffte es die Stasi, bis in die höchsten Ebenen der Industrie und Verwaltung der BRD vorzudringen.
Der Drahtzieher hinter den Romeo-Agenten war der DDR-Spionagechef Markus Wolf. In seinen autobiografischen Erinnerungen von 1997 schrieb er, dass die Romeo-Agenten realisiert hätten, dass sie mit Sex und Liebe viel in kurzer Zeit erreichen konnten.
Auch die Sowjetunion griff auf die Verführungstaktik zurück. Sie bildete sogenannte Moschno-Mädchen aus, Agentinnen, die westliche Diplomaten und Geschäftsleute in Beziehungen verwickelten, um an geheime Informationen zu gelangen.
Heute noch gehört die Liebesfalle zum Repertoire des russischen Nachrichtendiensts. Ein jüngerer Fall ist jener der russischen Agentin Maria Butina, die es geschafft hatte, im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahl von 2016 beste Kontakte zu konservativen Politikern und der Waffenlobby herzustellen. Das Ziel der jungen Frau war, ihre Objekte im Sinne der russischen Regierung zu beeinflussen. Dafür ging sie auch eine Beziehung zu einem doppelt so alten Waffenaktivisten ein – und bot Sex an, im Tausch für einen einflussreichen Posten. Butina wurde 2018 festgenommen, im Jahr darauf zu einer Haftstrafe verurteilt und schliesslich nach Russland ausgewiesen. Heute sitzt sie im Parlament in Moskau.
Zeichen von steigendem Misstrauen
Das Misstrauen der Amerikaner ist bezüglich China nicht aus der Luft gegriffen – die Beziehungen beider Grossmächte sind angespannt, manche warnen vor einem neuen kalten Krieg. Laut westlichen Geheimdiensten nutzen chinesische Agentinnen persönliche Beziehungen, um an heikle Wirtschaftsdaten zu gelangen oder um Politiker zu beeinflussen. Bereits 2008 sandte der britische Inlandgeheimdienst eine entsprechende Warnung an britische Banken und andere Unternehmen. Auch aus Australien und den USA sind Fälle bekannt.
Wie das amerikanische Online-Medium «Axios» mit Bezug auf anonyme Quellen aus dem FBI berichtete, knüpfte die Chinesin Christine Fang in den Jahren 2011 bis 2015 Kontakte zu einer Reihe einflussreicher Politiker aus dem demokratischen Lager in Kalifornien. Mit zwei Bürgermeistern führte sie mutmasslich sexuelle und romantische Beziehungen. Sie verliess 2015 abrupt das Land während der Ermittlungen des FBI in ihrem Fall. Sie sei jedoch nur eine von vielen, sagte das FBI gegenüber «Axios».
Chinas Regierung warnte in den letzten Jahren ebenfalls vermehrt vor Spionen. Das Ministerium für Staatssicherheit erstellt Plakate und veröffentlicht Schreckensgeschichten von Staatsangestellten, die Opfer von «exotischen Schönheiten» geworden und schliesslich in den Händen von ausländischen Geheimdiensten gelandet seien. Man solle sich in acht nehmen vor Spionen, die als reiche, grossgewachsene und attraktive Personen getarnt seien, schrieb die Staatssicherheit jüngst im sozialen Netzwerk WeChat.