5 Tipps, wie Anlegerinnen und Anleger jetzt ihr Erspartes in Sicherheit bringen können.

Über 5000 Milliarden Dollar haben sich an den Aktienbörsen in Luft aufgelöst, seit Donald Trump dem Rest der Welt den Handelskrieg erklärt hat. Bei Schweizer Banken sind am Donnerstag und Freitag die Leitungen heissgelaufen, berichten Anlageberater: Manche Anleger werfen nun in Panik ihre Aktien auf den Markt. Ist das die beste Strategie, um sein Geld zu schützen?

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1. Geld ist nicht gleich Geld

Wer in den nächsten fünf Jahren sein Angespartes benötigt, ist in einer anderen Lage als jene, die ihr Geld länger auf die hohe Kante legen. Im ersten Fall scheint es rational, sofort Aktien zu verkaufen. Denn ja, die Lage ist ernst: Die Kurse an den amerikanischen Anleihemärkten sagen eine Rezession in den USA voraus. Und einflussreiche Grossbanken wie JP Morgan tun das auch.

In den Aktienpreisen jedoch ist die Möglichkeit einer schrumpfenden Wirtschaft trotz den jüngsten Korrekturen noch lange nicht enthalten. Die Finanzmärkte haben ohnehin die Tendenz, kurzfristig masslos zu übertreiben – nach oben und unten. Wenn Trump nicht bald einlenkt und nach China auch noch Europa Gegenmassnahmen ankündet, hat das Kursmassaker an den Märkten vielleicht erst begonnen.

Anleger, die Geld investieren, auf das sie lange verzichten können, sind dagegen in einer komfortablen Lage: Sie brauchen womöglich gar nichts tun.

2. Nur Bares ist Wahres

«Wer sein Geld in Sicherheit bringen will, macht das am besten konsequent. Dazu muss man wissen: Auch Gold und Staatsanleihen bieten keinen vollständigen Schutz. Sollten die Märkte ins Bodenlose fallen, kommt womöglich der Moment, in dem Investoren verkaufen, was sie noch verkaufen können: Also auch Anlagen, die sich bisher gut gehalten haben. Dann geraten Gold, Staatsanleihen und andere vermeintlich sichere Werte ebenfalls unter Druck. Das geschah etwa im Jahr 2022, als die Preise von fast allen Anlageklassen gleichzeitig fielen.»

In den USA könnte wegen der absurden Zölle sowohl die Wirtschaft schrumpfen als auch die Inflation steigen: Eine solche Stagflation ist für Anleihen und Aktien ein gleichermassen schlechtes Umfeld. Bargeld bietet kurzfristig den besten Kapitalschutz.

3. Timing funktioniert kaum je

Gleichzeitig sollten sich Anleger in Erinnerung rufen: Niemand, wirklich niemand, kann Börsenkurse prognostizieren. Genauso wenig, wie sich das Verhalten von Trump voraussehen lässt. Das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt: So konnte man selbst im Zweiten Weltkrieg an der Börse gutes Geld verdienen.

Anleger, die zum Beispiel 1939 ihre Schweizer Aktien verkauften – in jenem Jahr büssten diese 16,5 Prozent ein –, haben sehr wahrscheinlich die Börsengewinne in den folgenden drei Kriegsjahren verpasst. Gemäss Daten der Bank Pictet legten Schweizer Aktien 1941 zum Beispiel um satte 34,7 Prozent zu. Das waren damals selbst nach Abzug der beträchtlichen Teuerung in jenem Jahr schöne Gewinne.

Ein Anleger mit einem Zeithorizont von fünf Jahren hätte in den 99 Jahren zwischen 1926 und 2024 nur 14 Mal eine negative Gesamtrendite mit Schweizer Aktien erzielt, so die Bank Pictet.

Und ja, auch diese Zahl sollte man sich wieder einmal vor Augen führen: Investoren, die 1926 ein Kapital von 1000 Franken an der Schweizer Börse investierten, hinterliessen ihren Erben per Ende 2024 ein Vermögen von 1,48 Millionen Franken. Wer dagegen aktiv versucht, Börsenkorrekturen mit Verkäufen zuvorzukommen, erzielt eine systematisch tiefere Rendite: Das belegt eine ganze Reihe von Studien. Nichtstun ist an der Börse meist die beste Strategie.

4. Achtung, Ungleichgewicht!

Trotzdem: Auch wer langfristig investiert, kann gewisse Vorkehrungen treffen. Besonders jene Investoren, die weltweit diversifiziert sind, sollten ihr Portefeuille jetzt unter die Lupe nehmen. Denn weltweit diversifizieren heisst in der Logik von führenden Indexanbietern, an denen fast alle Anlagefondsgesellschaften ihre Produkte ausrichten, zwei Drittel der Aktien in US-Aktien zu stecken.

Das ist sicher keine gute Idee. Arnab Das, der globale Marktstratege des Vermögensverwalters Invesco, sagt, Anleger sollten das Gewicht von US-Aktien reduzieren. Die Zeiten der amerikanischen Sonderstellung an den Finanzmärkten sei vorbei.

5. Fokus auf Europa

Arnab Das rät Schweizer Anlegern, neben dem heimischen Aktienmarkt vor allem die Börsen im übrigen Europa zu berücksichtigen. Nun werde ziemlich sicher ein Ruck durch Europa gehen.

Noch vor kurzem hatte er die Gefahr einer «Japanifizierung» des Alten Kontinents gesehen, wie er sagt: Diese Stagnierung werde nun ziemlich sicher nicht eintreten, so der Anlageexperte von Invesco. Vielmehr könnte die Musik in den nächsten Jahren vor allem an den europäischen Börsen spielen. Arnab rät auch zu einer Diversifikation in asiatische Aktien – inklusive chinesischen Titeln.

Schweizer Anleger könnten auch überlegen, einen Teil ihres Schweizer Aktienportefeuilles bewusst in Unternehmen anzulegen, die ihre Umsätze primär im Inland erzielen. Also etwa in hiesigen Immobiliengesellschaften, Telekomfirmen oder lokal tätigen Stromfirmen, Banken und Versicherungen. Diese Unternehmen bezahlen meist auch attraktive Dividenden.

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