Das sind die Aktien von Unternehmen, die ihre Umsätze hauptsächlich in der Schweiz erzielen und so von den globalen Turbulenzen verschont bleiben dürften.

Es wird Wochen dauern, bis sich der Nebel des globalen Handelskriegs verzieht, den Trump angezettelt hat. So viel ist klar: Die grosse Verunsicherung und die Notwendigkeit, Lieferketten umzustellen, dürften eine starke Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums nach sich ziehen, vielleicht eine Rezession.

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Davon werden auch viele Schweizer Firmen betroffen sein. Ihnen sind ja 31 Prozent Zölle angedroht – falls Bundesbern diese nicht noch herunterhandeln kann. Im Umgang mit der Trump-Regierung ist Erfahrung in Basar-Verhandlungstaktik ein Plus.

Angesichts solcher Aussichten steigen manche Anleger ganz aus Aktien aus oder möchten sich zumindest auf Unternehmen fokussieren, die ihre Erträge primär in der Schweiz erzielen. Wie könnte so ein binnenorientiertes Portefeuille aussehen?

Immobilienaktien

Naheliegende Kandidaten dafür sind Immobiliengesellschaften wie Allreal, PSP Swiss Property, Swiss Prime Site oder Zug Estates Holding. Es gibt kein lokaleres Geschäft als den Häusermarkt. Alternativ dazu kommen auch die zahlreichen kotierten Immobilienfonds infrage – die in der Form von ETF auch als ein einziges börsengehandeltes Produkt erhältlich sind.

Diese Immobiliengesellschaften erwirtschaften ihre Einnahmen mit Mieteinnahmen von Wohn-, Gewerbe- und Büroobjekten im Inland. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Verwerfungen haben sie schon während der Covid-Pandemie unter Beweis gestellt.

Neben der Nachfrage nach Fläche reagieren die Kurse von Immobiliengesellschaften vor allem auf die Zinsentwicklung, und diese ist äusserst günstig: Nachdem die Nationalbank die Leitzinsen jüngst auf 0,25 Prozent gesenkt hat, könnte sie diese im Juni als Reaktion auf die Krise auf null senken. Sogar eine Rückkehr in den negativen Bereich ist denkbar.

So oder so ist der Anlagenotstand zurück. Immobilien steigen wieder in der Gunst von privaten Investoren, Versicherungen und Pensionskassen. Auch Implenia, das führende Bauunternehmen der Schweiz, könnte davon profitieren – es erzielt allerdings einen bedeutenden Teil seines Umsatzes im übrigen Europa.

Versicherungen und Banken

Der Versicherungssektor – nomen est omen – verspricht ebenfalls eine relative Sicherheit. Und dazu hohe Dividendenzahlungen. Swiss Re und Zurich sind zwar global aufgestellt, aber Dienstleistungen stehen ja nicht im Fokus der US-Regierung. Gesellschaften wie Swiss Life, Baloise, Helvetia oder Vaudoise generieren ohnehin einen Grossteil ihrer Prämien in der Schweiz.

Schweizer Banken, auch jene, die eine internationale Kundschaft ansprechen wie EFG, Julius Bär oder UBS, könnten von der internationalen Verunsicherung sogar profitieren. In stürmischen Zeiten schätzen Kunden aus aller Welt den sicheren Hafen Schweiz mitsamt seinem Franken.

Besonders risikoaverse Anleger werden aber die Aktien oder Partizipationsscheine einer der an der Börse kotierten Kantonalbanken bevorzugen.

Telekomfirmen

Eine sichere – und renditestarke – Anlage sind ferner die beiden Telekomfirmen Swisscom und Sunrise. Niemand wird wegen Trumps Handelskrieg auf sein Handyabo oder den Internetanschluss verzichten.

Sunrise ist nur in der Schweiz tätig und positioniert sich an der Börse als Dividendentitel. Die Swisscom erzielt neu zwar rund die Hälfte des Umsatzes in Italien, doch das ist in einem transatlantischen Konflikt kein Nachteil.

Leider gibt es in der Schweiz kaum börsenkotierte Detailhändler. Eine Ausnahme stellt Mobilezone dar, die ebenfalls auf Handys und andere Telekom-Produkte spezialisiert ist. Auch bei den Stromfirmen gibt es nur eine sehr beschränkte Auswahl: Die Aktien von BKW oder Romande Energie sind eine valable Option für Anleger.

Auch Unternehmen wie der Flughafen Zürich oder die Jungfraubahnen, die eigentlich Symbole des globalen Tourismus geworden sind, könnten bei Anlegern auf der Suche nach heimischer Sicherheit Zuspruch finden.

Überraschungen sind möglich

Wahrscheinlich werden wir in ein paar Monaten überrascht zur Kenntnis nehmen, dass es selbst bei auf die Weltmärkte ausgerichteten Unternehmen überraschende Gewinner des Handelskrieges geben wird. Eine Kandidatin könnte SGS sein, deren Kerngeschäft – die Inspektion und Zertifizierung von Waren und Dienstleistungen – eng mit dem globalen Handel verbunden ist.

Paradoxerweise könnten neue Zölle, Sanktionen und komplexere Ursprungsregeln auch die Nachfrage nach den Dienstleistungen von SGS erhöhen. Unternehmen benötigen bald vermehrt Nachweise, woher ihre Produkte oder einzelne Komponenten stammen, um Zölle, Strafen oder Verzögerungen zu vermeiden.

Auch die Auswirkungen auf ein Speditionsunternehmen wie Kühne+Nagel – eigentlich ein klassischer Gewinner von Globalisierung und Handel – sind nicht ganz klar: Ein Rückgang von Exporten und Importen bedeutet weniger Container auf Schiffen und weniger Fracht in Flugzeugen. Das wäre natürlich schädlich für das Geschäft von Kühne+Nagel, und tatsächlich gehörte die Aktie diese Woche zu den grössten Verlierern an der Schweizer Börse.

Gleichzeitig wird die Logistik während Handelskonflikten komplexer. Unternehmen brauchen Lösungen, um neue Zollvorschriften zu navigieren, alternative Routen zu finden oder ihre Lieferketten neu aufzusetzen. Grosse Anbieter wie Kühne+Nagel sind gut positioniert, um solche Dienstleistungen anzubieten. Wir könnten in den kommenden Wochen noch überraschende Bewegungen an der Börse sehen.

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