Der englische Fussballklub agiert neu als Kuppler. Was soll schon schiefgehen, wenn zwei den gleichen Klub lieben?
Der englische Kultautor Nick Hornby, 67, hochgeschätzter Fussballromancier und glühender Fan des Arsenal FC, soll die Liebe von Fussballfans zu ihren Vereinen einmal so beschrieben haben: «Du suchst dir keinen Klub aus, sondern der Klub sucht sich dich aus.» Hornbys Ausspruch könnte eventuell bald um den Zusatz erweitert werden, dass der Verein für einen sogar auch den Lebenspartner auswählt.
Denn Arsenal hat kürzlich für seine Fans eine neue Dating-Show präsentiert, die es im Fussball in dieser Form nicht gegeben hat. Das Format trägt den Namen «The Big Match» und soll zu einem bis jetzt nicht bekannten Zeitpunkt an den Start gehen. Das Kuppelprogramm beinhaltet sogenannte Blind Dates im Rahmen von Arsenal-Heimspielen.
Zwei jeweils nicht miteinander bekannte Anhänger des Klubs sollen in Stadionnähe zusammengeführt werden und von dort aus gemeinsam zum Spiel gehen. Beide werden vor und während des Matches von Kameras begleitet, um entsprechende Emotionen und Sympathien einzufangen; dazu werden sie hinterher befragt. Den Kandidaten stellt Arsenal in Aussicht, die Zuneigung zu den Gunners könne der «Katalysator für eine noch tiefere Romanze sein»: Spieltage seien eine Zeit, in der man sich «mit dem schönen Spiel und miteinander» verbinde, heisst es.
Das Schreiben ist mit Stadionbild und Herz versehen, die Headline: «Do you love the Arsenal?» Angesichts der lange zurückliegenden letzten Arsenal-Meisterschaft 2004 wird in London gewitzelt, dass es für die Fans wohl eher mit der Liebe als mit dem Titel klappt.
Voraussetzung für eine Teilnahme ist das Mindestalter von 18 Jahren, ein Wohnsitz in Grossbritannien und dass man Single ist. Bis einschliesslich 11. April können Interessenten auf der Homepage des Klubs ein entsprechendes Formular absenden. Zu den Pflichtfeldern im Fragebogen gehört neben persönlichen Angaben, einem Foto und der sexuellen Orientierung eine Erklärung, weshalb man sich einst in Arsenal verliebt habe. Auch das Profil des möglichen Blind Dates lässt sich eingrenzen, es geht um Alter, Körpergrösse, Typ und Charakter.
Mit dem Projekt verfolgt der Verein wohl das Ziel, die Bindung zu den Fans zu stärken und bei einem erfolgreichen Produktionsverlauf gegebenenfalls Zusatzerlöse zu erzielen. Die Idee ist eine Art Abwandlung der Amazon-Dokuserie «All or Nothing: Arsenal», in der das Männer-Profiteam durch die Saison 2021/22 begleitet worden war.
Bestenfalls laufen die Dates in «The Big Match» so ab, wie Nick Hornby seine Obsession für den Arsenal FC in seinem 1992 erschienenen und später verfilmten Buch «Fever Pitch» ausgeführt hat, einer Hommage an sein Fan-Dasein. Darin verglich er seine Liebe zum Fussball, also zu Arsenal, mit der zu Frauen: Er habe sich beide Male «unvermittelt, unerklärlich und unkritisch verliebt – ohne einen einzigen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden» sein könnten. Sollte es letztlich für die Arsenal-Anhänger doch nicht mit der grossen Liebe klappen, bliebe ihnen immerhin noch die Liebe zum Klub.
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