Warum sagt man eigentlich «Auf Wiedersehen» zu Leuten, die man gar nicht wiedersehen will? Und wie kann man es besser machen? – Werner D., Berlin
Lieber Werner, um Himmels willen: bitte nicht. Ich weiss, die Free-Speech-Ultras werden immer lauter, aber ich finde es äusserst unkultiviert, alles rauszuhauen, was einem durch den Kopf rauscht. Was kommt als Nächstes – die Frage «Na, wie geht’s?» einzukürzen, weil man weder eine ehrliche Antwort bekommt noch wirklich daran interessiert ist? Ich bin keine grosse Freundin von Floskeln, aber diese Konventionen sind das Schmiermittel unserer Gesellschaft, das Warm-up, damit man nicht sprachlos voreinandersteht; sie sind ein Spalt, durch den ein Weg zum anderen führt.
Wenn man anfängt, diese Sätze aus Zeit- oder Befindlichkeitsgründen wegzukürzen, verabschieden wir uns in einem Jahr mit einem Tritt gegen das Schienbein, einfach nur, weil das Gespräch genervt hat und einem der Nieselregen kalt in den Kragen gehuscht ist. Und wenn man wirklich so ein Jammerlappen ist, dass einem das Wort «Auf Wiedersehen» Bauchschmerzen bereitet, dann haben wir doch mit Corona den passiv-aggressivsten Abschied aller Zeiten erfunden: «Bitte bleiben Sie gesund.»
Ihre Fragen senden Sie bitte an: hatdasstil@nzz.ch