Die Fahrt mit der Tramlinie 18 durch Genf ist eine kulinarische Entdeckungsreise in den cooleren Vierteln der Stadt, vom Gare Cornavin bis nach Carouge.

So bequem wie in Genf hat man es als Foodie in keiner anderen Schweizer Stadt. Mit der Tramlinie 18 kann man direkt vom Gare Cornavin einige der derzeit angesagten Kulinarik-Hotspots abfahren. Doch nicht nur das. Man erhält auch einen guten Querschnitt der Rhonestadt. Sobald man den Jet d’Eau fertig abgeknipst und die Fünfsternehotels, die sich wie eine Perlenkette aneinanderreihen, hinter sich gelassen hat. Und bereit ist, sich von den Superlativen zu entfernen; vom Ufer des Lac Léman, des grössten Sees der Schweiz, von der Place du Bourg-de-Four, dem ältesten Platz der mittelalterlichen Altstadt, und der besten Viennoiserie im «Le Comptoir Woodward».

Titouan Claudet wurde für sein dortiges Werk von «Gault Millau» zum «Patissier des Jahres 2025» gekürt. Feuilleté, also Gebäck mit millimetergenauen, mehrfachen Lagen, ist seine Spezialität. Danach starten wir dann an der Place Neuve, einem der architektonisch imposantesten Plätze Genfs, flankiert von Universität, Banken und Opernhaus. Wichtiger aber ist, dass er als einst strategischer Teil der Festungsanlagen heute das piekfeine Quartier mit den hippen, etwas abgegriffenen Vierteln anbindet.

Vom Flohmarkt zum Feinkostladen

Unweit davon liegt etwa das «Le Dorian», ein Lokal aus den 1950er Jahren, gegründet von einer Theaterschauspielerin. Im vergangenen Jahr legten der Genfer Architekt Youri Kravtchenko und sein Büro Dimanche Hand an und verliehen dem traditionellen Bistro einen schicken, zeitgenössischen Anstrich. Mit einem phantastischen Artischockensalat samt Stracciatella und hausgemachter Paccheri stärken wir uns hier für den Flohmarktbesuch am Plainpalais (übrigens schweizweit einer der grössten).

Hier lassen sich gut ein paar Stunden vertrödeln, bevor man wieder in die 18 steigt und zügig über die Arve ins charmant-ruhige Viertel Carouge fährt. Man glaubt, sich in einer italienischen Kleinstadt zu wähnen – das hat mit seinen sardischen Wurzeln zu tun; Altbau lehnt sich an Altbau, Kunstgalerien finden sich neben Antiquitätenshops und Feinkostläden.

Am Ende des Dorfkerns befindet sich unsere Unterkunft, das Guesthouse des bereits erwähnten Architekten. Mit viel Sorgfalt und humorvollen Stücken hat er das ehemalige Theater umgestaltet; dazu gehören die klobigen Spiegel des Designlabels Moustache, ein lavendelfarbenes Bad, und im Wohnzimmer hängt eine überdimensionale «Saucisse» der Genfer Künstlerin Maria Clara Castioni wie eine letzte Maxime. In Genf entkommt man der Kulinarik selbst beim Sich-davon-Entspannen nicht.

Ein Wochenende in Genf

Freitag: 16:00 | Einchecken

Im «Maison Dimanche» in Carouge trifft Altbau auf Designermöbel und Kunst.

18:00 | Geniessen

Whisky in der Bar du Nord, dann weiter zu La «Huchette» für feines Carpaccio Saint Jacques und Tartare d’huîtres.

Samstag: 09:00 | Schlendern

Artisanales Gebäck bei «Au Doux Péché» aussuchen und dann über den Marché de Carouge schlendern.

20:00 | Dinieren

Im Restaurant Bombar warten ein junges Team, Œuf Mayo und guter Naturwein.

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