Das neue Modell der rumänischen Renault-Tochter ist ein ehrliches Auto, das sich auf das Wesentliche konzentriert. Mit einem luxuriösen Platzangebot, sparsamen Antrieben und modernem Fahrwerk bietet er alles, was ein SUV im Kompakt-Segment braucht – und das zum günstigen Preis.
Was man sieht, ist, was man bekommt. Dies trifft auf Autos der Renault-Tochter Dacia zu, und ganz besonders auch für das neue SUV Bigster. Der ist mit 4,57 Metern Länge tatsächlich das grösste Auto, das Dacia bisher gebaut hat. Und der Wagen ist eine Dacia-typische «ehrliche Haut», denn für mindestens 27 690 Franken bekommt man ein grosszügiges Fahrzeug ohne Überflüssiges.
«Das Auto hat alles Essenzielle, das ein SUV im C-Segment braucht», erklärt Vincent Geslin vom Dacia-Produktmanagement zu Recht. Äusserlich gibt sich der Bigster kantig und robust, bietet genügend Bodenfreiheit fürs gelegentliche Fahren auf unbefestigter Strasse. Für eine anspruchsvollere Geländepartie reichen die Böschungswinkel an Front und Heck jedoch nicht aus. Wer solch rustikale Ansprüche ans Fahrverhalten hat, wählt besser den nächstkleineren Dacia Duster.
Die stärkere Auslegung des Bigster auf Stadt und Agglomeration entspricht jedoch dem überwiegenden Kundenwunsch, der sich im stark umkämpften Marktsegment der kompakten SUV manifestiert. Benötigt werden viel Platz und Funktionalität, verbunden mit einem niedrigen CO2-Fussabdruck und einem günstigen Anschaffungspreis.
Funktional ist der Bigster allerdings, verfügt er innen jedoch über viel robusten Kunststoff, bequeme Sitze und – vor allem – grosszügige Platzverhältnisse. Die Kniefreiheit auf den Rücksitzen ist mit 24 Zentimetern sehr gut, Kopf- und Beinfreiheit sind generell in einem Bereich, den man sonst nur von Skoda oder SUV in höheren Fahrzeugklassen gewohnt ist. Hinzu kommt ein Kofferraumvolumen von 612 Litern, das sich durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf gut 1900 Liter erweitern lässt. Das sind Werte, die im Kompaktsegment ihresgleichen suchen.
Benutzerschnittstelle auf Renault-Niveau
Der Bigster gibt sich bei der Bedienung sehr modern. Der Fahrer erhält eine 10 Zoll grosse Anzeige, die er durch das Lenkrad gut ablesen kann. Hinzu kommt ein zweiter 10-Zoll-Screen mit allen essenziellen Anzeigen für Infotainment, Navigation und Smartphone-Anbindung. Das Bordsystem ist Android-Automotive wie schon bei Renault oder anderen Marken wie Volvo.
Trotz allem Hartplastik im Armaturenträger und an den Türverkleidungen findet sich punktuell überraschender Komfort, nicht nur auf den langstreckentauglichen Sitzen. In der Mittelkonsole gibt es je nach Modellvariante eine Kühlbox, der Fahrersitz ist ebenso elektrisch bedienbar wie die Heckklappe des Dacia Bigster.
Für einen sparsamen Verbrauch sorgt die Antriebspalette, die drei Varianten bietet. Als Einstiegsmodell dient der frontgetriebene Mildhybrid mit 140 PS und 6-Gang-Handschaltung. Ein 48-Volt-Bordnetz trägt zum leicht elektrifizierten Antrieb und einem Normverbrauch von 5,5 Litern je 100 Kilometer bei.
Wer Allradantrieb wünscht, bekommt denselben Mildhybrid mit manuellem Getriebe, jedoch nur 130 PS. Der 4×4-Antrieb kostet Sprit, der Normverbrauch liegt hier bei 6,3 Litern.
Die vermutlich beliebteste Variante wird jedoch der Vollhybrid mit 155 PS und Automatik sein, auch in der Schweiz, wie die Schweizer Dacia-Chefin Claudia Meyer aufgrund der bisher eingegangenen Bestellungen vermutet: «75 Prozent aller Kunden haben bisher den Hybrid 155 bestellt», bestätigt sie. Der Normverbrauch liegt beim Vollhybrid bei 4,8 Litern, was sich nur nachvollziehen lässt, wenn der Bigster im Alltag keine langen Autobahnfahrten zu absolvieren hat.
Hybridantriebe sind auf neustem Stand der Technik
Für erste Testfahrten stand die Variante Hybrid 155 bereit, in der mittleren Ausstattung «Journey», mit grossem Panoramaglasdach. Dieses lässt sich auf bis zu 57 Zentimeter öffnen, gibt es jedoch serienmässig nur in der Topausstattung «Extreme». Sonst aber ist die Grundausstattung des Dacia Bigster bereits reichhaltig, Rückfahrkamera und jede Menge Fahrsicherheitsassistenten inbegriffen.
Der Vierzylindermotor des Vollhybrid zeigt sich drehfreudig und durchzugsstark, ohne jedoch lärmig zu wirken – dies dank einer deutlich besseren Lärmdämmung, als man von Dacia erwarten würde. Die elektrische Unterstützung schaltet sich beim Anfahren fast unmerklich dazu. Auch ein rein elektrisches Fahren ist auf kurzen Strecken möglich.
Auf der Fahrt erstaunt, wie komfortabel das Fahrwerk abgestimmt ist und viele Bodenwellen und Schlaglöcher gut aufzufangen weiss. Gleichzeitig zeigen sich nur geringe Wankbewegungen in der Karosserie. Hier hat Dacia von der Fahrwerkentwicklung des Renault-Mutterhauses deutlich profitiert, denn trotz der eher weichen Abstimmung legt sich der Bigster in Kurven nur geringfügig auf die Seite. Dadurch lässt sich das preisgünstige SUV deutlich handlicher durch enge Gassen bewegen – er ist mit einer Breite von 1,81 Metern auch schmaler als die Konkurrenz. Ein Wendekreis von weniger als elf Metern trägt zur Wendigkeit bei – selbst enge Parklücken sind für den Bigster eine Kleinigkeit.
Das neue Flaggschiff in der Dacia-Palette bringt somit die Essenz eines praktischen und modernen SUV auf den Markt, das selbst als Topmodell in höchster Ausstattung gerade einmal 31 690 Franken kostet. Die Mitbewerber sind oft dreissig Prozent teurer.
Die Testfahrten wurden durch Dacia unterstützt.