Bei meiner neuen Arbeit läuft oft das Radio. Die Musik ist okay, doch Geplapper und Werbung stören meine Konzentration. Der Kollege stellt sich stur, was kann ich tun? – Tamara T., Zürich
Liebe Tamara, es ist doch der Sinn kommerzieller Radiosender, mit akustischen Widerhaken die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Welche Form von geistiger Leistung soll denn so möglich sein? Sie verpacken ja keine Cornflakes. Und genau deshalb müssen Sie dies entweder mit dem Kollegen oder, bei Unwilligkeit, mit den Vorgesetzten besprechen: Sie sind für die Qualität Ihrer Arbeit verantwortlich. Die nächste Frage wäre, ob Sie bereit sind, sich unbeliebt zu machen. Ich habe mich geweigert, meinen ersten Job anzutreten, nachdem man mir ein Raucherbüro zugeteilt hatte (das auch von anderen Rauchern genutzt wurde). Das Büro wurde daraufhin zum Nichtraucherbüro deklariert, einen Beliebtheitswettbewerb habe ich damit nicht gewonnen. Aber leider gibt es Selbstverständlichkeiten nicht gratis.
Und auch wenn ich Konfliktmüdigkeit nachvollziehen kann, sollten wir die Bewertungen (gerade für Frauen) für «anstrengend» und «nervig» neu definieren: Oft bedeuten diese auch «eigenständig» und «konsequent». Natürlich können Sie sich Noise-Cancelling-Kopfhörer zulegen, um den besten Hits der 1990er zu entkommen. Aber das könnte auch der Störenfried: Es gibt natürlich kein Recht auf Schonhaltung.
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