Eine gute Weinkarte zeichnet sich durch Vielfalt, Übersichtlichkeit und ein überschaubares Sortiment aus. Das Angebot im ehrwürdigen Hotel Cresta Palace in Celerina erfüllt diese Anforderungen. Der Gast findet gleichermassen bekannte Namen und solche, die es zu entdecken gilt.
Das Motto der Weinkarte ist gut gewählt: «Wine Experience». Tatsächlich lassen sich im Engadiner Hotel Cresta Palace in Celerina genussvolle Erfahrungen machen. Während meiner Skiferien haben wir schöne Tropfen sowie ein vorzügliches Abendessen im «Giacomo’s» serviert bekommen, in einem der Restaurants des 4-Sterne-Superior-Betriebs. Das imposante Jugendstil-Haus, das seit 1906 auf Grandezza und Grosszügigkeit setzt, ist im ruhigen Dorf nicht zu übersehen.
Zurück zum Wein. Die reichlich dotierte Karte mit über 300 verschiedenen Positionen hat für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas parat. Der Schwerpunkt des Angebots kommt aus der Schweiz, Italien und Frankreich. Abgerundet wird es mit Weinen aus Österreich, Deutschland und Spanien. Relativ klein ist die Auswahl aus der Neuen Welt wie Australien, den USA oder Südafrika.
Wer keine Flasche bestellen will, wählt einen der gut 20 Tropfen aus dem Offenangebot. Alkoholfreie Alternativen dürfen heute nicht fehlen. Mich sprach der trockene, frische Chablis 2023 der Domaine Chanson aus dem Burgund mehr an (13 Franken je Deziliter). Wer es zum Apéro sprudelnd mag, ist mit dem Franciacorta Alma Brut von Bellavista aus der Lombardei gut bedient (16 Franken).
Weine aller Preisklassen
Die Qual der Wahl besteht beim Flaschenangebot. Sicher infrage kommt einer der gesuchten Crus des deutschen Spitzenweinguts Bernhard Huber aus dem Anbaugebiet Baden. In Sachen Weisswein gibt es den Malterdinger Chardonnay trocken 2021 für faire 80 Franken. Wer einheimische Tropfen bevorzugt, ist mit der Bündner Herrschaft gut bedient, etwa mit Sauvignon blanc 2023 des Guts Hansruedi Adank aus Fläsch (76 Franken) oder mit Pinot blanc 2022 von Annatina Pelizzatti aus Jenins (74 Franken).
Bei den Roten konnte ich dem strukturierten, grossartigen Gattinara 2020 der piemontesischen Cantina Nervi di Giacomo Conterno nicht widerstehen – ein grossartiger, im Vergleich zu den oftmals teuren Baroli relativ preiswerter Nebbiolo (120 Franken). Generell ist die Auswahl an italienischen Crus gross – ebenso an Schweizer Beispielen. Idealerweise bleibt man auch hier den Bündnern treu. Beim nächsten Mal würde ich entweder den eleganten Trocla Nera 2021 von Obrecht aus Jenins (80 Franken) oder den gehypten Pinot noir Pilgrim 2019 von Möhr-Niggli aus Maienfeld bestellen (104 Franken). Wer mehr Geld ausgeben will, findet auch die raren Weine von Daniel und Martha Gantenbein.
Frankreich darf in einer guten Weinkarte nicht fehlen. Die Prominenz ist nicht ganz günstig. Es bestehen freilich Ausweichmöglichkeiten, etwa mit dem Bordeaux Château du Tertre 2019 aus dem Margaux (105 Franken) oder mit dem aus Pinot noir gekelterten Nuits St. Georges 2019 der Domaine David Duband aus dem Burgund (108 Franken).