Der «nette Röbi» verkörperte mit seiner Sendung «Happy Day» friedlichen, gutschweizerischen Durchschnitt. Nun tritt er ab. Als nationales Kulturgut.
Röbi Koller ist gerade überall. Keine Sendung, die es beim Schweizer Fernsehen (noch) gibt, die sich nicht mit Koller beschäftigt. Nein, mit «Röbi». Der «Blick» sagt mit einem persönlichen Kommentar freundlich Adieu. Er ist zu Gast bei «Blue», bei Radio 1. Immer per Du.
Am Samstagabend wird er durch die Sendung «Happy Day» moderieren, nach achtzehn Jahren zum siebenundachtzigsten und letzten Mal. Danach verabschiedet er sich vom Sender. Nicht ohne kleinen, süssen Zusatz. Das SRF wird nach der Show und bis zum folgenden Morgen eine «Röbi-Koller-Kultnacht» senden. Warum nicht? Koller, 67, ist einer der beliebtesten Moderatoren des Landes, ein «Samstagabendstar», der daran erinnert, dass diese «Kisten» früher die Lagerfeuer der Nation verkörpert haben.
Dass Röbi Koller einmal Kult werden sollte, was immer das im Detail auch heissen mag, dass er aber sicherlich zum beliebten Gesicht in der Öffentlichkeit wurde: Das dürfte viel damit zu tun haben, wie er seine Rolle als Moderator und als öffentliche Person versteht. Früher wollte er einmal so werden wie Thomas Gottschalk, «er war mein Vorbild», bis er merkte, dass er kein «Selbstdarsteller» sei, auch kein «Unterhalter».
«Lagerfeuermentalität»
So hat er es nun fast zwei Jahrzehnte lang bei «Happy Day» gehandhabt, zuvor schon bei «Quer» und «Karussell» – und beim Radio. Angefangen hat er – wie so viele – bei Roger Schawinski. Zuerst war er jedoch Taxifahrer. Auch so ein Menschenfreundjob. Der Mensch steht bis heute im Mittelpunkt. Jene, die es nicht so einfach haben, wie es Koller gerne ausdrückt, die «vielleicht einfach Pech hatten». Diese Menschen zu zeigen, ihnen – wie bei «Happy Day» – eine Freude zu machen; das kommt, natürlich, gut an. Er nennt das «Lagerfeuermentalität».
Noch immer schauen sich etwa 500 000 bis 700 000 Schweizerinnen und Schweizer seine Show an. Das mag zwar weniger sein als auch schon – aber der Marktanteil liegt heute bei etwa 40 Prozent.
Ob es ein solches Format noch braucht, in Zeiten, in denen das SRF sparen muss, die Halbierungsinitiative an die Urne kommen wird? Eine Umfrage des «Tages-Anzeigers» hat ergeben, dass die Leserschaft vieles für unabdingbar halte. Für «Happy Day» galt das nicht.
Röbi Koller ist es gewohnt, dass man ihn und seine Sendung nicht immer ganz ernst nimmt. Er sagte einmal: «Wir wurden von den coolen Hipstern und hartgesottenen Newsjournalisten nach achtzehn Jahren dann und wann als Tränendrüsenshow abgetan.» Für ihn ist es Journalismus. Weil das Leben nicht nur gut und gesund ist, «das haben wir bei ‹Happy Day› zeigen wollen». Und weil er die Menschen, obschon sie oft belächelt werden für ihre Wünsche und die Bereitschaft, dafür ins Fernsehen zu gehen, ernst genommen hat.
Die Erfolgskomponente, sagte er einmal, sei eine «gute Portion Swissness». Bescheiden sein, sein Schicksal tragen – eine Haltung, die dieses Land von anderen unterscheide. Oder auch, dass das «bluemete Trögli mit Alphorn und Trachten» manchmal noch dazugehören dürfen.
Röbi, Beni, Mäni
Röbi Koller war auch deshalb immer der Vertreter einer Schweiz, die es nicht mehr gibt. Und die viele Menschen offensichtlich vermissen. Sonst gäbe es seine Sendung schon lange nicht mehr. Nicht bünzlig, sondern Patchwork (so lebt er privat). Koller ist ein Posterboy, vielleicht der letzte, wie früher Thurnheer oder Weber. Röbi. Beni. Mäni.
Alles Normalos. Gutschweizerischer Durchschnitt. Sich zeigte man in der Homestory der «Schweizer Illustrierten». Mehr Selbstinszenierung war selten. Ein Prominenter ist in der Schweiz jemand, den man auch im Alltag antreffen kann. Wenn Koller mit Gruppen unterwegs ist, dann ist er nicht der Reiseleiter, sondern «der nette Röbi». Er ist fürs «Feelgood» zuständig. Der «Seelsorger der Nation» («Blick»).
Darum war er der passende Mann für ein solches Format. Weil er weiss, dass das Leben auch einmal Brüche hat. Er hat zweimal beim SRF gekündigt, ohne anderen Job in Aussicht. Obschon er beim zweiten Mal schon 45 war und nach seiner Scheidung Alimente für seine zwei Töchter zahlte. Immer hat sich etwas ergeben. Jahrelang hat er auch an schweren Rückenleiden gelitten, nächtelang nicht schlafen können. Das schafft Verständnis für das Schicksal der anderen.
Wo er auch hinkommt, hat er selbst einmal gesagt, wird er empfangen im Stil von «Üse Röbi isch da!». Das dürfte noch ein Momentchen so bleiben.