Donnerstag, Oktober 10


«Garden of Time»

3-D-Blumen, Naked Dressing, Kleider mit Geschichte und (fast) keine langweiligen Anzüge: Das waren die grössten Trends an der Met Gala 2024, getragen von Zendaya, Kim Kardashian, Lana Del Rey und weiteren Stars.

Etwas mit Garten? Etwas mit Zeit? Das Motto der diesjährigen Met Gala, des vielbeachteten Fundraising-Events für das Kostüminstitut des New Yorker Metropolitan Museum of Art, war etwas abstrakter als die letztjährige Sause um den verstorbenen Karl Lagerfeld. Der Titel «Garden of Time» basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte des Autors J. G. Ballard von 1962. Darin kann ein Graf seine Villa vor einer zerstörerischen Horde beschützen, indem er Kristallblume für Kristallblume in seinem Garten pflückt und so die Zeit temporär verlangsamt. Es geht also, vereinfacht ausgedrückt, um Vergänglichkeit, Erhaltung, Schönheit, Zerstörung.

Wie geht man mit einem Thema um, das so sehr auf der Metaebene stattfindet? Für viele der berühmten Gäste ist die Met Gala der grösste rote Teppich des Jahres, der nicht mit einer Preisverleihung verknüpft ist – obwohl im Internet jedes Jahr inoffiziell die besten Looks gekürt werden. Marken bezahlen 350 000 Dollar, um einen Tisch am Anlass besetzen zu können. Druck ist also genügend da.

Viele nahmen das Thema buchstäblich: Über ihre Kleider wuchsen Äste, Rosen und, im Fall des «Challengers»-Stars Mike Faist, eine Herbstrübe. Oder man wagte sich an Designer, die mit ihrer Arbeit auf Vergänglichkeit hinweisen, sie zelebrieren und hinterfragen, wie das einst Alexander McQueen tat. Oder Jonathan Anderson, der das gern mit einer Prise Humor tut. Dessen Arbeitgeber Loewe war zusammen mit Tiktok und Condé Nast Hauptsponsor des Abends.

Besonders viele Gäste, von Kim Kardashian über Gwendoline Christie bis Zendaya, trugen John Galliano: Kleider aus seiner Zeit bei Givenchy, Dior und jetzt Maison Margiela. Das ist deswegen nennenswert, weil erst kürzlich ein Artikel in «The Cut» behauptet hatte, dass die diesjährige Ausstellung eigentlich dem Designer gegolten hätte, bevor das die Museumsleitung aufgrund seiner antisemitischen Tiraden 2011 verhindert hätte. Weder das Metropolitan Museum, Anna Wintour noch der Kurator Andrew Bolton nahmen dazu Stellung.

Die Ausstellung

«Sleeping Beauties: Reawakening Fashion»

Die nun mit der Gala eröffnete Ausstellung heisst «Sleeping Beauties: Reawakening Fashion». Sie zeigt um 250 Kleidungsstücke aus der ständigen Sammlung des Kostüminstituts des Metropolitan Museum: die «Sleeping Beauties», Kleidungsstücke, die zu zerbrechlich oder zu empfindlich sind, um wie gewohnt an Puppen ausgestellt zu werden. Mit digitaler Animation und Projektionen werden sie zum Leben erweckt.

Gastgeber des Abends waren neben Anna Wintour eine eklektische Mischung aus Musikern, Schauspielerinnen und einem Geschäftsmann: Jennifer Lopez, Zendaya, Chris Hemsworth, Bad Bunny, Jonathan Anderson und Shou Chew, CEO von Tiktok.

Der grösste Trend: 3-D-Blumen

Das Motto «Garden of Time» wurde von vielen Stars wortwörtlich genommen. Blumen sind zwar nicht gerade «groundbreaking», wie Miranda Presley in «Der Teufel trägt Prada» zynisch anmerkte, dafür wirken sie in 3D besonders effektiv. Die Blüten waren an verschiedene Stellen der Kleider und Anzüge genäht. Manchmal erkannte man sie auch erst auf den zweiten Blick.

Der überraschendste Trend: Experimentelle Materialien

An der Met Gala will man aus der (eh schon exklusiven) Menge herausstechen. Dazu reicht manchmal nicht einmal die feinste Seide oder der voluminöseste Tüll. Einige Designer griffen dieses Jahr zu unerwarteten Materialien wie Sand, Kunstharz und Perlmutt.

Der immergrüne Trend: Naked Dressing

Beige Unterhosen mögen auf den ersten Blick wenig sexy sein, doch sie erzeugen eine subtile Illusion von Nacktheit. Die Kleider sind mit Perlen und Fransen verziert oder aus einem transparenten Stoff. Gesehen wird, was gesehen werden soll.

Der spannendste Trend: Mit Geschichte, bitte!

Mode kann – gerade an der Met Gala – Geschichten erzählen, die über kommerzielle Beziehungen zwischen Häusern und ihren Gesichtern hinausgehen. Unter anderem mit Vintage-Kleidern oder Neuinterpretationen davon.

Der erfrischendste Trend: Langweilige Anzüge unerwünscht

Anzüge bleiben die erste Wahl für Herren an offiziellen Anlässen. Dass diese klassische Entscheidung aber überhaupt nicht langweilig aussehen muss, bewiesen etwa Bad Bunny in Maison Margiela und Dan Levy in Loewe. Ihre Looks sind auch eine gute Inspiration für modemutige Männer fernab der Met Gala: Oft braucht es gar nicht viel, um einen mutigeren Dreh zu finden.

Der klassischste Trend: Eine Farbe, viel Wirkung

Wer den Garten holistisch denkt, sieht sich als kleiner Teil eines grossen Ganzen. Ähnlich wie bei einem Bild von Monet ergeben die Farbflecken in der Masse eine bunte Wiese.

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