Viele der wichtigsten Produktionszentren für Kleidung werden von Trumps erhöhten Einfuhrzöllen betroffen sein. Schon jetzt hat das Folgen für die globale Modeindustrie.

Das Kartonschild, das Donald Trump bei seiner Ansprache am 2. April aufhielt, sah mit seiner eingefärbten Tabelle und seinen nackten Zahlen seltsam prosaisch aus. Doch für die Modewelt kommt es einer Hiobsbotschaft gleich. «Fassunglos» sei die globale Modeindustrie nach der Konferenz zurückgeblieben, schreibt das Branchenportal «Business of Fashion». Sie werde von den erhöhten Einfuhrzöllen, die der amerikanische Präsident am dramatisch benannten «Liberation Day» verkündete, besonders stark betroffen sein.

Denn die Zölle treffen die Industrie in ihrem Kern. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben westliche Modemarken die Herstellung ihrer Kleider ins Ausland ausgelagert, überwiegend nach Asien. 2024 importierten die USA laut «Vogue Business» 60 Prozent ihrer Kleidung aus China, Vietnam und Bangladesh.

Gerade dort werden viele von Trumps höchsten Zöllen, die sogenannten «reziproken» Zölle, zum Tragen kommen: Exporte in die USA aus Kambodscha werden in Zukunft mit Extrazöllen in Höhe von 49 Prozent besteuert, solche aus Vietnam mit 46 Prozent, solche aus Bangladesh mit 37 Prozent und solche aus China mit 34 Prozent. Bereits ab dem 9. April sollen diese Zölle greifen.

Preissteigerungen werden erwartet

Sie sei «zutiefst enttäuscht» über diese Entscheidung, sagte die Handelsgruppe «United States Fashion Industry Association» in einer Erklärung laut «Business of Fashion». «Diese Massnahme wird vor allem amerikanische Modemarken und Einzelhändler treffen», fuhr sie fort. Denn laut der Branchenplattform importiert das Land über 98 Prozent seiner Kleidung und etwa 99 Prozent seiner Schuhe.

Was heisst das konkret? «Die unmittelbarste Auswirkung werden höhere Kosten sein, von denen viele an die Konsumenten weitergegeben werden», sagte der Analyst Neil Saunders von GlobalData gegenüber «Vogue Business». Das könnte besonders preisgünstige Mode von Anbietern wie Shein oder Zara betreffen. Bei ersterer Marke sind Kleider schon ab einem Dollar erhältlich, hergestellt werden sie vorwiegend China. «Zölle könnten das Ende von Billigkleidung bedeuten», schrieb etwa das Newsportal Axios bereits im März.

Am anderen Ende der Preisskala liegt die Luxusindustrie, die viel in Europa produziert und seit der Pandemie ohnehin bereits weitreichende Preissteigerungen implementiert hat. Wie weit die Kundinnen und Kunden diese noch tragen werden, wird sich zeigen.

Die Börse reagierte umgehend auf Trumps Ankündigung. Aktien von Firmen wie Nike, Ralph Lauren und Abercrombie & Fitch verloren kurz darauf um je sieben bis acht Prozent ihres Werts. Bei der Activewear-Marke Lululemon waren es gar über zehn Prozent. Auch die Aktienkurse von Luxuskonzernen wie LVMH und Kering sanken.

Längerfristig könnten die Zölle laut Neil Saunders die gesamten Lieferketten beeinflussen. Konkret könnten Modemarken versuchen, ihre Kosten einzudämmen, indem sie auf Fabriken mehr Preisdruck ausüben. Dies wiederum würde Folgen haben für deren Zulieferer, von Weberinnen bis Bauern.

Mehr «Made in USA»?

Ob es sich bei den Zöllen um eine langfristige Strategie oder um Druckmittel für Verhandlungen handelt, darüber ist man sich noch uneinig. Laut Trumps Aussagen sollen dadurch Fabriken und Industriejobs in die USA zurückkehren. Nur wenige Modemarken produzieren heute ausschliesslich in dem Land, darunter das vertikal integrierte Label Los Angeles Apparel. Andere, wie etwa die Schuhmarke New Balance oder die Modemarke Schott, führen separate «Made in USA»-Linien.

Der Luxuskonzern LVMH eröffnete 2019 seine dritte Produktionsstätte in den USA, eine Werkstätte von Louis Vuitton. Auch anwesend war Donald Trump, damals in seiner ersten Amtszeit als US-Präsident. In den USA herzustellen, «ergibt keinen Sinn», sagte hingegen François-Henri Pinault, CEO des französischen Luxuskonzerns Kering, bei einer Konferenz im Februar. Indem man in Italien und Frankreich produziere, verkaufe man auch Teil seiner Kultur.

Ohnehin werden auch Marken mit Produktionszentren in den USA die Zölle zu spüren bekommen, stammen doch viele ihrer Rohmaterialien aus dem Ausland. Für die Modewelt, die seit der Pandemie noch stärker im Umbruch ist als üblich, stehen die Zeichen erneut auf Veränderung.

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