Mittwoch, Februar 26

Bis heute bleibt das Verschwinden der Maschine auf dem Malaysia-Airlines-Flug MH370 das grösste Mysterium der Fluggeschichte. Nun sucht eine Spezialfirma mit unbemannten Tauchbooten nach dem Wrack.

Wird nach elf Jahren das grösste Rätsel der Luftfahrtgeschichte gelöst? Eine neue Suche nach dem Flugzeug des Flugs MH370 hat am Dienstag im Indischen Ozean begonnen. Dies berichten die britische Zeitung «The Telegraph» und der australische Sender Channel 9.

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Die Boeing der Malaysia Airlines mit 239 Personen an Bord verschwand am 8. März 2014 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Bis heute weiss niemand, was geschehen ist und wo genau die Maschine mutmasslich abstürzte. Zwei grossangelegte Suchaktionen – eine unter australischer, die andere unter malaysischer Leitung – blieben erfolglos. Nun soll eine dritte Suchaktion Klarheit schaffen.

Tracking-Website zeigt Suchschiff

Das britisch-amerikanische Unternehmen Ocean Infinity, das bereits die zweite Suche nach dem vermissten Flugzeug im Jahr 2018 koordinierte, sucht gegenwärtig erneut den Indischen Ozean ab. Die Mission konzentriert sich auf eine 15 000 Quadratkilometer grosse Fläche, rund 1500 Kilometer vor der Küste von Perth. Bei der Suchaktion stehen Bereiche im Fokus, die Forschende als wahrscheinlichste Absturzstellen sehen.

Kuala Lumpur hatte bereits im Dezember grünes Licht für eine dritte Suche gegeben, doch der Vertrag mit der Suchfirma war bisher nicht unterzeichnet worden. Die Vereinbarung sollte achtzehn Monate laufen und auf einer «Kein Fund, keine Gebühr»-Basis funktionieren: Ocean Infinity hätte die vereinbarten 70 Millionen US-Dollar nur bei Erfolg erhalten. Malaysias Zögern schob den Start hinaus.

Vergangene Woche erklärte der australische Luftfahrtexperte Geoffrey Thomas in einem Telefoninterview, dass die Suche in dieser Woche beginnen werde – «mit oder ohne Vertrag». Eine offizielle Bestätigung aus Malaysia fehlt zwar, doch Ocean Infinity hat die dritte Suche nun offenbar von sich aus angestossen.

Über eine Tracking-Website lässt sich die Position des Suchschiffs in der Absturzregion verfolgen. Das Boot ist mit autonomen Unterwasserfahrzeugen (AUV) ausgerüstet, die den Meeresboden absuchen. Das Kontrollzentrum von Ocean Infinity im britischen Southampton steuert sie per Satellitenverbindung.

Die Firma war schon Teil einer früheren Suche im Jahr 2018, die erfolglos verlaufen war. Bei anderen Suchaktionen war Ocean Infinity jedoch erfolgreich. Die Spezialisten orteten das gesunkene argentinische U-Boot ARA «San Juan» und das seit über einem halben Jahrhundert verschollene französische U-Boot «La Minerve». Auch der gesunkene italienische Autofrachter «MV Grande America» wurde vor einigen Jahren in der Biskaya lokalisiert.

Schwieriges Gelände am Meeresboden

Experten bezweifeln jedoch, dass die neue Suche erfolgreich sein wird, wie die Tageszeitung «The Australian» berichtete. Unter anderem macht die Topografie die Mission kompliziert: Der Meeresboden besteht aus bergigen Bereichen und Klippen, auch ein Unterwasservulkan und eine Schlucht befinden sich in der Suchregion.

Schon frühere Suchaktionen und offizielle Untersuchungen weckten grosse Hoffnungen – doch sie brachten kaum Antworten. Ein Bericht von 2018 kam zu dem Schluss, dass das Flugzeug wahrscheinlich absichtlich vom Kurs abgebracht worden war. Wer dahintersteckte, blieb unklar. Die Ermittler erklärten damals: «Eine schlüssige Antwort gibt es nur, wenn das Wrack gefunden wird.»

Wirkliche Antworten lieferte bisher nur Blaine Gibson. Der amerikanische Anwalt wurde zur Schlüsselfigur bei der Suche nach dem Flugzeug von MH370. Auf eigene Kosten sammelte er über zwanzig Trümmerteile an afrikanischen Küsten und vorgelagerten Inseln, die durch Meeresströmungen dorthin getrieben wurden. Blaine wollte Beweise für einen Absturz finden und den Angehörigen helfen, die Wahrheit zu finden.

Lösen «elektronische Stolperdrähte» das Rätsel?

Blaine Gibson freut sich, dass die Suche nach Jahren nun weitergeht. Im Gespräch mit dem Luftfahrtexperten Geoffrey Thomas sagte er, er sei überzeugt davon, dass das Flugzeug nun gefunden werde. Grundlage für die neue Suchregion sind Daten des britischen Inmarsat-Satelliten, eine Driftanalyse der Wrackteile sowie die Forschung des Luft- und Raumfahrtingenieurs Richard Godfrey und von Simon Maskell, einem Experten für autonome Systeme an der Liverpool University.

Godfrey analysierte bei seiner Arbeit eine Reihe von Funksignalen, bekannt als Weak Signal Propagation Reporter (WSPR). Sie halfen ihm, eine mögliche Absturzstelle in 4 Kilometern Tiefe im Indischen Ozean zu bestimmen. Diese Signale, erklärte er einst gegenüber dem australischen Sender ABC, wirken wie «elektronische Stolperdrähte», die von Flugzeugen ausgelöst werden.

Seine Analysen lassen Rückschlüsse auf das Schicksal der Maschine von MH370 zu. Bereits im Mai 2021 veröffentlichte er eine Studie, die zeigte, dass jemand das Flugzeug gezielt gesteuert hatte. Es änderte mehrfach die Geschwindigkeit, flog enge Kurven und vermied kommerzielle Routen. Godfrey sagte damals, der Pilot habe absichtlich «falsche Spuren» hinterlassen. Er flog über die Malakka-Strasse, folgte der Küste Sumatras und nah am Flughafen von Banda Aceh vorbei. Der Pilot habe offenbar gewusst, dass der dortige Radar nachts und am Wochenende nicht in Betrieb sei.

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