Montag, Januar 19

Während Musk als knallharter Effizienzbeauftragter von Präsident Trump auftritt, sorgt er an offiziellen Terminen für Aufsehen, weil er seine Kinder mitnimmt. Warum tut er das?

Elon Musk sorgt mit seinem Kahlschlag in der amerikanischen Bürokratie für weltweites Aufsehen. In den letzten Tagen zog er die Aufmerksamkeit jedoch auch durch Auftritte auf sich, die in anderer Hinsicht unkonventionell waren: Er nahm zu einer Pressekonferenz im Weissen Haus und bei einem Treffen mit dem indischen Premierminister Narendra Modi seine Kinder mit.

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Musk gibt sich ein menschliches Image

Im Oval Office sass sein Sohn X Æ A-Xii, genannt «Lil X», auf seinen Schultern, bohrte in der Nase und steckte seinem Vater einen Finger ins Ohr, während dieser die radikalen Sparmassnahmen seines «Department for Government Efficiency» erklärte. Trump sass derweil an seinem präsidialen Pult und musste mit ansehen, wie ihm ein Vierjähriger die Show stahl. Beim Gespräch mit Modi war auch Musks Partnerin Shivon Zilis dabei, während die drei Kinder am Boden sassen und Bücher anschauten, die ihnen Modi mitgebracht hatten. Zur demonstrativ ungezwungenen Atmosphäre passte auch Musks lockeres Outfit im T-Shirt.

CNN schrieb, Musk versuche offenbar, seinem unbarmherzigen Kahlschlag unter den Staatsangestellten mit dem familiären Auftritt einen menschlichen Anstrich zu geben. In der Tat zeigten sich viele User in den sozialen Netzwerken angetan von der warmen, väterlichen Seite Musks. Aus PR-Sicht waren die Auftritte ein voller Erfolg. Schliesslich kennen viele Mütter und auch Väter die Probleme mit der Vereinbarung von Beruf und Familie – wie etwa Terminengpässe, wo sie sich fragen, ob es nun angemessen sei, das Kind an einen beruflichen Anlass mitzunehmen oder nicht. In dieser Hinsicht waren Musks Auftritte fast schon eine Karikatur dieses Dilemmas, vor allem auch, weil die kurzfristige Organisierung von Betreuungspersonen wohl kein grosses Problem für den Multimilliardär sein kann.

Musk, der Pronatalist

Aber Musks Auftritte mit Kindern sind nichts Neues. Insbesondere «Lil X» nimmt er oft an Besprechungen und Fabrikbesichtigungen mit. Denkwürdig war sein Besuch beim Papst im Jahr 2022, als er seine vier Söhne mitnahm.

Es steckt jedoch noch mehr hinter dem Kindernachmittag im Oval Office. Musk hat zwölf Kinder, laut neuesten Gerüchten seit kurzem 13. Mit seiner ersten Frau Justine Wilson bekam er sechs Kinder, darunter Zwillinge und Drillinge. Mit der Sängerin Grimes hatte er eine Tochter und einen weiteren Sohn, nebst dem erwähnten «Lil X», von dessen publikumswirksamem Auftritt sie nicht begeistert war, weil sie sich mehr Privatsphäre für ihn wünscht. Mit der gegenwärtigen Partnerin Shivon Zilis, Managerin bei seinem Startup Neuralink, hat er ebenfalls Zwillinge und ein weiteres Kind.

Musk ist ein Befürworter von In-vitro-Fertilisation und erklärt offen, dass mehrere der Kinder mit dieser Methode auf die Welt kamen. Hinter dem Kinderreichtum des 53-Jährigen steckt System: Musk ist ein Pronatalist, das heisst, für ihn ist nicht die Überbevölkerung ein Problem, sondern die drohende Schrumpfung der Weltbevölkerung, die damit einhergehende Überalterung und wirtschaftliche Stagnation. Insbesondere ist er der Ansicht, dass intelligente Menschen – womit er zweifellos auch auf sich selbst anspielt – mehr Kinder haben sollten.

Beim Pressetermin im Oval Office kam es zu einem Wortwechsel, der zu diesem Thema passt. Auf die brachiale Kürzung von USAID angesprochen, erwähnte Musk als Beispiel für Geldverschwendung in der Entwicklungshilfeorganisation, es seien Kondome für 50 Millionen Dollar nach Gaza geliefert worden, wobei das Geld wahrscheinlich in den Taschen der islamistischen Hamas gelandet sei. Eine Journalistin machte ihn darauf aufmerksam, dass die Lieferung nicht in den Nahen Osten, sondern in die Provinz Gaza in Moçambique gegangen sei, um die Verbreitung von HIV zu stoppen. Musk antwortete: «Okay, das ist nicht ganz so schlimm. Aber trotzdem, warum machen wir das?»

Der Ursprung von Musks Anti-Woke-Furor

Weil die familiäre Situation möglicherweise sogar für Musk selbst manchmal etwas unübersichtlich und aufwendig wird, hat er kürzlich ein Anwesen in Texas mit mehreren Villen gekauft. Sein Plan: die ganze Sippe dort unterzubringen. Das wäre für alle effizienter, sagt er sich wohl. Soviel man weiss, zögert jedoch die Mehrheit seiner erweiterten Familie bis jetzt. Vor allem hat eines seiner Kinder den Kontakt zu ihm abgebrochen. Es handelt sich um die 21-jährige Vivian Jenna Wilson. Als Knabe geboren, unterzog sie sich einer Geschlechtsumwandlung und lebt nun seit Jahren als Frau. Musks politischer Gesinnungswandel, sein Hass auf alles «Woke» und seine Bewunderung für klassische Männlichkeit hat vermutlich viel mit diesem Bruch zu tun.

Aber mit seinen Papi-Auftritten scheint er nun signalisieren zu wollen: Wenn du wirklich ein Alpha-Mann bist, dann kannst du locker 100 Stunden pro Woche arbeiten, mehrere Firmen führen, die amerikanische Politik umkrempeln, knallharte technokratische Entscheidungen fällen und trotzdem Quality-Time für deine Kinder abzweigen und ein guter Vater sein.

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