Montag, Januar 19

Elon Musk gilt als Fan und Bewunderer Chinas und hat ausserdem grosse wirtschaftliche Interessen im Reich der Mitte. Doch als enger Berater Donald Trumps muss er vorsichtig agieren.

Wer das Internet nach chinakritischen Äusserungen von Elon Musk durchforstet, muss lange suchen. Einmal, im Jahr 2012, kritisierte der Tesla-Gründer in einem Tweet Chinas Regierung wegen ihrer Blockade einer Uno-Resolution, die den syrischen Despoten Bashar al-Asad zum Rücktritt aufgefordert hatte. Ein anderes Mal beschuldigte Musk die Machthaber in Peking, die Immobilienkrise zu vertuschen.

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Doch sonst findet der Tesla-Gründer ausschliesslich lobende Worte für China und seine Regierung. Die pünktlichen Hochgeschwindigkeitszüge, die in seinen Augen weitsichtige Umweltpolitik, das Raumfahrtprogramm – fast alles, was die chinesischen Machthaber anfassen, nötigt Musk Bewunderung ab. Im Jahr 2021 sagte er im chinesischen Staatsfernsehen CCTV, China werde zur «grössten Volkswirtschaft der Welt» aufsteigen. Der Regierung dürfte Musks Auftritt gefallen haben.

Bislang konnte sich der Unternehmer Musk ohne Rücksichtnahme auf die Politik seines Heimatlandes zu China äussern. Doch seit der Tesla-Chef seinen Beraterposten bei Donald Trump angetreten hat, dürfte dies schwieriger werden, gilt der neue amerikanische Präsident doch als knallharter China-Falke. Erst vor zwei Wochen hat Trump die Zölle auf chinesische Importe um zehn Prozentpunkte erhöht.

Vom Verbündeten zum Feind?

«Musk muss sehr aufpassen, was er da macht», sagt Jörg Wuttke, der langjährige China-Kenner und Partner der Unternehmensberatung DGA Group in Washington. Trump sei unberechenbar, ganz schnell könne Musk deshalb vom Verbündeten des Präsidenten zum Feind werden, sagt Wuttke und verweist auf die zahlreichen engen Mitarbeiter, die Trump während seiner ersten Amtszeit entliess.

Gleichzeitig darf der Tesla-Gründer es sich nicht mit der chinesischen Regierung verderben. Denn fast jedes zweite weltweit verkaufte Tesla-Fahrzeug rollt von den Bändern der 2019 eröffneten Gigafactory in Schanghai.

Die chinesischen Behörden hatten Musk seinerzeit den roten Teppich ausgerollt. Staatliche Banken versorgten Tesla mit zinsgünstigen Krediten in dreistelliger Millionenhöhe; die Vorschrift, dass ausländische Autohersteller mit einem chinesischen Partner zusammenarbeiten müssen, setzten die Behörden für Tesla kurzerhand ausser Kraft.

Tesla wartet auf die Genehmigung für autonomes Fahren

Doch Musk will mehr. Noch immer wartet der Konzernchef auf die Genehmigung für autonomes Fahren in China. Der in Schanghai ansässige Automobilexperte Bill Russo meint, die chinesische Regierung könnte dies ausnutzen. Peking könne versuchen, Musk dazu zu bewegen, auf Trump etwa bei möglichen weiteren Zöllen auf chinesische Waren mässigend einzuwirken.

Russo sagt: «Elon Musk möchte etwas von China, damit sein Unternehmen in den Augen der Investorengemeinschaft wertvoller erscheint, und ich denke, das werden die Chinesen nutzen, um eine Gegenleistung zu erhalten, wenn sie etwas geben.» Die Chinesen seien sehr gut darin, alles, was sie in ihren Händen hielten, in Verhandlungen einzubringen, so Russo.

Kann Musk Trumps China-Politik beeinflussen?

Natürlich stellen sich viele Chinesinnen und Chinesen, auch in der Führungsspitze, die Frage, ob Musk durch seine Nähe zu Trump die China-Politik des amerikanischen Präsidenten positiv beeinflussen könne. «Momentan sieht es so aus, als sei Musk ein wichtiger Faktor für stabile Beziehungen», sagt Scott Kennedy, China-Experte bei der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies in Washington. Das sei zumindest die Beurteilung eines Teils der globalen Business-Community und der chinesischen Zentralregierung.

Andere glauben, Musks Einfluss auf den China-Kurs der USA sei am Ende doch begrenzt. Musk sei ein sehr talentierter Geschäftsmann, der jetzt einen Abstecher in die Politik mache, sagt etwa Wang Jisi, ehemaliger Berater des chinesischen Aussenministeriums, «aber wir können die Haltung einer einzelnen Person nicht mit der China-Politik der USA gleichsetzen».

Fest steht, dass Musk beste Beziehungen zur chinesischen Führung pflegt, was ihm bei seinen geschäftlichen Ambitionen helfen dürfte. Besonders eng ist das Verhältnis zu Ministerpräsident Li Qiang. Zu seiner Zeit als Parteisekretär in Schanghai fädelte der Spitzenfunktionär den Bau der Gigafactory ein und verfügte die Vorzugsbehandlung für Musk und sein Unternehmen.

Seitdem hat der Tesla-Chef Li mehrmals getroffen, letztmals im April vergangenen Jahres. Der Regierungschef lobte dabei Teslas Engagement in China als «ein Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation zwischen den USA und China».

Chinas Regierung ist so unberechenbar wie Trump

Doch ähnlich unberechenbar wie Trump ist auch das chinesische Regime. China hat Tesla nur ins Land gelassen, um die eigenen Hersteller unter Druck zu setzen, besser und effizienter zu werden. «Die Tesla-Fabrik hat nicht nur mehr Konkurrenz ins Land gebracht, sondern die gesamte Lieferkette mit aufgebaut», sagt der Berater Wuttke.

Das Manöver der chinesischen Regierung war erfolgreich. Fast sechs Jahre später stellen chinesische Hersteller wie BYD Tesla in den Schatten. Erstmals verkaufte der Hersteller aus Shenzhen im Schlussquartal des vergangenen Jahres mehr Autos als Musks Unternehmen. Die durchweg pragmatisch handelnden Politiker könnten die Vorzugsbehandlung für Tesla darum beenden, gibt Wuttke zu bedenken, «denn das Unternehmen hat seine Arbeit ja getan».

Musk wird im chinesischen Volk beliebt bleiben

An Musks Beliebtheit bei den einfachen Chinesinnen und Chinesen dürfte dies – sollte der Fall wirklich eintreten – aber wohl nichts ändern. Auf den chinesischen Social-Media-Kanälen ist der Tesla-Chef ein gefeierter Star. Die Menschen schauen zu Musk auf wegen seiner Erfolge, seines Reichtums und seiner Macht.

Und sie versuchen, von ihm zu lernen. «Ich bin sehr bewegt. Musk bringt Menschen bei, wie sie resilienter sein können», schreibt ein Nutzer. Der Post bekam mehr als tausend Likes. Eine Biografie über Musk aus dem Jahr 2023 war ein Bestseller.

Auch Musks Mutter Maye, die ihren Sohn als alleinerziehende Mutter grosszog, schlägt in China Bewunderung entgegen. Sie verbringt mehrere Monate pro Jahr in China und arbeitet unter anderem als Model für Kosmetikprodukte für Senioren.

Als im Jahr 2020 Maye Musks Memoiren auf Chinesisch erschienen, pries der chinesische Verleger die damals 72-Jährige unter donnerndem Applaus: «Sie heiratete mit 22, mit 33 war sie verarmt und alleinerziehende Mutter, zog in drei Ländern von Stadt zu Stadt, startete ihre Karriere und zog drei wunderbare Kinder gross.»

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