Auf der Arabischen Halbinsel wollen die Präsidenten persönlich diskutieren, wie sie den Ukraine-Krieg beenden können. Beide haben enge Beziehungen zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.
Zwei der mächtigsten Männer der Welt zu Gast in Riad: Mehr internationale Anerkennung kann sich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman kaum wünschen. Wenn der Amerikaner Donald Trump und der Russe Wladimir Putin persönlich über das Ende des Ukraine-Krieges verhandeln werden, wollen sie das zunächst in Saudiarabien tun. Das hatte der amerikanische Präsident nach seinem ersten offiziellen Telefongespräch mit Putin am Mittwoch angekündigt.
Dabei ist es gerade einmal sechs Jahre her, dass bin Salman, der faktische Herrscher des Königreichs Saudiarabien, international zum Paria erklärt wurde. Für die CIA steht fest, dass er den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul 2018 veranlasst hat. Davon spricht heute kaum einer mehr. Mohammed bin Salman ist es innerhalb weniger Jahre gelungen, auf die internationale Bühne zurückzukehren – mit guten Beziehungen sowohl zu Russland als auch zu den USA.
Putins Handschlag mit dem Paria
Dabei hat bin Salman es vermieden, sich klar auf die eine oder die andere Seite zu schlagen. Die traditionell engen Beziehungen Saudiarabiens mit Washington hinderten ihn nicht daran, auch mit Moskau zu kooperieren – es war Putin persönlich, der bin Salman auf dem G-20-Gipfel 2018 in aller Öffentlichkeit mit einem herzlichen Handschlag begrüsste, gerade einmal zwei Monate nach dem Khashoggi-Mord. Anders als in vergangenen Jahrzehnten verfolgt Saudiarabien mittlerweile eine von den USA unabhängigere Aussenpolitik.
Eine Ursache dafür dürfte gewesen sein, dass Amerika nach dem iranischen Angriff auf saudische Ölanlagen im September 2019 tatenlos blieb. Riad schien sich daraufhin nicht länger auf die Sicherheitsgarantien der USA verlassen zu wollen – und entschied sich für eine Politik der Annäherung an Iran, um der Gefahr weiterer Anschläge zu entgehen. Der Drohnenangriff hatte deutlich gemacht, wie verwundbar der grösste Erdölexporteur der Welt ist.
Als solcher muss Riad regelmässig mit Moskau verhandeln: etwa innerhalb des erweiterten Forums der Organisation erdölfördernder Länder (Opec+). Auch wenn sich die Regierungen der beiden Länder längst nicht immer einig sind und auch mit Blick auf die Ölförderquoten teilweise entgegengesetzte Strategien verfolgen, vermeidet es Riad, Moskau direkt vor den Kopf zu stossen – in der Energiepolitik genauso wie mit Blick auf den Ukraine-Krieg.
Keine direkte Konfrontation
Bei der internationalen Ukraine-Konferenz auf dem Bürgenstock im Juni 2024 lehnte es der saudische Aussenminister Faisal bin Farhan Al Saud ab, die Abschlusserklärung zu unterzeichnen. Darin heisst es, die Russische Föderation sei verantwortlich für den andauernden Krieg gegen die Ukraine. Der katarische Nachrichtensender al-Jazeera zitierte den saudischen Aussenminister mit der Forderung, Russland an einem Friedensprozess zu beteiligen.
Diese Forderung entspricht der Strategie Riads, im Ukraine-Konflikt nicht einseitig Partei zu ergreifen und sich keinem der beiden Lager anzuschliessen. Bereits 2022 hatte Saudiarabien gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Gefangenenaustausch vermittelt, bei dem mehr als 200 ukrainische Kriegsgefangene freikamen.
Auch nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 brachte sich Saudiarabien als möglicher Vermittler ins Gespräch – ein Vorgehen, das in der Golfregion Schule macht: Das Sultanat Oman hat bereits in den vergangenen Jahrzehnten diskrete Verhandlungen ermöglicht, die unter anderem zu Gefangenenaustauschen zwischen den USA und Iran führten. Das Emirat Katar macht sich im Gazakrieg einen Namen als Vermittler. Saudiarabien sieht nun möglicherweise seine Chance im Ukraine-Krieg.
Gespräch über den Nahen Osten?
Für ein erstes persönliches Treffen von Putin und Trump in dessen zweiter Amtszeit ist Saudiarabien ein beiden Ländern wohlgesinntes, neutrales Gebiet – das möglicherweise auch dazu einlädt, nicht allein über Frieden in der Ukraine, sondern auch über eine neue Ordnung im Nahen Osten zu sprechen.
Riad lehnt zwar Trumps jüngsten Vorschlag kategorisch ab, den Gazastreifen unter amerikanische Kontrolle zu bringen und die Palästinenser umzusiedeln, um aus dem zerbombten Gebiet eine «Riviera des Nahen Ostens» zu machen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich der US-Präsident und der Kronprinz, die grundsätzlich beide Interesse an einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudiarabien und Israel haben, auch mit Blick auf die Zukunft des Gazastreifens annähern.

