In Madrid und Andalusien floriert das Geschäft mit teuren Uni-Abschlüssen. Für die Sozialisten ist das ein Angriff auf die Chancengleichheit, die Konservativen hingegen wittern Heuchelei.
Spanien verschärft die Regeln für private Hochschulen. Künftig müssen solche Universitäten innerhalb von fünf Jahren mindestens 4500 Studierende aufnehmen und strengere Qualitätskriterien erfüllen. Die Regierung reagiert damit auf den starken Anstieg exklusiver Privatunis, die oft nur wohlhabenden Studierenden offenstehen. «In unserem Bildungswesen darf es keine Strandbuden geben, die Titel praktisch automatisch vergeben», sagte Pedro Sánchez bei der Vorstellung der neuen Regelung zu Wochenbeginn.
Ähnlich wie in der Schweiz legt auch in Spanien der Staat den rechtlichen Rahmen für die Bildungspolitik fest, während die konkrete Ausgestaltung Sache der autonomen Regionen ist. Nun wurden in den vergangenen Jahren aber vor allem in der Region Madrid zahlreiche private Hochschulen gegründet. Dort gibt es inzwischen 13 private Universitäten – ihnen stehen lediglich 6 öffentliche gegenüber. Auch auf nationaler Ebene holen private Hochschulen auf. Landesweit gibt es inzwischen fast gleich viele private wie öffentliche Universitäten: Auf 50 staatliche Hochschulen kommen mittlerweile 46 private. Aus Sicht der sozialistischen Regierung gefährdet dieses Ungleichgewicht die Chancengleichheit im Bildungswesen.
Angehende Akademiker sind ein gutes Geschäft
Während man an den staatlichen Unis zum Beispiel für ein Medizinstudium einen Numerus clausus erfüllen muss, können sich Studierende an privaten Universitäten für 23 000 Euro pro Jahr zum Arzt oder zur Ärztin ausbilden lassen.
Neun weitere private Campus haben bereits eine Genehmigung beantragt, denn das Geschäft mit akademischen Titeln boomt so stark, dass sich immer mehr Investoren aus dem In- und Ausland dafür interessieren. So haben sich angelsächsische Gruppen wie Permira oder CVC in Spanien eingekauft. Das Geschäft mit den angehenden Akademikern umfasst mittlerweile auch immer schickere Studentenwohnheime mit eigenen Portiers und Vollpension für den Nachwuchs der Wohlhabenderen.
Private Unis werben grossflächig damit, dass ihre Studenten nach dem Abschluss einen gut dotierten Job in der Privatwirtschaft finden. So gut haben es Absolventen im öffentlichen Bereich nicht. Sie müssen laut einer Studie des Wissenschaftsministeriums vier Jahre arbeiten, bis sie ein Jahressalär von 30 000 Euro erreichen.
Chronisch unterfinanziert
Die Regelverschärfung will Sánchez nun per Eilverfahren im Gesetz verankern, wodurch keine Parlamentsabstimmung nötig ist. Mit einem einfachen Kabinettsbeschluss soll es bereits im Mai in Kraft treten. Damit will die Zentralregierung auch ein Zeichen für den Erhalt des öffentlichen Hochschulwesens setzen. Dieses ist insbesondere in Regionen wie Madrid und Andalusien, wo konservative Regierungen in den vergangenen Jahren die Budgets staatlicher Universitäten deutlich zusammengestrichen haben, unter Druck geraten.
Sánchez wirft der konservativen Regionalpräsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, vor, seit 2016 die staatliche Unterstützung für öffentliche Bildungseinrichtungen um 30 Prozent gekürzt zu haben. Dadurch seien diese heute chronisch unterfinanziert. Gleichzeitig sei die Zahl der Studenten an privaten Unis stark gestiegen – sie zählen inzwischen über 100 000 Studierende.
Für diese Klientel engagieren sich die Konservativen. «Wir werden dafür sorgen, dass die Debatte ins Parlament kommt, und uns dafür einsetzen, dass jeder Spanier dort studieren kann, wo er will», erklärte der Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo. Am Dienstag besuchte er deshalb demonstrativ eine private Universität in Madrid.
Auch Ayuso verteidigte die Qualität der privaten Hochschulen und ging zum Gegenangriff über. Es sei heuchlerisch, so die Regionalpräsidentin, dass ausgerechnet Sánchez und vier seiner Minister nun gegen private Unis vorgingen, sie hätten selbst an solchen Einrichtungen studiert. Tatsächlich hat Sánchez zwei Nachdiplomstudien und sein Doktorat in Wirtschaftswissenschaften an privaten Universitäten gemacht.