Donnerstag, April 3

Wieso er antritt. Und was das für seine Konkurrenz bedeutet.

Philipp Matthias Bregy wäre der logische neue Mitte-Präsident. Ein Nationalrat aus dem Wallis, einer Seelenlandschaft der Partei. Der Fraktionschef im Bundeshaus, wo er sich «unter Alphatieren» bewiesen hat, wie es in der Mitte heisst. Einst einer der vehementesten Verfechter der alten CVP (und ihres Namens), inzwischen einer der überzeugtesten Vertreter der neuen Mitte. Jetzt könnte er der Nachfolger von Gerhard Pfister als Parteipräsident werden. «Ja, ich will . . .», gab er im «Walliser Boten» bekannt.

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«Gereizt hat mich die Herausforderung immer», sagt er auf Anfrage. Jetzt kennt er das Profil der Findungskommission («es entspricht mir») und seine Chancen auf das Amt («gerade aus der Fraktion kamen zahlreiche motivierende Worte»). Bregy, 46, ist ein Kandidat der Kontinuität. Er sagt: «Die Mitte ist perfekt positioniert – genau in der Mitte. Klar bürgerlich, aber mit sozialer Verantwortung.» Allerdings wolle er die Partei, die in den vergangenen Jahren der Transformation «zwingend» auf ihren Präsidenten ausgerichtet sei, personell breiter aufstellen.

Gerhard Pfister versucht die verschiedenen Flügel und Fliehkräfte in der Partei mit Gedanken zu bündeln, Philipp Matthias Bregy mit Gesprächen – «gad emal äs Telefo hiä und äs Mail da», wie er es einmal formuliert hat. In der Fraktion ist er so beliebt, dass ihn selbst jene, die sich ebenfalls eine Kandidatur für das Parteipräsidium überlegen, ungefragt loben: Er habe ein feines Gespür, kommuniziere gut und gern.

Noch bis zum 28. April läuft die Bewerbungsfrist für das Mitte-Präsidium, und doch ist bereits klar, dass Bregy beste Aussichten hat. Gegen ihn werde es natürlich schwierig, sagt eine Person, die sich das Amt auch noch überlegt.

Und so lautet die Frage: Wer kann Bregy überhaupt noch gefährlich werden?

Kurz nachdem Bregy am Mittwoch seine Kandidatur bekanntgegeben hatte, veröffentlichte Yvonne Bürgin eine Medienmitteilung, die sich stellenweise liest, als wäre Bregy schon gewählt und gehe es bereits darum, ihn als Fraktionschef abzulösen.

Bürgin ist seit 2021 Vizepräsidentin der Mitte Schweiz, seit 2022 Gemeindepräsidentin von Rüti (ZH) und seit den Wahlen im Herbst 2023 Nationalrätin. In der Mitteilung schreibt sie, es sei ihr ein grosses Anliegen, dass die Parteiführung ausgewogen zusammengesetzt sei. Sie selbst prüfe deshalb verschiedene Optionen. Künftig soll eine Frau entweder die Partei oder die Fraktion präsidieren.

Auf Anfrage sagt Bürgin: «Ich habe eine Kandidatur für das Parteipräsidium noch nicht fallengelassen, aber die Arbeit als Fraktionschefin liegt mir näher.» Zwischen 2019 und 2023 leitete sie bereits die Mitte-Fraktion im Zürcher Kantonsrat. Ihre Chancen, Parteipräsidentin zu werden, wären in einer Wahl gegen Bregy vermutlich geringer als ihre Chancen auf das Fraktionspräsidium.

Dennoch führt Bürgin weiterhin Gespräche und prüft ein Co-Präsidium. Dabei fokussiert sie auf männliche Deutschschweizer, wie sie sagt. Ein Präsidium mit einem Kollegen aus der Romandie schliesst sie aus. «Meine Französischkenntnisse erschweren eine enge Kommunikation.»

Nicole Barandun sieht in der Wahl des neuen Präsidiums auch die Chance, in den Wachstumsgebieten der Partei im Mittelland ein neues «Zugpferd» aufzubauen. Barandun selbst ist seit 2023 Zürcher Nationalrätin. Zuvor war sie Kantonsrätin und Präsidentin ihrer Kantonalpartei. Doch nun, da es um die Nachfolge von Gerhard Pfister gehe, sei die Ausgangslage «schwieriger als gedacht».

Barandun möchte die Partei nur im Co-Präsidium mit einer Kollegin aus der Romandie führen. Lange war sie mit der Waadtländer Nationalrätin Isabelle Chappuis im Gespräch, «doch sie hat mir leider abgesagt». In den kommenden Tagen sucht Barandun weiter – sollte sie kein Gspänli finden, gehe die Welt auch nicht unter, denn auch Bregy habe das Zeug. «Allerdings hoffe ich, dass er sich ein Hotel in Zürich sucht, denn das neue Präsidium muss hier stark präsent sein.»

Noch nicht entschieden hat sich auch Karin Stadelmann, 39, die Mitte-Präsidentin im Kanton Luzern. Weil sie als Kantonsrätin primär kantonal politisiert, würde sie nur für ein Co-Präsidium kandidieren: «Mein Pendant, ob Mann oder Frau, müsste zur Bundeshausfraktion gehören.» Stadelmann gilt in der Partei als «high potential», sie überlegt sich in diesen Tagen aber, ob es noch zu früh für sie sei. Nicht nur müsste sie als Co-Präsidentin die fehlende Einbindung ins politische Tagesgeschäft in Bern kompensieren, sie könnte sich auch nicht auf ein gut bezahltes Nationalratsmandat abstützen.

Zudem ist ein Co-Präsidium in der Mitte viel anspruchsvoller als in den ideologisch geschlosseneren Polparteien: Die beiden Personen müssten nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich laufend Differenzen bereinigen – gerade wenn ein Co-Präsidium die Breite der Mitte abdecken soll, wie teilweise gefordert wird.

«Ausserordentlich reizvoll» fände Reto Nause das Amt, allerdings nicht als Co-, sondern als alleiniger Präsident. Der Stadtberner Nationalrat war einst schon CVP-Generalsekretär, «ich kenne die Partei aus dem Effeff», sagt er. Nause wäre eine urbanere Alternative zu Bregy, auch wenn er sagt, dass er die Mitte inhaltlich nicht anders aufstellen würde als bisher.

Ob er antritt, will Nause noch nicht sagen. Allerdings betont er, dass die Situation für ihn nicht einfacher geworden sei, seit sich der Fraktionschef in Stellung gebracht habe. «Er macht das hervorragend, psychologisch ist es schwierig, gegen ihn zu kandidieren.»

Und so ist es gut möglich, dass nicht nur der logische, sondern auch der tatsächliche neue Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy heisst.

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