10 Euro pro Einwohner: Le Lavandou im Süden Frankreichs will die Armee einmalig mit 64 000 Euro unterstützen. Der Bürgermeister sagt, die Gemeinde könne sich diese Geste leisten. Kritiker sprechen von Kriegsanstrengungen.

Le Lavandou ist eine kleine Gemeinde an der Côte d’Azur. Sie zählt rund 6400 Einwohner, ist bekannt für ihre feinen Sandstrände und zieht im Sommer viele Touristen an. Ein schönes Ferienziel. Unumstritten. Doch in den vergangenen Tagen mischte Le Lavandou plötzlich in der französischen Politik rund um den Krieg in der Ukraine mit. Dabei wollte der Gemeinderat nur ein Zeichen der Solidarität setzen.

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Am 31. März fasste der Rat einen Beschluss: Die Gemeinde unterstützt die nationale Verteidigung mit 64 000 Euro. Bürgermeister Gil Bernardi erklärte in lokalen Medien, dass dieser Beitrag 10 Euro pro Einwohner entspreche. Le Lavandou stehe finanziell gut da und könne sich diese Geste leisten – auch ohne Steuererhöhung.

Der 72-jährige Bernardi ist seit 1995 im Amt. Er stamme aus einer Generation, die den Kalten Krieg erlebt habe. «Wir dachten, wir brauchen keine Armee mehr», sagt er in den Lokalmedien. Doch heute sehe die Realität anders aus. Der französische Staat ist hoch verschuldet. «Er kann die Landesverteidigung nicht mehr allein tragen.»

Bürger sorgen sich um das Image des Ortes

Ende 2024 erhöhten sich die Staatsschulden Frankreichs auf über 3,2 Billionen Euro. Im Vergleich dazu wirkt der Beitrag aus Le Lavandou unbedeutend. Für Bernardi zählt das Zeichen. Seine Gemeinde wirtschaftet stabil. Sie hat die Steuern dieses Jahr um 6 Prozent gesenkt. Die Wasserpreise gehören zu den niedrigsten der Region. Das Jahresbudget liegt bei 29 Millionen Euro. Bernardi sagt: «Wir können uns eine Geste der nationalen Solidarität leisten.»

Viele Bürger unterstützen ihn. «Das ist eine gute Idee. Alle Gemeinden sollten es tun», sagte ein Einwohner dem Sender BFM TV. «Unsere Demokratie steht vor grossen Herausforderungen. Europa braucht Verteidigung.» Auch im Parlament fand der Vorschlag breite Zustimmung: Von 28 Abgeordneten stimmten 20 dafür, 4 dagegen, 4 enthielten sich.

Doch es melden sich auch kritische Stimmen. Einige Bürger befürchten höhere Steuern. Andere sorgen sich um das Image des Ortes. Sie möchten keine Verbindung zu Krieg. Sie warnen davor, dass Touristen den beliebten Badeort in diesem Sommer deswegen meiden könnten. Jean-Laurent Félizia, ein Abgeordneter der Grünen-Partei, kritisierte Bernardi besonders harsch. Er sprach von «Kriegsanstrengungen», die die Gemeinde mit der Spende betreibe.

Diesen Vorwurf weist Bernardi zurück. Er habe diesen Begriff nie verwendet. Es gehe um Landesverteidigung, nicht um Krieg. Präsident Macron habe zur Einheit aufgerufen. «Die Schulden des Staates sind auch unsere Schulden. Wenn eine Gemeinde ein Plus erwirtschaftet, sollte sie helfen.» Er zitierte John F. Kennedy: «Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst.» Für ihn gehe es nicht um Moral, sondern um Überzeugung, sagte Bernardi. «Jeder ist patriotisch, nun ist es Zeit, es zu zeigen.»

Einst verbot er den Bürgern zu sterben

Die obersten Verwaltungsbeamten des Departements Var müssen nun prüfen, ob der Vorschlag rechtlich zulässig ist. Doch was würde dann mit dem Geld passieren? Bernardi weiss es nicht. «Ich entscheide nicht, ob damit Arbeitsrationen oder Ausrüstung bezahlt werden – das bestimmt der Staat.» Die Gemeinde habe ihre Aufgabe erfüllt. «Der Staat braucht uns. Le Lavandou steht bereit.»

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Aktion von Bernardi grosses Aufsehen erregt. Im Sommer 2000 war der örtliche Friedhof überfüllt. Das Verwaltungsgericht in Nizza untersagte einen neuen Friedhof nahe am Strand. Begraben werden konnten nur noch diejenigen, die bereits zuvor einen Platz auf dem Friedhof reserviert hatten. Was tat Bürgermeister Bernardi? Er verbot seinen Mitbürgern in Le Lavandou zu sterben – und ging gegen die gerichtliche Entscheidung in Berufung. Mit wenig Erfolg.

Trotzdem muss die Gemeinde ihre Bürger nicht ausserorts beerdigen. Denn mittlerweile gibt es in Le Lavandou laut der Website der Gemeinde zwei Friedhöfe. Einen alten und einen neuen.

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