Die hohen Gesundheitskosten sorgen weiterhin für Druck auf die Krankenkassenprämien. Dabei sind Abnehmmedikamente ein Kostentreiber.

Die Schweizer Bevölkerung hat bei den Krankenkassen drei Jahre mit «Prämienschocks» hinter sich. In den Jahren 2023 bis 2025 waren die mittleren Prämien in der Grundversicherung zuerst um 6,6, dann um 8,7 und anschliessend um weitere 6 Prozent gestiegen.

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Eine Trendwende bei der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ist derweil nicht absehbar. Die hohen Gesundheitskosten stellen die Schweizer Krankenversicherer weiterhin vor Herausforderungen. Dies zeigen die Jahresergebnisse der zwei Branchenschwergewichte CSS und Helsana.

Die CSS erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von rund 63 Millionen Franken, verbuchte aber in der Grundversicherung beim versicherungstechnischen Ergebnis ein Minus von 166 Millionen Franken. Die Helsana-Gruppe erreichte ein Jahresergebnis von 448 Millionen Franken – ihr versicherungstechnisches Ergebnis in der Grundversicherung lag aber ebenfalls mit 1 Million Franken knapp im Minus. Beim versicherungstechnischen Ergebnis sind die Kapitalanlagen nicht eingerechnet, die 2024 sehr gut rentiert haben.

CSS verbessert Solvenz

Die CSS-Chefin Philomena Colatrella erwartet für ihr Unternehmen in diesem Jahr eine weitere Verbesserung im Geschäft der Grundversicherung, nachdem letztes Jahr unter dem Strich ein Minus von 129 Millionen Franken gestanden hat. In diesem Jahr soll es einen positiven Abschluss geben. Sie bezeichnet das Jahr 2024 als «Aufholjahr». Aufgrund gesunkener Solvenzzahlen war die CSS gezwungen, die Prämien für die Versicherten auf dieses Jahr hin deutlich zu erhöhen. Dies führte zu einem Rückgang der Anzahl Versicherter in der Grundversicherung um netto mehr als 60 000 auf 1,47 Millionen.

Die Solvenz der CSS, die im vergangenen Jahr bis auf 84 Prozent abgerutscht war, liegt jetzt wieder bei 130 Prozent und damit deutlich über dem gesetzlichen Minimum.

Helsana hatte früher reagiert

Helsana hatte bereits vor zwei Jahren auf die steigenden Gesundheitskosten reagiert und die Prämien in der Grundversicherung erhöht. Während andere Krankenkassen auf das Jahr 2025 hin nachziehen mussten, stand Helsana bei den Prämien im Vergleich sehr gut da. Nachdem das Unternehmen in der Prämienrunde 2023 noch 84 000 Kunden verloren hatte, verbuchte es per Anfang 2025 ein Plus von rund 108 000.

Mit Aussagen zur Entwicklung der Krankenkassenprämien auf das Jahr 2026 hin halten sich die meisten Experten indessen zurück – um diese abzuschätzen, sei es einfach noch zu früh. Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte beim Online-Vergleichsdienst Comparis, interpretiert die Ergebnisse von CSS und Helsana derweil als Hoffnungsschimmer: «Die Stabilisierung der Ergebnisse der Krankenkassen in der Grundversicherung deutet darauf hin, dass es nach drei Jahren mit starken Prämienerhöhungen nun zumindest keinen weiteren Prämienschock geben könnte», sagt er.

Die «Prämienschocks» der vergangenen drei Jahre hätten aus Schneuwlys Sicht vermieden werden können. «Ohne den erzwungenen Reservenabbau bei den Krankenversicherern durch das Bundesamt für Gesundheit wäre dies in dieser Höhe nicht passiert», sagt er.

Gesundheitskosten steigen weiter

Für die steigenden Kosten in der Grundversicherung nennen Gesundheitsexperten mehrere Gründe.

Hohe Kosten für Medikamente: Hier sind zunächst einmal die hohen Kosten für Medikamente zu nennen. Bei der CSS beispielsweise ist der Schaden- und Leistungsaufwand im vergangenen Jahr um 9,2 Prozent auf 6,25 Milliarden Franken gestiegen. Der grösste Kostenblock waren dabei die Medikamente mit 22,9 Prozent. Es folgten die ambulanten Arztbehandlungen mit 21 Prozent sowie die stationären (18,3 Prozent) und die ambulanten Spitalbehandlungen (13 Prozent).

Erweiterter Leistungskatalog in der Grundversicherung: Stefan Felder, Professor an der Universität Basel, kritisiert zudem, dass der Leistungskatalog in der Grundversicherung laufend ausgebaut werde. Es sei dringend nötig, ihn zu durchforsten.

Abnehmspritzen könnten für neue Milliardenrechnung sorgen: Ein Beispiel für neue Leistungen in der Grundversicherung sind die Abnehmspritzen. Die Krankenkassen bezahlen diese unter gewissen Bedingungen, wobei die Übernahme der Verschreibungskosten momentan noch auf drei Jahre beschränkt ist. Abnehmspritzen sollen Personen, bei denen eine medizinische Notwendigkeit zum Gewichtsverlust besteht, beim Abnehmen unterstützen. Bei der CSS hätten diese im vergangenen Jahr zusätzliche Kosten in Höhe von rund 30 Millionen Franken verursacht, sagt Colatrella.

Felder sieht hier eine «Milliardenrechnung» auf die Krankenkassen zukommen. In der Schweiz gebe es schliesslich 1,3 Millionen stark übergewichtige Menschen. Der Basler Professor sieht die Gefahr, dass es hier zu Missbräuchen kommt. «Ohnehin entspricht es nicht dem gesetzlichen Auftrag, dass die Krankenkasse die Behandlung mit Abnehmspritzen bezahlt», sagt Felder. «Dies gehört nicht in die Grundversicherung, die Allgemeinheit sollte hierfür nicht bezahlen müssen.» Schliesslich gebe es Alternativen zu den Spritzen: Es sei zumutbar, sich gut zu ernähren und sich zu bewegen.

Ausserdem gibt es die Möglichkeit einer operativen Magenverkleinerung. Laut Felder wird damit eine bleibende Gewichtsreduktion erreicht. Dagegen sei bei den Abnehmspritzen nach dem Absetzen wieder mit einer Gewichtszunahme zu rechnen, so dass die meisten Patienten diese Medikamente wohl lebenslang benötigten. Dies dürfte langfristig für hohe Kosten sorgen.

Schneuwly weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Behandlung mit Abnehmspritzen in vielen anderen Ländern nicht in der Grundversicherung enthalten ist. «Erst dann abzunehmen, wenn die Allgemeinheit dafür zahlt, zeugt nicht von Eigenverantwortlichkeit», sagt er. Stossend sei auch, dass Entscheidungen wie die Aufnahme von Abnehmspritzen in den Leistungskatalog der Grundversicherung in der Schweiz auf Verordnungsstufe geregelt würden «und damit am demokratischen Prozess vorbei». Die Befürworter argumentieren, es würden weniger Folgeleistungen nötig, wenn stark übergewichtige Leute mit den Abnehmspritzen ihr Gewicht reduzierten. Es fehle hier aber an einer Evaluierung.

Höhere Ansprüche in der Bevölkerung: Der Anstieg der Krankenkassenprämien habe auch mit den immer höheren Ansprüchen in der Bevölkerung zu tun, sagt Schneuwly. Jüngste Volksabstimmungen hätten gezeigt, dass die Schweizer Bevölkerung keine Kürzungen bei den Leistungen wolle.

Zu wenig Transparenz: Schwierig sei auch die schwache Faktenbasis im Schweizer Gesundheitswesen, sagt Colatrella. Über viele Kostentreiber herrsche zu wenig Transparenz.

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