Donnerstag, April 3

Das traditionsreiche Pariser Kaufhaus Printemps wagt den Sprung über den Atlantik: Das erste Geschäft in den USA – mitten in Lower Manhattan – hat die renommierte Architektin Laura Gonzalez gestaltet. Entstanden ist ein einzigartiges Spiel aus Farben, Texturen und Materialien.

Es ist eine Gegend in Manhattan, an der andere gescheitert sind. Die Filiale von Saks Fifth Avenue schloss 2019 nach nur zwei Jahren, der Mailänder Concept Store 10 Corso Como folgte 2020 – gerade einmal 18 Monate nach der Eröffnung. Nun wagt Printemps den Schritt: Am Donnerstag eröffnete das Pariser Traditionshaus, das 2025 sein 160-jähriges Bestehen feiert, in Lower Manhattan seine Filiale – die erste in Amerika.

Das wurde gefeiert: Anna Wintour, Global Editorial Director von «Vogue», durchtrennte gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Printemps-Gruppe, Jean-Marc Bellaiche, das Band zum Geschäft im historischen, 50-stöckigen Gebäudes One Wall Street. Unter den Gästen: «The White Lotus»-Star Parker Posey und Schauspielerin Katie Holmes.

Was Printemps im neu renovierten Gebäude mitten im Finanzdistrikt eröffnete, ist kein weiteres Kaufhaus mit Luxusmarken unter grellem Neonlicht. Das Geschäft kommt vielmehr einer phantasievollen Märchenwelt auf über fünftausend Quadratmetern gleich, in der Besonderheiten, Design und Architektur zweier Grossstädte – Paris und New York – in einen interessanten kunstvollen Dialog treten.

Für die aussergewöhnliche Innenausstattung verantwortlich ist die mehrfach preisgekrönte Pariser Architektin und Innenarchitektin Laura Gonzalez. Kräftige Farben, wilde Muster, besondere Materialien und verschiedene Einflüsse zu einem stimmigen, eleganten Ganzen zu vereinen – mit dieser Fähigkeit ist Gonzalez zu einer der wichtigsten ihrer Branche aufgestiegen.

Einer Pariser Wohnung nachempfunden

«Wir haben uns stark vom Erbe von Printemps inspirieren lassen – von seinen Mosaiken, Glasmalereien, Mustern und der Originalkunst – aber wir sind in New York», wird Gonzalez in der Pressemitteilung zitiert. Diese Stadt sei eine neue Geschichte: «Ich glaube nicht, dass dieses Projekt irgendwo anders hätte entstehen können, denn New York ist einzigartig. Hier gibt es keine Grenzen», so die Kreative, deren eklektisch-maximalistischer Duktus bereits Luxusboutiquen wie Cartier, gehobene Restaurants und Hotels wie das Pariser «Saint James» prägt.

Ihre Inspiration sei eine Pariser Wohnung gewesen, in der das Printemps-Stammhaus Haussmann vor 160 Jahren eröffnet wurde. Das Kaufhaus in New York besetzt zwei Etagen des denkmalgeschützten One Wall Street – ein Art-Déco-Bau aus den Dreissigern mit originaler roter Mosaiklobby. «Der Red Room raubte mir den Atem. Ich stellte mir sofort vor, dass diese goldenen, unregelmässigen Formen wie ein Blätterdach wirken könnten», sagt Gonzalez.

So sei die Idee eines Zauberwaldes in reinem Cremeweiss entstanden. Die Architektin und Innenarchitektin, die sich mit der Renovierung des Pariser Nachtclubs Bus Palladium erstmals einen Namen gemacht hatte, dekorierte den Raum mit über viereinhalb Meter hohen, filigranen Blumen, die als Ausstellungsständer und Beleuchtung wirken und im gesamten Raum aus dem Boden spriessen.

Der von Art-Déco-Wandmalerin Hildreth Meière entworfene Raum war ursprünglich der Empfangsraum der Irving Trust and Bank Company.

Gestalterisch geprägt von ihrer Kindheit in Südfrankreich

Im Printemps finden sich auch ein Café, ein gehobenes Restaurant, eine Weinhandlung sowie mehrere Bars. Eine davon, die Red Room Bar, befindet sich neben der einstigen Mosaiklobby. In dieser kleinen, intimen Cocktailbar werden Cocktails, Mocktails und Snacks unter der Leitung des Küchenchefs Gregory Gourdet serviert. Obwohl hier ein gepunkteter Holzboden auf wilde Blumenstoffe und einen grossen Kristall-Luster treffen, satte Rot- auf Goldtöne, wirkt auch dieser Raum stimmig und gemütlich.

Laura Gonzalez’ detailreichen, opulenten und doch leicht verspielte Räume würden die Handschrift ihrer Kindheit in Südfrankreich tragen, schreibt Printemps – sie wuchs in einer Familie auf, die in der Gastronomie tätig war. Kein Wunder, dass sie ihre ersten gestalterischen Schritte im Nachtleben machte: mit der Einrichtung von Bars und Clubs für Freunde. 2008, noch während ihres Studiums an der angesehenen Architekturschule Paris-Malaquais, gründete sie ihr eigenes Studio – am linken Ufer der Seine, mitten in Paris.

Aus recycelten Werkstoffen

Der Eingang an der Broadway-Seite eröffnet dagegen einen ganz in Weiss gehaltenen Raum mit einem Marmorboden mit farbigen Cabochons – rund geschliffenen Edelsteinen in Gelb, Grün und Blau –, geometrisch sowie organisch geformten Möbel, allesamt aus recycelten Materialien wie Modeabfällen, ökologischem Harz oder gepresstem Pappmaché. Hier werden angesagte französische und europäische Mode-, Accessoire- und Design-Marken präsentiert, wie etwa Ami, Coperni, oder Courrèges. Auch der sogenannte Playroom wirkt lebendig und ungezwungen, wenn auch in einer komplett anderen Sprache als der Red Room.

Gonzalez hat die Möblierung des Stores vollständig aus recycelten Werkstoffen gestaltet. Dazu hat die Französin klassische Materialien neu interpretiert und gleichzeitig neue entwickelt. So entpuppt sich etwa vermeintlicher Marmor als komprimierter Recyclingkunststoff, die Blumen aus dem Roten Saal sind aus ökologischem Harz gefertigt, das speziell für dieses Projekt entwickelt wurde. Ergänzt werden solche durch Antiquitäten von französischen Flohmärkten. Jeder der zehn Räume hat dabei seine eigene Identität.

Vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, wie Kaufhäuser im 21. Jahrhundert noch erfolgreich sein können: mit Räumen, die mehr erzählen als blosse Konsumgeschichten. Oder vielleicht ist es einfach New York – diese Stadt ohne Grenzen –, die solche Projekte überhaupt erst möglich macht.

Das sind die weiteren Räume des Printemps:

Exit mobile version