Wir haben sieben weitverbreitete Tipps gegen Heuschnupfen überprüft und sagen, was taugt.

Wenn Allergiker die Pollen bestimmter Pflanzen einatmen, reagiert ihr Immunsystem über. Ihre Nase läuft, die Augen tränen, manchen jucken Mund und Ohren. Auf der Suche nach Linderung stossen die Betroffenen auf allerlei Tipps. Wir haben überprüft, ob häufige Ratschläge wissenschaftlich erwiesen sind.

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Probiotika – das sind lebende Mikroorganismen wie zum Beispiel Milchsäurebakterien. Wer sie schluckt, will die Darmgesundheit verbessern. Die Probiotika sollen schädliche Darmbakterien verdrängen und nützliche stärken. Aber kann man damit Allergien abschwächen? In sozialen Netzwerken jedenfalls gibt es viel Werbung für Darmkuren, die genau das zum Ziel haben.

Das Mikrobiom im Darm hat durchaus einen Einfluss auf die Entstehung von Allergien. Die Bakterienvielfalt im Darm beeinflusst nämlich das Immunsystem. Und eine Allergie wiederum entsteht, weil das Immunsystem unnötigerweise überreagiert, wenn gewisse Fremdstoffe in den Körper eindringen – zum Beispiel Pollen. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 zeigt denn auch, dass Probiotika bei allergischem Schnupfen helfen können. Allerdings sind die Studienergebnisse zum Teil uneinheitlich. Die Kuren helfen nicht zuverlässig.

Das beobachtet auch Ludger Klimek, Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen. Er empfiehlt seinen Patienten Probiotika als einen von mehreren Bausteinen bei der Linderung von Heuschnupfen. Manchen helfe das, anderen nicht. Woran das liegt? Klimek erklärt: «Nicht jeder Person mangelt es an den gleichen Milchsäurebakterien im Darm. Wenn ich einem Patienten Bakterien von einer Art zuführe, die ihm gar nicht fehlt, dann wird er davon nicht so sehr profitieren wie der nächste Patient, dem genau diese Laktobazillen fehlen.» Einen Volltreffer zu landen, ist also gewissermassen Glückssache. Gezielte Untersuchungen der Bakterien im Darm führt er vorab nicht bei seinen Patienten durch: «Das ist zu aufwendig und teuer.»

Dieser Tipp kursiert in vielen Medienberichten: Stadtbewohner sollen morgens lüften, da die Pollen dort angeblich eher abends fliegen, auf dem Land sei es andersherum. Stimmt das?

Weiterhelfen kann Jeroen Buters, stellvertretender Direktor des Zentrums für Allergie und Umwelt der Technischen Universität und des Helmholtz-Zentrums in München. Er schreibt auf Anfrage: «Wir haben das untersucht. Wir sehen keinen grossen Unterschied zwischen Stadt und Land.» Seine Studie zu diesem Thema ergab, dass am wenigsten Pollen morgens zwischen 6 und 9 Uhr fliegen, ganz egal, wo man lebt. Per E-Mail präzisiert er, am besten sei es, bereits vor 8 Uhr das Fenster aufzumachen.

In der Allergiesaison fliegen die Pollen durch die Luft und gelangen mit uns unbemerkt in unser Zuhause. Sie hängen in Kleidern, die wir draussen getragen oder getrocknet haben. Deshalb ist es tatsächlich sinnvoll, Wäsche in der Wohnung zu trocknen und die getragenen Kleider nicht in dem Raum zu wechseln, in dem man eine möglichst entspannte Nacht verbringen möchte. Denn beim Umziehen wirbelt man die allergieauslösenden Teilchen auf, sie verteilen sich in der Raumluft und können für Schnupfen und tränende Augen sorgen. Forscher empfehlen deshalb sogar, die Kleidung, die man am Körper trägt, vor dem Eintreten ins Haus soweit möglich auszuschütteln. Damit entferne man einen grossen Teil der Pollen.

«Allergiesymptome kann man so zwar nicht gänzlich verhindern, aber das sind sinnvolle unterstützende Massnahmen, um wenigstens etwas weniger starke und andauernde Symptome zu haben», sagt Peter Schmid-Grendelmeier, der bis zu seiner Pensionierung vor einigen Monaten die Allergiestation des Universitätsspitals Zürich geleitet hat. Und er ergänzt: «Waschen Sie die Haare abends oder bürsten Sie sie wenigstens aus, denn darin fangen sich auch viele Pollen.» Bleiben die allergieauslösenden Teilchen in den Haaren, schläft man darauf, reibt sie ins Kissen, wirbelt sie auf, sobald man den Kopf dreht, und muss mit Niesattacken rechnen.

Die Idee ist simpel: Ein Gerät saugt Raumluft ein, filtert Pollen heraus und pustet die saubere Luft wieder ins Zimmer. Und tatsächlich zeigen wissenschaftliche Studien, dass Luftreiniger Allergiesymptome lindern können. Amerikanische Fachleute, die eine Empfehlung zu diesem Thema herausgegeben haben, schreiben, worauf man dabei achten sollte: Am besten hat der Luftreiniger einen sogenannten HEPA-Filter, weil der die allergieauslösenden Teilchen besonders gut herausfiltern könne. Am sinnvollsten sei es, den Luftfilter im Schlafzimmer zu nutzen, um eine möglichst symptomfreie Nacht zu haben. Platzieren sollte man ihn nah am Kopf, damit man wirklich die gereinigte Luft einatmet.

Doch der Nutzen eines Luftreinigers ist begrenzt. Allein schon deshalb, weil Allergiker nicht den ganzen Tag bei geschlossenem Fenster neben dem Luftfilter sitzen. Sobald sie lüften, den Raum oder die Wohnung verlassen, kommen sie wieder in Kontakt mit Allergenen. Doch das Gerät kann ein Baustein sein, um die Symptome etwas zu reduzieren und wenigstens nachts zur Ruhe zu kommen. Das bestätigt auch der Allergologe Peter Schmid-Grendelmeier und empfiehlt darüber hinaus: «Bringen Sie Pollenschutzgitter an den Fenstern an, damit im Schlafzimmer auch nach dem Lüften möglichst wenige Pollen sind.»

Es ist schon komisch: Der Mensch weiss, wie er Raketen konstruieren muss, um auf den Mond zu fliegen, und was bei Herzstillstand zu tun ist – aber er hat noch nicht verstanden, wieso Kochsalzlösung bei juckender und laufender Nase helfen kann.

Immerhin haben Forscher ein paar Vermutungen: Wahrscheinlich werde das Nasensekret verflüssigt, so dass es besser abfliessen könne. Und es könnte sein, dass durch die Spüllösung Allergene aus der Nase entfernt würden, heisst es in einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit. Aber letztlich ist es ja zweitrangig, wie genau Sprays, Pump- oder Spritzflaschen mit kochsalzhaltiger Flüssigkeit wirken. Hauptsache, sie lindern Heuschnupfensymptome. Um herauszufinden, ob sie das tatsächlich tun, haben die Forscher vierzehn Studien mit knapp 750 Teilnehmern gesichtet. Ihr vorsichtig formuliertes Fazit: Womöglich können Nasenspülungen dazu beitragen, den allergischen Schnupfen abzuschwächen. Vorsichtig formulieren die Autoren ihre Schlussfolgerung deshalb, weil die vierzehn Studien jeweils sehr klein und nicht immer gut gemacht waren.

Trotz der dünnen Beweislage ist die Nasenspülung einen Versuch wert. Denn in der Regel gibt es zumindest keine unerwünschten Nebenwirkungen.

Juckreiz, laufende Nase, tränende Augen: Die typischen Symptome von Heuschnupfen verursachen Histamine. Unser Körper setzt sie als Reaktion auf die Pollen frei. Die Histamine docken an bestimmte Rezeptoren unserer Zellen an und lösen die Symptome aus. Um das zu verhindern, gibt es Antihistaminika. Bei Heuschnupfen sind sie der Klassiker aus dem Medikamentenschrank. Sie besetzen die Histaminrezeptoren und verhindern so, dass Histamine Symptome auslösen können.

Aber viele Menschen sind unzufrieden mit den Mitteln. Sie wechseln zwischen Tabletten und Nasensprays hin und her, ärgern sich über Nebenwirkungen wie Müdigkeit, kombinieren Antihistaminika mit allerlei anderen Methoden und Mitteln gegen Heuschnupfen und haben trotz allen Bemühungen ihre Symptome nicht gut unter Kontrolle. Das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Das Problem dabei ist, viele Menschen nehmen die Medikamente nicht korrekt ein.

Die Allergologen Ludger Klimek und Peter Schmid-Grendelmeier empfehlen: Zuerst sollte man sich eine Pollen-App aufs Smartphone laden. Sobald angezeigt wird, dass die Pollen, auf die man allergisch reagiert, in den kommenden Tagen vermehrt durch die Luft fliegen, soll man Medikamente nehmen. Ludger Klimek rät zu Mitteln, bei denen Antihistaminika mit einem entzündungshemmenden Wirkstoff kombiniert werden. «Die gibt es als Nasenspray, und das genügt meist bei allergischem Schnupfen und tränenden Augen», sagt er. Treten weitere Symptome auf, zum Beispiel Juckreiz im Mund und in den Ohren, helfe eine Tablette.

«Beginnen Sie mit den Medikamenten am besten, bevor Sie starke Symptome bemerken», rät Peter Schmid-Grendelmeier. Denn gegen Histamine, die schon am Rezeptor sind, kann die Tablette nichts ausrichten. Deshalb sollte man die Rezeptoren vor dem Pollenflug mit dem Medikament blockieren.

In der Schweiz bekomme man die neueste Generation an Medikamenten auch ohne ärztliches Rezept in Apotheken, allerdings nur in kleinen Packungen. Sie sind besonders wirkungsvoll und haben weniger unerwünschte Nebenwirkungen als die älteren Produkte. In Deutschland lohnt sich ein Arztbesuch, wenn man den Eindruck hat, dass die frei verkäuflichen Mittel nicht gut genug helfen. «Solange die Heuschnupfenmedikamente einen Patentschutz haben, erhält man sie in Deutschland nur mit einem ärztlichen Rezept», sagt Klimek.

Beide Fachleute weisen darauf hin, dass Tabletten und Nasensprays nicht immer ausreichen. Allergisches Asthma sollte unbedingt ärztlich abgeklärt und behandelt werden.

«Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie glücklich ich gerade bin», sagt eine Tiktokerin, die ihr Video mit den fettgedruckten Worten «Wundermittel für Allergiker» überschrieben hat. Sie ist glücklich, weil sie «die Lösung» für ihren Heuschnupfen gefunden hat: Schwarzkümmelöl. Seit sie das regelmässig zu sich nehme, habe sie «null, nada, niente» Heuschnupfensymptome mehr.

Videos wie dieses gibt es zuhauf in sozialen Netzwerken. Wer nach Mittelchen gegen allergisch bedingten Schnupfen sucht, kommt an Tipps rund um Schwarzkümmelöl nicht vorbei. Die Begeisterten empfehlen für gewöhnlich zwei Teelöffel davon pro Tag, wahlweise kann man auch Kapseln einnehmen.

Aber kann es tatsächlich sein, dass dieses Öl solch einen Unterschied macht? Tatsächlich hat eine kürzlich erschienene wissenschaftliche Übersichtsarbeit ergeben, dass Schwarzkümmelöl die Symptome von Heuschnupfen wahrscheinlich lindern kann und dabei kaum Nebenwirkungen hat. Allerdings betonen die Autoren der Studie, dass es bisher nur kleine Studien dazu gibt, die Datenlage ist also ungenügend. Und Robin Teufel, Professor für pharmazeutische Biologie an der Universität Basel, fügt hinzu: «Die Wirkung scheint individuell recht unterschiedlich zu sein.» Will heissen: Der einen hilft es, dem anderen nicht.

Laut Teufel kann Schwarzkümmel bei manchen Menschen die Freisetzung von Histamin hemmen und so Symptome lindern. Denn das Histamin, das der Körper als Reaktion auf die Pollen ausschüttet, verursacht Niesen, Juckreiz und eine laufende Nase. Ausserdem habe das Öl entzündungshemmende Eigenschaften und lindere so Schleimhautreizungen. Verantwortlich für die Wirkung könnte der Wirkstoff Thymoquinon sein, der in Schwarzkümmelöl enthalten sei, sagt Teufel.

Medikamente bilden eine wichtige Grundlage, um Allergiesymptome zu lindern. Bei starken Beschwerden lohnt es sich, zusätzliche Massnahmen auszuprobieren und dabei konsequent vorzugehen. Denn ein Luftfilter im Schlafzimmer zum Beispiel kommt kaum hinterher, wenn man dauernd lüftet und kein Pollenschutzgitter am Fenster anbringt.

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