Der Staatsbetrieb hat 25 Beratungsfirmen angebunden, die man für einzelne Projekte gegeneinander antreten liess – etwa im Zusammenhang mit Akquisitionen. Diese Vorliebe für McKinsey und Co. kostete in der Ära Cirillo viel Geld.

Diese Woche hatte Roberto Cirillo seinen letzten Arbeitstag als CEO der Post. Seit 1. April liegt die Verantwortung für den Staatskonzern beim Finanzchef Alex Glanzmann – allerdings nur vorübergehend, bis der Verwaltungsratspräsident Christian Levrat eine definitive Nachfolgelösung gefunden hat.

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Cirillo soll der Post noch bis Ende Juli für (nicht näher definierte) «Sonderaufgaben» zur Verfügung stehen. Er dürfte dafür – befreit von jeglicher Führungsverantwortung – rund 300 000 Franken erhalten. Damit wird der Tessiner zum Edelberater seiner Posta Svizzera.

Grosse Summen für externes Know-how sind beim Staatsbetrieb keine Seltenheit, wie der jüngste Finanzbericht zeigt: 2024 belief sich der «Beratungs-, Büro- und Verwaltungsaufwand» auf 431 Millionen Franken – ein neuer Spitzenwert.

Bemerkenswert ist der Mehrjahresvergleich: Unter Susanne Ruoff, welche die Post von 2012 bis 2018 führte, betrugen die Ausgaben in diesem Bereich durchschnittlich 255 Millionen Franken pro Jahr. In der Ära Cirillo dagegen wurden im Schnitt 401 Millionen ausgegeben.

Die Post erklärt die Entwicklung mit der «stark und schnell wachsenden Digitalisierung». Das habe höhere IT-Aufwände zur Folge. Diese machten «über die Hälfte» der Ausgaben aus, die man in diesem Bereich verbuchte.

Den sprunghaften Anstieg im Jahr 2019 begründet das Unternehmen mit einer Änderung in der Verbuchung: «Seither werden auch die Kosten für IT-Aufwände bei Postfinance und den Funktionsbereichen unter diesem Posten verbucht», schreibt die Medienstelle.

Wie gross dieser Effekt genau war, behält die Post für sich. Das Unternehmen bezeichnet ihn als «wesentlich». Allerdings: 2019 hielt es niemand für nötig, die Anpassung der Rechnungslegung transparent zu machen. Im Finanzbericht findet sich keine entsprechende Anmerkung.

Tagessätze für Berater von bis zu 25 325 Franken?

Auch im Jahr 2025 lässt die Transparenz der Post zu wünschen übrig. So verschweigt die Medienstelle, dass der Anstieg beim «Beratungs-, Büro- und Verwaltungsaufwand» auch noch einen anderen Grund hat: die Vergabe zahlreicher Beratungsaufträge.

Der Post-CEO Cirillo, ein ehemaliger McKinsey-Mann, holte sich bereits in seinem ersten Amtsjahr externe Unterstützung ins Haus. Die Berater seines früheren Arbeitgebers erhielten Ende 2019 den Auftrag, «die postalischen Verarbeitungsprozesse» auf Effizienz- und Synergiepotenziale zu überprüfen.

Doch damit nicht genug. Im Januar 2020 sicherte sich die Post-Spitze Zugang zu Beratungsunternehmen in sechs weiteren Bereichen: Mergers and Acquisitions, Auditierung und Zertifizierung, Projektmanagement, Compliance, Unternehmensberatung, Strategieberatung – überall ersuchte Cirillo um externe Unterstützung.

25 Firmen kamen auf eine Shortlist, auf deren Expertise die Post bei Bedarf zugreifen konnte. Mit dabei wiederum McKinsey, aber auch die «Big Four» Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers sowie andere namhafte Beratungsunternehmen.

Gemäss dem «Rahmenvertragsentwurf» der entsprechenden Ausschreibung sollten die Beratungsunternehmen bei «komplexen Projekten» in einem sogenannten «Beauty-Contest» gegeneinander antreten.

Will heissen: Mehrere Firmen erhalten «ein Briefing für eine konkrete Aufgabe» und müssen dann an einem bestimmten Stichtag ihre Ideen und Lösungsansätze präsentieren. Wer am meisten zu überzeugen vermag, bekommt den Zuschlag.

Die Medienstelle schreibt dazu: «Der Aufbau des Berater-Pools ist für Konzerne ein üblicher Prozess, wenn sie externes Know-how und Ressourcen beanspruchen wollen.» In diesem Zusammenhang habe die Post seit 2020 «verschiedene Aufträge unterschiedlichster Grösse» vergeben.

Wie viele Aufträge es genau waren, will die Post nicht verraten. Auch zur Gesamtsumme, die in den vergangenen fünf Jahren an die 25 Beratungsunternehmen geflossen sind, schweigt der Staatskonzern.

Damit bleibt unklar, wie stark die Aufträge für McKinsey und Co. zur Erhöhung des «Beratungs-, Büro- und Verwaltungsaufwands» beigetragen haben. Bekannt ist aber, dass sich die genannten Firmen ihre Dienste einiges kosten lassen.

Aus dem Zuschlagsentscheid vom Januar 2020 geht hervor, dass die berücksichtigten Anbieter in ihren Offerten Tagessätze von bis zu 25 325 Franken eingegeben haben. Die Medienstelle der Post schreibt, dass die tatsächlich bezahlten Tagessätze am Ende «weitaus tiefer» gewesen seien. Zahlen nennt das Unternehmen aber auch hierzu nicht.

Kritik aus der Politik: «Die Post ist eine Dunkelkammer»

Die kostspieligen Berateraufträge des Staatskonzerns sind politisch pikant. Denn zumindest teilweise wurden die Firmen engagiert, um die umstrittene Akquisitionsstrategie voranzutreiben.

Cirillo hat in seiner Amtszeit mehr als ein Dutzend Firmen aufgekauft. Viele davon sind in Bereichen tätig, die mit dem Kerngeschäft der Post wenig bis nichts zu tun haben: Logistik für Baustellen, steriles Material für die Medizin, ein Ladenetz für Elektrofahrzeuge.

Um diese Übernahmen durchzuführen, hat sich die Post im Bereich Mergers and Acquisitions das Know-how von neun Beraterfirmen gesichert. Wie viel deren Dienstleistungen gekostet haben, ist unbekannt – genauso wie die Preise, die für die einzelnen Akquisitionen bezahlt wurden.

Dieses Vorgehen sorgt nicht nur bei Privatfirmen für Kopfschütteln, die von den Post-Töchtern staatliche Konkurrenz erhalten, sondern auch in Bern. Matthias Jauslin, Unternehmer und GLP-Nationalrat, sagt dazu: «Leider ist die Post mit ihren unzähligen Beteiligungen eine Dunkelkammer.»

Er habe trotz mehrmaligem Nachhaken feststellen müssen, dass nicht einmal der Bundesrat als Eignervertreter den Durchblick habe. Für die enorme Zunahme des «Beratungs-, Büro- und Verwaltungsaufwands» gilt dasselbe. Jauslin: «Die Konzernleitung bleibt auch für diese Steigerung eine detaillierte Erklärung schuldig.»

In einigen Wochen muss der Post-Verwaltungsrat bei den Geschäftsprüfungskommissionen des Parlaments antraben, wie jedes Jahr. Dabei wird auch die Frage der Transparenz ein Thema sein.

Die Post ist überzeugt davon, dass sie sich «im Rahmen der regulatorischen Vorgaben» bewegt und auch der Finanzbericht – «von externen Revisionsstellen geprüft und abgenommen» – nichts zu wünschen übrig lässt.

Die Zukäufe sowie die damit zusammenhängenden Beratungsausgaben verteidigt das Unternehmen mit der Notwendigkeit, die finanzielle Unabhängigkeit zu sichern. Man erfülle den Grundversorgungsauftrag eigenwirtschaftlich und zahle dem Eigner –dem Bund – auch dieses Jahr eine Dividende von 100 Millionen Franken aus. Damit dies auch in Zukunft möglich sei, fokussiere sich die Post auf Effizienz, Preismassnahmen – und Wachstum.

Für Letztgenanntes habe man in der letzten Strategieperiode in den Ausbau digitaler Dienstleistungen investiert. Das seien langfristige Investitionen und die damit verbundenen Kosten widerspiegelten sich in den Bilanzen der letzten Jahre.

Stand heute ist die Post im Digitalbereich noch immer defizitär. Cirillos Nachfolger muss den Turnaround schaffen. Im Idealfall nicht mit teuren Beratern, sondern mit eigenen Leuten. Das hilft auch der Bilanz.

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