Patrick Schwarzenegger ist ein Nepo-Baby: ein Kind berühmter und vermögender Eltern. Ausgerechnet mit einer Rolle als reicher Sohn will er dieses Image abstreifen. Spielt er einfach sich selbst?
Eine Familie sitzt beim Essen in einem edlen Resort. Ein junger Mann ist am Telefon, während zwei Frauen mit offenem Mund dasitzen. Er legt auf und sagt: «Ich gehe nach Thailand.» Eine der Frauen schreit auf vor Glück und fällt ihm um den Hals. Die andere hat Tränen in den Augen.
Die Szene stammt aus einem Video, das der junge Mann auf Instagram gepostet hat. Sein Name: Patrick Schwarzenegger. Ja, der Sohn von Arnold Schwarzenegger. Und der Sohn der Ex-Journalistin Maria Shriver, eine Nichte von John F. Kennedy.
Der Mann hat soeben eine Rolle in der 3. Staffel der Erfolgsserie «White Lotus» erhalten. Die Gesellschaftssatire spielt in einem luxuriösen Hotel und begleitet den Aufenthalt seiner mächtigen, schönen und vor allem reichen Gäste. Schwarzenegger soll Saxon Ratliff, den Sohn einer schwerreichen Südstaatenfamilie verkörpern, der gerade in der Finanzfirma seines Vaters Fuss fasst.
Kurz nachdem Patrick Schwarzenegger, 31, das Video teilt, wird Kritik laut. Wäre er ohne die Kontakte seiner Familie jemals für diesen Part infrage gekommen? Und überhaupt: Spielt Schwarzenegger als Rich Kid nicht einfach sich selbst?
Für die Generation Z ist damit klar: Schwarzenegger ist ein Nepo-Baby – jemand, der mit reichen und berühmten Eltern aufwächst und von deren Status profitiert.
Auch George Clooney und Angelina Jolie sind Nepos
Nepo-Babys, oder kurz Nepos, so bezeichnen Angehörige der Gen Z jene Personen, die von reichen und berühmten Eltern abstammen und von diesem Status in ihrer eigenen Karriere profitiert haben – Nepotismus also.
Das Phänomen ist nicht neu. Nun aber empört sich die Gen Z darüber, dass Menschen, die Einfluss und Reichtum geerbt haben, einen erheblichen Vorsprung im Leben erhalten.
Patrick Schwarzenegger ist nicht allein: Bekannte Nepo-Babys aus seiner Generation sind beispielsweise Schauspielerin Dakota Johnson (Tochter der Schauspieler Melanie Griffith und Don Johnson) oder das Model Kaia Gerber (Tochter von Supermodel Cindy Crawford), ebenso die aufstrebende Schauspielerin Lily Rose Depp (Tochter des Schauspielers Johnny Depp und der Sängerin Vanessa Paradis).
Auf ihre Herkunft angesprochen, rechtfertigte sich Depp gegenüber «Elle»: Sie fände es «seltsam», jemanden darauf zu reduzieren, dass er bloss aus familiären Gründen an diesem Punkt sei. Sie bezeichnete den Reflex gar als sexistisch – wohl in der Annahme, dass sie den Vorwurf öfter hört als ihre männlichen Kollegen. Patrick Schwarzenegger dürfte dem widersprechen.
Nepo-Babys gab es schon lange, bevor sie diesen Namen trugen. Doch die verbreitete Annahme, dass die Kinder berühmter Personen meist nicht mit deren Talent oder Arbeit mithalten könnten, ist ein Trugschluss. Einige Nepos sind heute selbst so erfolgreich, dass ihre Herkunft kaum mehr Thema ist.
Zu ihnen zählen die Oscar-Preisträger Angelina Jolie (Tochter von Schauspieler John Voight), George Clooney (Sohn von Journalist und Schauspieler Nick Clooney) genauso wie der Schauspieler Michael Douglas (Sohn der Hollywood-Legende Kirk Douglas) und Robert Downey Jr. (Sohn des Regisseurs Robert Downey).
Die Nepo-Kritik trifft Leute ihrer Generation und ihres Kalibers aber kaum.
«Leute sehen nicht, wie viele Absagen ich erhalten habe»
Gwyneth Paltrow, selbst Tochter eines berühmten Hollywood-Paars, sagte einst im Gespräch mit dem Model Hailey Bieber (Tochter von Steven Baldwin, ebenfalls ein Nepo): «Ist dein Fuss erst einmal in der Türe drin, wenn auch unfairerweise, dann musst du doppelt so hart arbeiten und doppelt so gut sein.» Ihr Talent hat Paltrow längst bewiesen, auch sie gewann einst einen Oscar als beste Hauptdarstellerin.
Auch die Regisseurin und Schauspielerin Zoë Kravitz (Tochter des Musikers Lenny Kravitz und der Schauspielerin Lisa Bonet) wehrte sich gegen den Vorwurf, dass es sich hier um ein Hollywood-Phänomen handle. Gegenüber «GQ» bemerkte sie, dass es ja auch sonst «komplett normal ist, dass Leute ins Business der Eltern einsteigen».
Patrick Schwarzenegger selbst sagte gegenüber der britischen «Times»: Eltern wie Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver zu haben, sei «Fluch und Segen» zugleich.
Schwarzenegger betont, die Rolle nicht wegen seines Vaters erhalten zu haben. «Diese Leute sehen nicht, dass ich zehn Jahre Schauspielunterricht hatte, jede Woche beim Schultheater gespielt und stundenlang an meinen Rollen gearbeitet habe. Sie sehen auch die Hunderte von Absagen nicht, nachdem ich an Castings war.»
In solchen Momenten habe er sich manchmal gewünscht, einen anderen Nachnamen zu haben. Eine Option, von der andere Promi-Kinder durchaus Gebrauch gemacht haben: Dazu zählen neben Angelina Jolie auch die Schauspielerinnen Liza Minnelli (Tochter der Hollywood-Legende Judy Garland) oder Kate Hudson (deren Eltern beide Schauspieler sind, die Mutter Goldie Hawn aber wesentlich berühmter ist).
Patrick Schwarzenegger says it’s “frustrating” that “there are people who’ll say I only got [‘THE WHITE LOTUS’] role because of who my dad is.”
“They’re not seeing that I’ve had 10 years of acting classes, put on school plays every week, worked on my characters for hours on end… pic.twitter.com/z4LSrn317F
— Film Updates (@FilmUpdates) February 24, 2025
Es ist nicht die einzige Kritik, die Schwarzenegger über sich ergehen lassen musste. Er spiele im Grunde sich selbst, hiess es beispielsweise. Der arrogante Saxon Ratliff in «White Lotus», der sich primär für seine Proteinshakes und für gutaussehende Frauen interessiert und seinem vermeintlich erfolgreichen Vater nacheifert, das klinge alles stark nach Schwarzenegger. Und sowieso: Die Ratliff-Familie verblasse geradezu neben dem Vermögen und dem Einfluss der Schwarzeneggers.
Saxon sei ein absurder Charakter, wie Schwarzenegger in der «Times» selbst sagt. «Man will ihn hassen, aber man mag ihn irgendwie auch.» Regisseur Mike White und er hätten versucht, Saxon auch etwas Liebenswürdiges zu verleihen.
Und doch sieht Patrick Schwarzenegger gewisse Parallelen, wie er gegenüber dem «Telegraph» sagt. Saxon habe ebenfalls eine sehr erfolgreiche Familie. Er arbeite zwar unter seinem Vater, versuche jedoch immer, seinen eigenen Weg zu gehen. «Er ist ständig darum bemüht, die Aufmerksamkeit und Anerkennung seines Vaters zu gewinnen.» Etwas, was Schwarzenegger bekannt vorkommen dürfte.
Und doch zeichnet er in Interviews ein anderes Bild von sich. Das des eigentlich ganz normalen jungen Mannes, dem man den Reichtum seiner Familie nicht anmerkt, ja der manchmal gar darunter gelitten hat.
Er erzählt etwa, wie der «White Lotus»-Schöpfer Mike White immer wieder zu ihm gesagt habe: «Du gehst nicht reich genug. Patrick, sei reicher!», erzählt Schwarzenegger gegenüber der «New York Times». Als wollte er dem Bild des reichen Sohnes auch etwas Liebenswürdiges verleihen.
Die Schwarzeneggers schienen lange wie eine Vorzeigefamilie
Es ist nicht so, dass Patrick Schwarzenegger sich in Interviews von seiner Familie distanziert, im Gegenteil. In Los Angeles geboren und aufgewachsen, interessierte sich Patrick Schwarzenegger «natürlich schon früh» für die Schauspielerei, «angesichts dessen, wer mein Vater war», erzählt er in der «Times».
Sein Vater, Arnold Schwarzenegger, wandelte sich vom Bodybuilder zum Actionhelden und später zum republikanischen Gouverneur. Verheiratet mit der Journalistin Maria Shriver, einer Nichte von John F. Kennedy, galten die Schwarzeneggers als prominente Vorzeigefamilie.
Patrick wuchs als drittes von vier Kindern auf, zumindest glaubte er das lange Zeit. In der Highschool begann er, Schauspielunterricht zu nehmen, an der University of Southern California studierte er Business und Filmwissenschaften. Trotz einigen Ausflügen in die Modelwelt schien sein Weg in die Schauspielerei vorgebahnt. Bald übernahm er kleinere Rollen in Filmen.
2011 gaben seine Eltern überraschend die Trennung bekannt. Kurz darauf – er hatte gerade sein Amt als Gouverneur abgelegt – erklärte Arnold Schwarzenegger, ein weiteres Kind mit einer Hausangestellten gezeugt zu haben. Sein unehelicher Sohn Joseph war gleich alt wie sein jüngstes Kind mit Maria Shriver.
Über seinen Halbbruder spricht Patrick Schwarzenegger nicht. Er betont hingegen, noch heute beiden Eltern sehr nahezustehen. «Mein Vater und ich trainieren zusammen, wann immer wir können», erzählte er der «Times». Fast scheint es, als sei er es leid, sich von seinem Vater abzugrenzen. «Die Leute wollen immer, dass du etwas ganz anderes machst», erklärt er. «Aber er hatte zweifellos einen grossen Einfluss in meinem Leben.»
Nun dürfte Schwarzenegger ausgerechnet mit einer Rolle in einer Serie, die Familien wie seine karikiert, aus deren Schatten treten.
Plötzlich lacht keiner mehr über Schwarzenegger
Es sollte nicht nur die grösste, sondern auch die herausforderndste Rolle für Schwarzenegger werden. Sie beinhaltet nebst Nacktheit auch eine inzestuöse Sexszene. Saxon wandelt sich von der Testosteronschleuder auf zwei Beinen zum Zentrum des vielleicht am stärksten polarisierenden Handlungsstrangs der Serie. Und so viel sei gesagt: Schwarzenegger überzeugt.
Auf Social Media gibt es viel Lob für den jungen Schwarzenegger. Und auch die Kritiken fallen begeistert aus. Der «Guardian» schreibt: «Er ist tatsächlich sehr, sehr gut.» Laut «Telegraph» könnte Schwarzenegger gar als «der Herausragende dieser Serie» enden.
Und plötzlich lacht keiner mehr über Patrick Schwarzenegger, das Nepo-Baby.
So, we’re all in agreement that Patrick Schwarzenegger is getting an Emmy nomination. #WhiteLotus pic.twitter.com/OZIdgjaA2S
— Carlos (@carlosjharris) March 24, 2025
Auf seinem Erfolg ausruhen will sich Patrick Schwarzenegger aber nicht, wie er gegenüber «GQ» erklärt: «In erster Linie ist es mein Ziel, konstant als Schauspieler zu arbeiten.» Wohl in der Hoffnung, irgendwann nicht mehr in jedem Interview auf seine Familie angesprochen zu werden.
Apropos Familie: Auch Patrick Schwarzeneggers Halbbruder, Joseph Baena, ist heute Schauspieler. Er hat sich entschieden, den Nachnamen seines berühmten Vaters nicht anzunehmen. Gegenüber E-News erklärte er vergangenes Jahr: «Ich versuche die Dinge alleine zu machen.»