Revolut ist im Hoch: Mit neuen Angeboten will das Fintech aus Grossbritannien in der Schweiz zur Hauptbank für ihre Nutzer werden. Um diese nutzen zu können, müssen sie jedoch auf ein neues Konto von Revolut wechseln.

Mit der Digitalisierung tun sich die etablierten Banken in der Schweiz schwer. Jüngstes Beispiel ist Raiffeisen Schweiz. Die Bank hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass die Entwicklung der eigenen App nun definitiv abgebrochen wird. Ein teurer Entscheid: Auf 47 Millionen Franken beziffert die Bank die dadurch entstandenen Kosten.

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Dabei besteht hierzulande ein Bedarf nach digitalen Bankdienstleistungen. «Sämtliche Neobanken in der Schweiz sind im vergangenen Jahr gewachsen», sagt Julius Kirscheneder, Mitgründer der Digitalbank Neon. Unangefochtener Spitzenreiter ist Revolut. Das Fintech aus Grossbritannien hat diese Woche bekanntgegeben, dass es die Marke von einer Million Privatkunden in der Schweiz überschritten habe. Damit liegt Revolut deutlich vor Schweizer Anbietern wie Yuh mit 300 000 und Neon mit 240 000 Kunden.

Die Schweiz ist ein wichtiger Markt für das Fintech

Der Vorsprung verwundert wenig: Revolut startete bereits Ende 2017 in der Schweiz und war damals als erste App einer Digitalbank hierzulande auf dem Markt. Weltweit zählt Revolut gemäss eigenen Angaben mittlerweile mehr als 50 Millionen Kunden. Doch es gibt auch Skepsis gegenüber den von Revolut kommunizierten Kundenzahlen. Laut Kirscheneder ist hier ein genauer Blick sinnvoll. Doch falls es sich um vergleichbare, vollwertige Bankkontobeziehungen handle, sei das Wachstum des letzten Jahres bemerkenswert.

Bei Revolut gilt als Privatkunde, wer die App heruntergeladen, sich registriert und den Verifizierungsprozess durchlaufen hat. Deutlich mehr als die Hälfte der Kunden seien tatsächlich mindestens einmal pro Monat aktiv, sagt Julian Biegmann, General Manager von Revolut Schweiz. Neon verweist auf 75 Prozent ihrer Kunden, die einmal pro Monat die Dienstleistungen aktiv nutzen.

Für Revolut ist die Schweiz ein wichtiger Markt. Einen Teil der Erträge erwirtschaftet sie auch mit kostenpflichtigen Abos. Wie hoch dieser Anteil hierzulande ist, gibt Revolut nicht bekannt. Die Schweiz gehöre jedoch zu den fünf Märkten mit der höchsten Anzahl an kostenpflichtigen Abos. Die Neobank will kräftig weiterwachsen. Ziel ist es, in der Schweiz 250 000 neue Kunden pro Jahr zu gewinnen. «Für Kunden in der Schweiz wollen wir die Hauptbank werden», sagt Biegmann. Dazu will die Bank neue Produkte anbieten, etwa Rechnungen mit QR-Code, Gemeinschaftskonten oder E-Bill. Noch in der Testphase befindet sich die Einführung von ETF-Sparplänen.

Um diese einführen zu können, hat sich die Digitalbank im vergangenen Jahr in der Schweiz neu aufgestellt. Im Handelsregister wurde die Revolut Schweiz AG eingetragen. Zudem eröffnete die Revolut Bank UAB aus Litauen in der Schweiz eine Vertretung, mit Bewilligung der Finanzmarktaufsicht (Finma). Eine Schweizer Banklizenz hat die Digitalbank nach wie vor keine. Um die neuen Angebote nutzen zu können, werden bestehende Kunden aufgefordert, zur litauischen Bank zu wechseln. Bislang diente ein Konto bei der Credit Suisse als Sammelkonto für die Revolut-Kunden in der Schweiz.

Revolut-Marketing verärgert Kunden

Mit ihren geplanten Angeboten sei Revolut auf dem richtigen Weg, sagt Andreas Dietrich, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern. «Wenn die Digitalbank tief in der Schweiz ankommen und zur Hauptbank werden will, muss sie Dienstleistungen wie E-Bill und QR-Rechnungen anbieten», sagt er.

Doch der Weg dahin ist noch weit. Die Nutzung von Revolut als digitale Bank ist durch die neue Organisation nicht einfacher geworden. Mit ihrem offensiven Marketing hat sie zudem viele Kunden verärgert. Revolut habe ihnen offenbar falsche Tatsachen vorgegaukelt, lauten Nutzerkommentare auf dem Online-Portal Reddit. So hatte die Digitalbank ursprünglich in Aussicht gestellt, dass Kunden bei ihrem Wechsel zur litauischen Bank eine eigene, persönliche Schweizer IBAN-Nummer erhalten würden.

Diese erwiesen sich dann als sogenannte virtuelle IBAN-Nummern. Diese werden zwar jedem Kunden einzeln zugeordnet. Dahinter liegt jedoch ein übergeordnetes Konto, das von der Revolut Bank UAB in Litauen gehalten wird. Wer eine Überweisung tätigen will, muss beim Überweisungszweck nach wie vor seinen Namen angegeben. Als Begünstigter erscheint die Revolut Bank UAB in Litauen. Abgewickelt werden die Zahlungen in der Schweiz über die Postfinance. Diese will sich auf Anfrage der NZZ nicht zu Kundenbeziehungen äussern.

Für Dietrich sind diese virtuellen Schweizer IBAN-Nummern derzeit noch nicht der grosse Treiber für Revolut. Diese Konstruktion macht es in den meisten Fällen noch immer umständlich, dass Revolut etwa als Gehaltskonto verwendet werden kann. Die meisten Arbeitgeber verlangen, dass das angegebene Konto auch auf den Arbeitnehmer lautet.

Revolut sagt, dass es mit Blick auf die virtuellen Schweizer IBAN in der Kommunikation mit den Kunden vereinzelt zu Missverständnissen gekommen sei. Diese sei in der Zwischenzeit angepasst worden. Biegmann räumt jedoch ein, dass die Nutzerfreundlichkeit noch verbessert werden könne. Doch um ihren Kunden eigene IBAN-Nummern vergeben zu können, braucht Revolut Zugang zum Schweizer Clearingsystem. Das ist ohne Banklizenz nicht möglich. Es gibt Gerüchte, dass Revolut eine beantragt hat. Biegmann will diese nicht kommentieren.

Um einen Wechsel werden Revolut-Kunden jedoch nicht herumkommen. Ende Juni läuft die Zusammenarbeit zwischen Revolut und der UBS ab, auf die das CS-Konto der Digitalbank bisher lief. Ab dann können Kunden der Digitalbank, die den Wechsel nicht vollzogen haben, keine inländischen Banküberweisungen mehr auf ihr Revolut-Konto tätigen. Andere Überweisungsoptionen sind gemäss Angaben von Revolut jedoch nicht betroffen. Bis Ende Jahr sollte das bestehende Konto wie gewohnt funktionieren.

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