Die geplanten Zölle der Trump-Regierung treffen die Schweiz und Asien besonders hart. Aktienkurse, Dollar und Anleiherenditen fallen. Luxusgüter- und Finanzaktien leiden besonders.

Die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump verhängten Importzölle versetzen die Finanzmärkte in einen Schockzustand. Die Aktienkurse in den meisten Ländern Europas und Asiens sind gefallen. Besonders hart traf es Japan, wo der Nikkei-225-Index zeitweise um mehr als 4 Prozent einbrach. Aber auch die europäischen Börsen werden in Mitleidenschaft gezogen. Gleichzeitig gaben Dollar und Anleiherenditen wegen der Furcht vor einer Wachstumsverlangsamung in den USA nach.

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Der Zollschock erfasste die Schweizer Börse in besonderem Masse. Sie eröffnete mit einem Minus von mehr als 1,5 Prozent – fast alle Aktien handeln im Negativbereich. Am Vortag hatte Trump einen Zoll von 31 Prozent gegen Importe aus der Schweiz verhängt. Besonders davon betroffen ist der Luxusgütersektor mit Aktien wie Richemont oder Swatch Group mit Abgaben von zeitweise mehr als 5 Prozent. Für die Schweizer Uhrenindustrie sind die USA der wichtigste Exportmarkt.

Anleger trennen sich von UBS und Swatch Group

Aber auch Finanzwerte wie UBS oder Partners Group, die Aktien des Logistikkonzerns Kühne + Nagel und jene von Logitech sahen herbe Verluste. Der Westschweizer IT-Zubehör-Hersteller stellt viele Waren in China, Taiwan und Vietnam her – allesamt Länder, die Trump mit den höchsten Importzöllen belegen will.

Produkte aus dem EU-Raum belastet Trump zwar mit verhältnismässig geringeren Zöllen von 20 Prozent. Doch das tat wenig für die Stimmung der Anleger, auch die europäischen Börsen verbuchten deutliche Verluste: Der deutsche Leitindex DAX verlor zeitweise mehr als 2 Prozent, der französische CAC 40 rund 1,7 Prozent. Auch der breit gefasste europäische Stoxx-Europe 600 verlor an Boden.

Auch wenn es Trumps erklärtes Ziel ist, den Produktionsstandort USA langfristig zu stärken, kommen die Zollpläne an den US-Aktienmärkten schlecht an, obschon die dortigen Börsen noch geschlossen sind: Die Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 notierten im vorbörslichen Handel mit 3,5 und 4,5 Prozent deutlich negativ. Die Sorge: Importzölle werden die Inflation anheizen und das Wirtschaftswachstum verlangsamen, in den USA, aber auch weltweit.

Für den weiteren Börsenverlauf entscheidend wird sein, wie die Regierungen in Europa und Asien reagieren. Auslöser für den breiten Kursrutsch an den asiatischen Aktienmärkten war das Ausmass der Abgaben. Wendy Cutler, die Vizepräsidentin des Policy Institute der Asia Society, sagt: «Die asiatischen Länder wurden besonders hart getroffen, was ihnen angesichts ihrer exportorientierten Volkswirtschaften grossen wirtschaftlichen Schaden zufügen wird.»

Tatsächlich hat Trump selbst seinen engsten Verbündeten höhere Zölle auferlegt als der von ihm oft kritisierten Europäischen Union. Sein Vorwurf: Die Länder hätten die USA durch unfaire Handelspraktiken besonders «abgezockt».

So reagierten die asiatischen Finanzmärkte

Die grössten Ausschläge gab es an der grössten asiatischen Börse in Japan. Der Nikkei-225-Index fiel in den ersten zehn Handelsminuten um 4,4 Prozent und durchbrach erstmals seit August 2024 die Marke von 35 000 Punkten. Der Leitindex ging dann mit 34 673,69 Punkten 3 Prozent unter dem Wert des Vortags in die Mittagspause.

Besonders hart waren die japanischen Banken betroffen, deren Branchenindex zeitweise um 6 Prozent nachgab. Bei Autoherstellern war das Bild gemischt: Toyotas Aktienkurs sank überdurchschnittlich um 5,2 Prozent, Nissan und Honda ungefähr so stark wie der Gesamtmarkt und der auf Indien fokussierte Hersteller Suzuki unterdurchschnittlich um 1,7 Prozent.

Der Dollar fiel gegenüber dem Yen um mehr als 1 Prozent auf unter 148 Yen, während die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen zu Handelsbeginn um 0,13 Prozent auf 1,34 Prozent nachgab.

Auch in anderen Ländern trübte sich die Stimmung nach dem Ausverkauf der Vorwoche weiter ein. In Südkorea gab der Kospi zeitweise um 1,7 Prozent nach, während die jüngst bereits gesunkenen Renditen für zehnjährige Anleihen um weitere 0,056 Prozentpunkte auf 2,718 Prozent fielen.

Der australische S&P/ASX 200 verlor zeitweise 1,6 Prozent, der Hongkonger Hang-Seng-Index 1,4 Prozent. Selbst Singapurs Straits-Times-Index eröffnete mit einem Minus von 0,7 Prozent, obwohl Trump für Produkte aus dem Stadtstaat nur einen Einfuhrzoll von 10 Prozent verhängt hatte. Eine Ausnahme bildete die chinesische Börse in Schanghai, die nur leicht im Minus eröffnete.

Alarmstimmung in Asiens Chefetagen

In den Regierungen herrscht deshalb Alarmstimmung. Denn die Ausschläge an den Finanzmärkten könnten erst der Anfang sein. Südkoreas Finanzminister Choi Sang Mok warnte am Donnerstagmorgen davor, dass «die hohe Volatilität an den globalen Finanzmärkten aufgrund der von der Regierung der USA verhängten Gegenzölle vorerst anhalten wird». Er versprach daher Stützungsmassnahmen für den Fall hoher Ausschläge.

Die Stärke der Ausschläge hängt von der Exportabhängigkeit der einzelnen Länder und ihrer jeweiligen Unternehmen ab. Eines der Länder mit der grössten Abhängigkeit von den USA sei Japan, sagt der in Japan lebende Ökonom Jesper Koll, Expert Director der japanischen Finanzgruppe Monex. Das Land ist seit Jahrzehnten der grösste Investor in den USA. 18 Prozent der Gewinne börsennotierter japanischer Unternehmen stammten allein von dem Verbündeten, rechnet Koll vor. Allein durch die Zölle würden die Gewinne der Japan AG im Schnitt um 8 bis 10 Prozent sinken.

Hinzu kämen negative Rückkopplungen wie eine mögliche Rezession. Und jeder Prozentpunkt weniger Wachstum würde die Gewinne um weitere 8 bis 10 Prozent schmälern. Sein Fazit: «In Japan ist mit einem Gewinnrückgang von 10 bis 20 Prozent zu rechnen.»

Warum Trump gegen Asiens Schwellenländer vorgeht

Besonders gross wird der Schaden auch in den Ländern sein, die vom Handelskrieg gegen China in Trumps erster Amtszeit profitiert haben. Viele Unternehmen haben Fabriken und Warenströme in andere Länder Süd- und vor allem Südostasiens verlagert.

Die grosse Frage ist nun, wie die asiatischen Länder auf Trumps Zölle reagieren werden. Kurzfristig werden die stärksten Reaktionen von der EU und von China erwartet, da sie die grössten Märkte sind.

Aus den anderen asiatischen Ländern ist kaum offener Widerstand zu erwarten. Zum einen sind die Volkswirtschaften jeweils zu klein. Zum anderen sind führende Volkswirtschaften wie Japan und Südkorea auf den militärischen Schutz der USA angewiesen.

Für Japan prognostiziert Koll daher, dass Regierung und Unternehmen die «Sumo-Ringer-Taktik» anwenden werden. «Sie werden den Schlag einstecken und versuchen, weiter nach vorne zu drängen.» Denn die Regierung könne nicht viel tun. So sei nicht einmal klar, ob und in welchem Umfang die Zölle verhandelbar seien.

Eine konzertierte Gegenreaktion mit anderen Ländern hält er wegen der sicherheitspolitischen Abhängigkeit von den USA für äusserst unwahrscheinlich. Er erwartet daher, dass die japanische Regierung die Reaktionen der EU und Chinas abwarten und dann über eigene Schritte entscheiden wird.

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