Am Freitag präsentierte Holcim auf dem Investorentag die Ziele für die Zeit nach der Abspaltung des Nordamerikageschäfts. CEO Miljan Gutovic bleibt seiner Strategie treu – setzt jedoch neue Akzente.

Holcim hat am Investorentag die Strategie für die Zeit nach der Abspaltung des Nordamerikageschäfts konkretisiert. Im Zentrum steht neu die Wachstumsstrategie «NextGen Growth 2030», mit der Holcim nachhaltig Wert für die Aktionärinnen und Aktionäre schaffen will. Der Markt reagierte verhalten positiv, die Aktien bleiben unter dem Mehrjahreshoch von rund 102 Fr.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

Themarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Holcim strebt bis 2030 ein jährliches Umsatzwachstum von 3 bis 5% und ein Ebit-Wachstum von 6 bis 10% an – jeweils in Lokalwährungen und ohne grössere Akquisitionen (>200 Mio. Fr.). Bereits im Vorjahr lagen die Ziele bei einem Umsatzwachstum von 4% und einem Ebit-Wachstum von 6% (in Franken gerechnet).

Die neue Guidance ist ambitioniert, aber nicht überraschend: Positiv zu werten ist die höhere Ebit-Zielspanne sowie ein über den Erwartungen liegendes Free-Cashflow-Ziel (Cashflow-Konversionsrate von 50%).

«Die neuen Ziele sind nicht revolutionär», sagt Marc Strub, Fondsmanager bei der Privatbank Reichmuth & Co. Die Umstellung auf Lokalwährungen gebe zwar etwas mehr Spielraum, erschwere aber die Vergleichbarkeit. Martin Hüsler, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank ZKB, beurteilt den Schritt in Sachen Währungen hingegen als pragmatisch: Währungseinflüsse seien nicht steuerbar, weshalb der neue Ansatz realistisch sei.

Nachhaltigkeit bleibt zentraler Wachstumstreiber

Die Finanzierung der Wachstumsstrategie erachtet Holcim als gesichert. Zwischen 2024 und 2030 sollen 18 bis 22 Mrd. Fr. für die Kapitalallokation zur Verfügung stehen: 4 bis 5 Mrd. Fr. für Investitionen, 3 bis 4 Mrd. Fr. für kleinere Akquisitionen, 7 Mrd. Fr. für Dividenden (Ausschüttungsquote: 50%) und 4 bis 6 Mrd. Fr. überschüssiges Kapital für strategische Akquisitionen oder Aktienrückkäufe. Rund 15 Mrd. Fr. sollen laut Hüsler aus dem Free Cashflow stammen, der Rest aus Devestitionen und einer erhöhten Verschuldungskapazität.

Ein zentraler Wachstumstreiber bleibt das Thema Nachhaltigkeit. Holcim will das Angebot an umweltfreundlichen Produkten weiter ausbauen und bis 2030 über 20 Mio. Tonnen Abbruchmaterial wiederverwerten. Analyst Mark Diethelm von der Bank Vontobel sieht darin Potenzial für höhere Margen: «Nachhaltiger Zement ist preislich attraktiver. Der Margeneffekt kommt durch den verbesserten Produktemix, aber auch über eine bessere Kapazitätsauslastung in Europa.»

Neue Segmentstruktur bringt Transparenz

Eine wesentliche Neuerung ist die Segmentstruktur: Künftig wird zwischen Building Materials (bisher: Zement und Zuschlagstoffe) und Building Solutions (bisher: Transportbeton und Solutions & Products) unterschieden. Letzteres soll bis 2030 rund 50% des Konzernumsatzes ausmachen (bisher: 37%) und steht im Mittelpunkt des organischen und anorganischen Wachstums.

Analyst Hüsler bewertet die Neugliederung als Schritt zu mehr Transparenz und strategischer Schärfung. Auch bei Akquisitionen habe Building Solutions Priorität, da es Synergien, Preisvorteile und Digitalisierungspotenzial biete. Gleichzeitig betont er, dass das genaue Berichtsformat noch offen sei, und die regionale Aufstellung bleibe zentral.

Regional setzt Holcim klare Schwerpunkte und sieht unterschiedliche Potenziale:

  • Lateinamerika bleibt ein wichtiger Wachstumsmarkt. Holcim plant eine Verdoppelung des Disensa-Franchise-Netzes von rund 2000 auf 5000 Shops bis 2030. Urbanisierung, Bevölkerungswachstum und 26 Mio. fehlende Wohneinheiten treiben die Nachfrage.
  • AMEA (Asien, Naher Osten und Afrika): Hier profitiert Holcim vom städtischen Bevölkerungswachstum (+3,3% jährlich bis 2035), von Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 130 Mrd. $ in Australien sowie vom grossen Wohnungsbedarf in Nordafrika. Nordafrika fungiert zudem als Exportdrehscheibe für CO2-reduzierte Baustoffe.
  • Europa: Mit über 100 Mrd. € nachhaltigen Investitionen pro Jahr, 9,6 Mio. fehlenden Wohneinheiten und einem Sanierungsbedarf von 250 Mrd. € bietet Europa enormes Potenzial. Holcim setzt auf Dekarbonisierung, regulatorische Chancen und strategische Zukäufe.

Mehr strategische Klarheit

Die Ausführungen von Holcim-CEO Miljan Gutovic brachten am Freitag wenig Neues, aber strategische Klarheit. Die Fokussierung auf Building Solutions wurde deutlich hervorgehoben. Die neue Segmentstruktur sorgt zudem für mehr Transparenz und unterstreicht die Bedeutung dieses profitablen Bereichs.

Im Webcast betonte Gutovic zudem, dass Südamerika künftig eine noch wichtigere Rolle spielen soll – unter anderem aufgrund des attraktiven Margenprofils von über 30%. Die Region erhält damit die Aufmerksamkeit, die sie laut dem CEO verdient.

«Sollte der Wiederaufbau in der Ukraine und die Konjunkturerholung in Deutschland einsetzen, dürfte Holcim eher das obere Ende der Guidance erreichen», argumentiert zudem Martin Hüsler.

The Market sieht – wie bereits nach den Jahreszahlen – weiterhin positives Überraschungspotenzial und hält an seiner Kaufempfehlung für die Holcim-Aktien fest.

Exit mobile version