Das Konjunktur- und Börsenumfeld kühlt sich ab, das Narrativ des «US Exceptionalism» überzeugt nicht mehr – und nun ziehen die USA die Zollschranken hoch. Das ist gefährlich, sind doch viele Anleger unüblich stark in US-Aktien exponiert.
US-Präsident Donald Trump sorgt für Nervosität an den Märkten. Er schwingt die Zollkeule, hegt Annexionsfantasien und stösst historisch freundschaftlich verbundene Länder ohne Grund vor den Kopf. Nicht immer ist ein Plan hinter den Verlautbarungen der US-Regierung erkennbar, was zusätzliche Verunsicherung schürt.
Bereits haben die Trump’schen Massnahmen Spuren bei den Marktteilnehmern hinterlassen. So schätzen die Amerikaner die Aussichten für den Arbeitsmarkt deutlich pessimistischer ein als noch vor kurzem, das Konsumentenvertrauen hat abgenommen und viele von ihnen rechnen mit einer wieder spürbar anziehenden Inflation. Umfragen unter CEO und CFO durch das «Chief Executive Magazine» zeigen, dass auch die Zuversicht unter Wirtschaftsführern in den vergangenen Monaten stark gelitten hat.
Die Schätzung des GDPNow-Modells der Distriktnotenbank Atlanta prognostiziert derzeit ein reales US-Wachstum von –3,7% für das erste Quartal. Auch korrigiert um die ungewöhnlich hohen Goldimporte resultiert eine um 1,4% schrumpfende Wirtschaftsleistung. Darin sind die negativen Effekte der gestrigen Zollankündigungen noch nicht berücksichtigt.
Kurzum: Die Gefahr einer Stagflation – Inflation bei stagnierender Wirtschaft – ist zurück. Das ist eine bemerkenswerte Eintrübung nach der anfänglichen Euphorie unmittelbar nach der Wahl Donald Trumps.
Aktien machen Grossteil des Vermögens aus
Für die Aktienmärkte sind das wenig erbauliche Aussichten, weshalb auch nach der jüngsten Korrektur eine längere Durststrecke drohen könnte. Zumal Aktien nach Jahren des Aufwärtstrends einen rekordhohen Anteil am Finanzvermögen der Amerikaner ausmachen. Gemäss Zahlen der US-Notenbank stellen Dividendenwerte mittlerweile 43,5% ihres gesamten Finanzvermögens. Das ist mehr als im Höhepunkt der Technologieblase zur Jahrtausendwende.
Gleichzeitig machen US-Valoren mittlerweile rund zwei Drittel der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung aus. Im beliebten MSCI World, der die wichtigsten Industrieländer umfasst, erreichen US-Valoren einen Anteil von nahezu 70%. Nur folgerichtig, dass auch der Anteil an US-Aktien, der sich in ausländischer Hand befindet, im Herbst 2024 einen neuen Rekordwert von fast 18% erklommen hat.
Was, wenn der Wind dreht?
Diese extrem einseitige Positionierung stellt in Kombination mit der verheerenden Wirtschaftspolitik von Donald Trump und stolzen Bewertungen eine Gefahr dar. Dreht das Sentiment nachhaltig, könnte eine strukturelle Abkehr aus den USA in Richtung Europa und Schwellenländer einsetzen – insbesondere dann, wenn auch der Dollar seinen Höhenflug beendet.
Bei den Zu- und Abflüssen in ETF lassen sich jedenfalls erste Anzeichen eines Favoritenwechsels erkennen. Einen Vorgeschmack lieferte das erste Quartal, in denen der Euro Stoxx 50 in Franken um 9% zulegte, während der US-Leitindex S&P 500 7,3% eingebüsst hat.
Die Wahrscheinlichkeit ist klar gestiegen, dass die lange Phase der US-Outperformance zu Ende ist.