Die Schauspieler, die im geplanten Blockbuster die Beatles spielen, stehen fest. Fragt sich, ob nicht einer von ihnen auch der neue James Bond wird. Denn die Berührungspunkte zwischen den Pop-Kultur-Phänomenen sind verrückt.

Die Beatles bekommen einen Film. Genaugenommen nicht einen, sondern gleich vier abendfüllende Produktionen sind es, die der Regisseur Sam Mendes in Aussicht stellt. Wennschon, dennschon. Ein bisschen wie «Avatar», aber mit Pilzköpfen.

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Die Idee ist: ein Film pro Beatle. Die Geschichte der Band soll aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Musiker erzählt werden. Was garantiert ein gutes Geschäftsmodell ist: Der Zuschauer muss vier Tickets kaufen, um ein vollständiges Bild zu erhalten. «The Beatles – A Four-Film Cinematic Event», so nennt sich das Quadrupel, das 2028 veröffentlicht werden soll.

Filme über Musiker sind im Trend. Neulich das Bob-Dylan-Biopic, davor Bob Marley. Dann die Sache mit Robbie Williams als Affe, es gab Elvis, es gab Elton John, Queen . . . Musikerfilme ohne Ende. Es muss einen nicht verwundern.

Das Filmgeschäft versteht sich seit Jahren ja primär noch als eine Kreislaufwirtschaft. Was halbwegs im Saft steht, wird ausgepresst. Das gilt für Comic-Helden genauso wie für Massenmörder oder Mädchenspielzeug. Das Kino ist ein dreister Trittbrettfahrer, der sich aufschwingt, wenn’s einmal läuft. Und dann nicht mehr loslässt.

Bond kann nur ein Cis-Mann sein

Mit bestem Beispiel voran geht seit über 60 Jahren James Bond. Nachdem die Marke den Besitzer gewechselt hat, vom Familienunternehmen zur Grossmacht Amazon, ist abzusehen, dass viel Arbeit auf den Agenten zukommt. Über eine Milliarde US-Dollar liess sich Jeff Bezos’ Onlineversandhaus die kreative Kontrolle kosten. Bond wird schuften müssen, um sein Geld einzuspielen.

Fehlt nur der Schauspieler. Noch immer ist Daniel Craigs Nachfolge vakant. Dass sich Bezos auf keine identitätspolitischen Abenteuer einlassen wird, davon ist auszugehen; schliesslich trimmt der Milliardär auch gerade seine «Washington Post» auf einen Anti-woke-Kurs. Also eher keine Frau und nicht jemand Genderfluides. Infrage kommt ein britischer oder irischer Cis-Mann, der einigermassen unbefleckt ist. Denn ein Bond darf nicht zu viel Ballast aus einem früheren Schauspielerleben mitbringen.

Denkt man an Männer im Bond-fähigen Alter, sind folgende Namen nicht abwegig: Paul Mescal aus «Gladiator 2»; Barry Keoghan, der in «Saltburn» und «Bird» brillierte; Harris Dickinson, herausragend als sexpositiver Volontär in «Babygirl»; schliesslich Joseph Quinn, bekannt aus «Stranger Things». Vier junge Männer, die in der Branche als «hot» gelten, aber noch keine Superstars sind.

Betonung auf «noch». Denn bei den vieren handelt es sich um jene Schauspieler, die für die Beatles-Filme besetzt wurden. Mescal bekommt McCartney, Keoghan kriegt Ringo, Dickinson verkörpert John Lennon, und Quinn ist George Harrison. Das Casting ist ein Coup. Auch wer nicht für die Beatles brennt, erwärmt sich garantiert für die Darsteller.

Sie sind mit das Beste, was die Britischen Inseln schauspielerisch zu bieten haben. Ist nicht einer von ihnen prädestiniert, auch die Pendenz bei 007 zu erledigen? Ja, wer von den Beatles wird Bond?

Die Frage stellt sich nicht zuletzt, weil es Koinzidenzen zwischen den beiden Pop-Kultur-Phänomenen gibt. Angefangen mit einem verrückten «fun fact»: Am 5. Oktober 1962 erschien die erste Beatles-Single «Love Me Do», und am gleichen Tag feierte auch der erste Bond-Film, «Dr No», seine Premiere.

Berührungspunkte gab es ausserdem, als Paul McCartney mit seiner Band Wings den Bond-Song «Live and Let Die» beisteuerte. Oder Ringo Starr heiratete ein Bond-Girl, die amerikanische Schauspielerin Barbara Bach aus «The Spy Who Loved Me». Schliesslich geht die Synchronizität bis in die Gegenwart: Der «Beatles»-Regisseur in spe, Sam Mendes, inszenierte mit «Skyfall» den erfolgreichsten Bond-Film von allen.

Wird’s der Softie?

Wäre es also nicht konsequent, wenn man sich einen Schauspieler teilen würde? Über Paul Mescal kursieren länger schon Bond-Gerüchte. Vordergründig ein Softie, doch in «Gladiator 2» sammelte er Punkte als Kraftwürfel. Nur fehlt ihm das Verschmitzte, Abgebrühte, das den Agenten charakterisiert. Ein Barry-Keoghan-Bond wäre betont «working class». Als schlecht tätowierte Strassenkatze mit grobem Dublin-Akzent gäbe er der Figur einen speziellen Spin; er ist aber gewöhnungsbedürftig.

Gegen Joseph Quinn, den noch Unbekanntesten aus dem Quartett, spricht sein «boy shine», er wirkt zu bübisch. Harris Dickinson dagegen ist höchst qualifiziert: Er sieht smart aus im Anzug und hat Erfolg bei den Frauen in jedem Alter. Mit 28 Jahren ist er zwar noch sehr jung, doch George Lazenby war auch erst 29, als er «On Her Majesty’s Secret Service» (1969) drehte. Dickinson bringt beste Voraussetzungen mit.

Ein Handicap für ihn, aber auch für seine Kollegen könnte höchstens sein, dass sie durch die «Beatles»-Filme zu berühmt werden. Und so schlüssig eine Vermählung der beiden Marken scheint, die Beziehung ist nicht unkompliziert: In «Goldfinger» gibt es eine Szene, in der Sean Connery die obligate Blondine in seinem Schlafzimmer bewirtet und plötzlich feststellt, dass ihr Champagner zu warm ist.

«My dear girl», setzt er an. Zu den Dingen, die man nie tun sollte, gehöre es, einen Dom Pérignon 53 mit einer Temperatur über 3 Grad Celsius zu trinken. Dies, sagt der distinguierte Brite, sei «genauso schlimm, wie Beatles ohne Ohropax zu hören».

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