Ausländer begehen deutlich mehr Straftaten als Inländer. Doch immer wieder beschönigen der Staat und staatsnahe Organisationen das Problem. Ihre Erklärungen halten einer Überprüfung kaum stand.

Dass Ausländer krimineller sind als Deutsche, galt lange als unverzeihliches Vorurteil. Wer darauf hinwies, musste sich auf harte Kritik gefasst machen. Schnell war die Rede von Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit.

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Mittlerweile sind Menschen ohne deutschen Pass bei den Straftaten in Deutschland aber so deutlich überrepräsentiert, dass sich das Problem nicht mehr leugnen lässt. Obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur rund 17 Prozent beträgt, wurden Ausländer bei fast 42 Prozent der Straftaten in Deutschland als Tatverdächtige registriert. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2024 hervor, die das Innenministerium am Mittwoch veröffentlicht hat.

Doch noch immer äussern sich manche Medien, mit Steuergeld unterstütze Organisationen und sogar das Bundeskriminalamt (BKA) auf merkwürdige Art und Weise über Ausländerkriminalität. Sie können das Phänomen nicht mehr ignorieren, aber sie scheinen einen Hang zur Relativierung an den Tag zu legen.

Beispiel BKA: Es hat eine recht triviale Begründung dafür, dass Ausländer den Sicherheitsbehörden in Deutschland stark zu schaffen machen. Nämlich, dass immer mehr nach Deutschland einwandern. Die Gleichung des BKA ist simpel: mehr Ausländer, also auch mehr Straftaten von Ausländern.

Doch so einfach ist es nicht. Denn damit lässt sich der Anstieg kaum erklären. Im Jahr 2023 waren in Deutschland rund 13,9 Millionen Ausländer registriert, 2024 waren es rund 14,1 Millionen. Das ist allenfalls ein leichtes Plus von 1,4 Prozent. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen bei Gewaltverbrechen stieg im selben Zeitraum aber um 7,5 Prozent, also deutlich stärker.

Asylmigranten besonders oft straffällig

Besonders oft werden Asylmigranten straffällig. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen lag im Jahr 2024 bei rund 18 Prozent, obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur etwa 4 Prozent beträgt. Auch hier scheint das BKA Schwierigkeiten zu haben, das Problem klar beim Namen zu nennen. Es bezeichnet Menschen im Asylsystem nämlich als «Zuwanderer» oder «Schutzsuchende».

Doch wer von «Schutzsuchenden» spricht, beschreibt die Realität nur unzureichend. Asylmigranten kommen aus verschiedenen Gründen nach Deutschland und passieren dabei zunächst andere Staaten, in denen sie ebenfalls Schutz finden könnten. In Deutschland suchen sie letztlich keinen Schutz, sondern ein besseres Leben.

Der Begriff impliziert eine gewisse moralische Verpflichtung, die oft nicht gegeben ist. Er ist also problematisch. Ganz besonders für eine Behörde, die weltanschaulich neutral sein sollte.

Auch der Begriff «Zuwanderer» in der Kriminalstatistik ist irreführend. Damit sind nämlich in der Statistik ausschliesslich Menschen im Asylsystem gemeint. Landläufig versteht man unter einem Zuwanderer aber zum Beispiel auch einen IT-Spezialisten aus Indien, der legal eingereist ist. So entsteht der Eindruck, dass der Staat die Dinge nicht beim Namen nennen will.

Negativpreis für Journalisten

Das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit in der Kommunikation des BKA. Eine weitere ist etwa, wie es die steigende Ausländerkriminalität begründet. Es führt zum Beispiel die «Lebenssituation in Erstaufnahmeeinrichtungen» an sowie «wirtschaftliche Unsicherheit». Dieser Ton zieht sich seit Jahren durch die Publikationen des BKA zu dem Thema. Es klingt manchmal fast so, als ob die Aufnahmegesellschaft eine Mitverantwortung tragen würde, wenn Ausländer straffällig werden.

Doch gerade für Deutschland ist das reichlich übertrieben. In der Tat sind die Zustände in den Erstaufnahmeeinrichtungen verbesserungswürdig. Doch kaum ein Land zahlt Asylmigranten so hohe Sozialleistungen, kommt für die Unterkunft auf und stellt eine umfassende Gesundheitsversorgung sicher.

Nicht bloss das BKA scheint eine Neigung zu haben, die Kriminalität von Ausländern zu relativieren, sondern auch vom Staat finanziell unterstützte Organisationen.

Ein drastisches Beispiel ist der Verein «Neue deutsche Medienmacher*innen», der im Jahr 2020 der Redaktion von «Spiegel TV» einen Negativpreis verlieh. Die Kritik an der Redaktion? Sie hatte ausführlich über die Verbrechen arabischer Clans in deutschen Grossstädten berichtet. Der Verein bezeichnete die Arbeit der Journalisten als «stigmatisierend und rassistisch».

Der Mediendienst Integration hat sich ebenfalls dem Thema verschrieben und bietet dazu ein Dossier an. Darin heisst es, Ausländer seien auch deshalb häufiger in der Kriminalstatistik vertreten, weil sie häufiger angezeigt würden.

Die Mär von den «australischen Austauschstudenten»

Die Annahme fusst darauf, dass die Kriminalstatistik lediglich Tatverdächtige ausweist und impliziert, dass Deutsche wegen Ausländern häufiger die Polizei rufen. Sie suggeriert also letztlich Rassismus. Natürlich kann ein Tatverdächtiger unschuldig sein oder vor Gericht freigesprochen werden. Ein Blick in die deutsche Statistik der gerichtlich Verurteilten zeigt jedoch, dass Ausländer dort ebenfalls überrepräsentiert sind.

Im Jahr 2023 hatten rund 39 Prozent der Verurteilten keinen deutschen Pass – ein neuer Höchststand. Eine Auswertung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2021 zeigte sogar, dass bei Mord oder Totschlag etwa 45 Prozent der verurteilten Täter Ausländer waren.

Medien neigen schon länger dazu, das Problem zu relativieren. Ein Moderator tat dies kürzlich besonders plump, und das zur besten Sendezeit. Es war in der WDR-Talkshow «Hart, aber fair». Die Rede kam auf das Thema Gruppenvergewaltigungen, da wagte sich der Gastgeber Louis Klamroth weit raus aufs Eis. Er sagte: «Das können Flüchtlinge sein, das können [sic] aber auch ein australischer Austauschstudent sein.»

Der WDR musste sich wenig später öffentlich von dieser Aussage distanzieren. Die Gruppenvergewaltigungen werden in der Regel von Deutschen oder von Ausländern aus dem Nahen und Mittleren Osten begangen. Australische Austauschstudenten haben damit nichts zu tun.

In einem ruhigen Moment und mit etwas Bedenkzeit hätte Klamroth diesen Satz wohl anders formuliert. Seine Worte zeigen aber, dass der Hang zur Relativierung auf diesem Feld kaum Grenzen kennt. Das Ablenkungsmanöver des Moderators steht exemplarisch für den Diskurs über kriminelle Ausländer in Deutschland. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier bewusst verschleiert wird. Womöglich auch gelogen.

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