Montag, Februar 16

Nach einem tödlichen Angriff auf einen Fahrkartenkontrolleur in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz hat die Deutsche Bahn eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die die Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen in ganz Deutschland verbessern sollen.

Auf einem hochrangigen Gipfel zur Bahnsicherheit kamen letzte Woche wichtige Akteure aus Politik, Bahnindustrie und Strafverfolgungsbehörden zusammen, bei dem Beamte Pläne für einen besseren Schutz von Transportpersonal und Fahrgästen ausarbeiteten.

Die Sitzung wurde nach dem Tod des 36-jährigen Zugbegleiters Serkan Çalar einberufen, der Anfang des Monats bei einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpresszug in Rheinland-Pfalz tödlich angegriffen wurde.

Der Mord erschütterte Deutschland und löste bei Passagieren und Bahnmitarbeitern die Frage aus, wie sicher die Züge und Bahnhöfe des Landes sind.

Diese Frage ist umso dringlicher geworden, nachdem neue Zahlen veröffentlicht wurden, die das Ausmaß der Gewaltverbrechen im gesamten deutschen Eisenbahnnetz verdeutlichen.

Was wurde beim Bahnsicherheitsgipfel beschlossen?

Der Sicherheitsgipfel, der am Freitag in Berlin stattfand, brachte Vertreter der Bundesregierung, der Länder, der Deutschen Bahn, der Bundespolizei, der Gewerkschaften und der Verkehrsträger zusammen.

Nach dem Treffen kündigte die Deutsche Bahn ein Maßnahmenpaket an, das sie als Schritt zur Kriminalitätsprävention und schnelleren Reaktion bei Eskalationen bezeichnete.

Ein zentrales Element des Plans ist der erweiterte Einsatz von Körperkameras.

Künftig sollen allen Mitarbeitern der Deutschen Bahn, die in Zügen und an Bahnhöfen Kundenkontakt haben, auf freiwilliger Basis Körperkameras angeboten werden. Dies gilt auch für das Personal im Fernverkehr, bei dem bisher keine Bodycams zum Einsatz kamen.

Patrick Schnieder (CDU, right), Federal Minister of Transport, and Evelyn Palla, CEO of Deutsche Bahn AG, speak following the security summit at Deutsche Bahn. Photo: picture alliance/dpa | Carsten Koall

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Außerdem soll ein modernisierter Notrufknopf eingeführt werden, der es dem Zugpersonal ermöglicht, die Leitstellen diskret zu alarmieren, wenn sie sich in einer Gefahrensituation befinden.

Die Deutsche Bahn kündigte außerdem Pläne an, 200 zusätzliche Mitarbeiter für ihren hauseigenen Sicherheitsdienst DB Security einzustellen und die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeiter zu verbessern.

Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Fahrkartenkontrollen. Ab dem 1. März entfällt für Zugbegleiter im Regionalverkehr die verpflichtende Ausweiskontrolle. Stattdessen können die Mitarbeiter nach eigenem Ermessen entscheiden, ob die Anforderung eines Ausweises angemessen ist. Dadurch sollen Situationen mit einem hohen Eskalationsrisiko reduziert werden.

Darüber hinaus werden die Mitarbeiter verstärkt in Verhaltens- und Deeskalationstechniken geschult, während die Deutsche Bahn und die Bundespolizei in regionalen Workshops mit Schwerpunkt auf Problemfeldern die Entwicklung maßgeschneiderter Sicherheitskonzepte planen.

Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) fügte hinzu, dass die Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen ausgebaut werde und die Fahrkartenkontrollen, wo immer möglich, durch Zweierteams durchgeführt würden.

Wie verbreitet ist Gewalt auf Deutschlands Bahnen?

Diese Maßnahmen erfolgen vor dem Hintergrund eines anhaltend hohen Ausmaßes an Gewalt. Nach Angaben der Deutschen Bahn kam es im Jahr 2025 konzernweit zu 3.262 tätlichen Übergriffen auf ihre Mitarbeiter.

Obwohl dies im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang war, bleibt der längerfristige Trend besorgniserregend. Im letzten Jahrzehnt sind die Übergriffe auf DB-Mitarbeiter um 37 Prozent gestiegen, von 2.374 Fällen im Jahr 2016.

Auch Polizisten sind zunehmend betroffen. Bundespolizeistatistik zufolge wurden Beamte im Jahr 2025 bundesweit fast 5.700 Mal Opfer von Gewaltverbrechen in Zügen und Bahnhöfen, im Jahr zuvor waren es noch rund 5.500 Vorfälle.

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Darüber hinaus wurden am Sonntag erstmals Zahlen gemeldet Bild am Sonntag hat deutlich gemacht, wie gefährlich einige Stationen geworden sind. Im Jahr 2025 wurden bundesweit mehr als 980 Messerdelikte und rund 2.200 Sexualdelikte an Bahnhöfen und in Zügen registriert.

Der Leipziger Hauptbahnhof erwies sich mit rund 860 registrierten Gewaltdelikten im Jahresverlauf als gewalttätigster Bahnhof des Landes. Es folgten Dortmund Hauptbahnhof mit 735 Fällen, Berlin mit 654, Köln mit 648 und Hannover mit 612.

Bemerkenswert ist, dass Leipzig im Vorjahr nicht zu den fünf gefährlichsten Bahnhöfen gehörte, was zeigt, wie schnell sich die Lage an einzelnen Standorten ändern kann.

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