Dienstag, Januar 20

Per Helikopter und zu Fuss hat sich Donald Trump die Zerstörung in den abgebrannten Vierteln der Pacific Palisades angesehen. Er sicherte Kalifornien «jegliche Hilfe» zu – aber will diese womöglich an Auflagen knüpfen.

Auf der ersten Dienstreise seiner zweiten Amtszeit hat Präsident Donald Trump am Freitag einige der abgebrannten Gebiete von Los Angeles County besucht. Während seines etwa dreistündigen Aufenthaltes in Kalifornien liess er sich, begleitet von seiner Frau Melania, vom Helikopter und dem Auto aus die Pacific Palisades zeigen und sprach mit Anwohnern und Feuerwehrleuten. Die wohlhabende Wohngegend im Norden war vor zwei Wochen von schweren Bränden weitläufig zerstört worden. «Es sieht aus, als sei man von einer Bombe getroffen worden», lautete sein erstes Urteil. Kalifornien werde viel Hilfe aus Washington benötigen.

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Bei einem Treffen im Anschluss mit kalifornischen Kongressabgeordneten und der Bürgermeisterin von Los Angeles, Karen Bass, dankte Trump der Feuerwehr für ihre Arbeit. Er zeigte sich beeindruckt vom Ausmass der Zerstörung, «es ist eine Einäscherung». Er sagte Kalifornien «jegliche benötigte Hilfe» zu und versprach regulatorische Auflagen für den Wiederaufbau wegfallen zu lassen.

Versöhnliche Worte zwischen Trump und dem kalifornischen Gouverneur

Trumps Besuch warf auch ein Schlaglicht auf die Beziehung zwischen ihm und dem demokratischen Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom. Die Feuer in Südkalifornien hatten die jahrelange Fehde zwischen den beiden aufleben lassen: Trump hatte Newsom nach dem Ausbruch der Brände «enorme Inkompetenz» vorgeworfen und ihm den Spitznamen «Newscum» gegeben; in Anlehnung an das englische Wort für Abschaum. Newsom bezeichnete das als Kinderei, hielt sich aber insgesamt mit seiner Kritik an Trump zurück – wohl auch, da Los Angeles für seinen Wiederaufbau auf eine gute Zusammenarbeit zwischen gliedstaatlichen und bundesstaatlichen Beamten angewiesen ist.

Am Freitag gaben die beiden sich versöhnlich. «Danke, dass Sie gekommen sind, das bedeutet uns wirklich viel», sagte Newsom, als er den Präsidenten am Flughafen empfing. Der wiederum freute sich sichtbar über die persönliche Begrüssung und sicherte auf die Nachfrage eines Reporters zu, dass man nun zusammenarbeiten werde.

Trump will Hilfsgelder an Bedingungen knüpfen

Das klang wesentlich versöhnlicher als noch am Morgen: Kurz vor seiner Abreise hatte Trump überraschend angekündigt, die Hilfsgelder für Kalifornien an Auflagen zu binden. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der USA, das Katastrophenhilfe aus der Hauptstadt an politische Bedingungen geknüpft wäre.

Der Gliedstaat müsse, erstens, strenger die Ausweise von Wählern bei der Stimmabgabe kontrollieren. Zweitens müsste Kalifornien zusichern, mehr Wasser «freizugeben». «Ich finde, wir sollten Kalifornien gar nichts geben, bis sie nicht das Wasser frei fliessen lassen», hatte Trump in einem Interview mit dem «Fox»-Moderator Sean Hannity gesagt. Die schweren Brände seien dadurch entstanden, dass man Südkalifornien Wasser aus dem Norden vorenthalten habe, um eine seltene Fischart zu schützen. Den Vorwurf wiederholte der Präsident erneut am Freitag.

Tatsächlich vermischt Trump hier zwei Probleme: Kalifornien pumpt durchaus Wasser aus dem regenreicheren Norden in den eher trockenen Süden, etwa um Landwirten bei der Bewässerung ihrer Felder zu helfen. Diese Wasserumleitung wird temporär ausgesetzt, wenn vom Aussterben bedrohte Fischarten – darunter der «Delta smelt» – migrieren; bisweilen wird dann für Landwirte vorgesehenes Wasser einfach ins Meer gespült.

Diese Umverteilungen sind jedoch völlig unabhängig von dem Wasser, das für Löscharbeiten reserviert ist. Die Wasservorräte dafür waren vor dem Ausbruch der jüngsten Brände prall gefüllt. Gouverneur Newsom verwies in den vergangenen Tagen wiederholt darauf hin, dass es keinen Wassermangel in Südkalifornien gebe, und teilte dies belegende Grafiken in sozialen Netzwerken.

Vielmehr war das Problem, dass ein wichtiges Reservat in den Pacific Palisades gerade für Reparaturarbeiten trocken gelegt worden war, als die Feuer dort ausbrachen. Newsom hat eine Untersuchung dazu eingeleitet. Zudem setzten sehr heftige Winde den Feuerwehrleuten zu: Löschflugzeuge konnten nicht fliegen, und Glut flog kilometerweit. Beides hat aber nichts mit falschem Wassermanagement zu tun.

Auf Feuer könnten Erdrutsche folgen

Derweil wurde Südkalifornien nun die dritte Woche in Folge von Bränden heimgesucht. Am Mittwoch und Donnerstag waren in Bel-Air und Santa Clarita, beides nördlich von Los Angeles gelegen, neue Feuer ausgebrochen. Zehntausende Anwohner mussten evakuiert werden und grosse Gebiete fielen den Flammen zum Opfer, angepeitscht von starken Windböen. Diesmal jedoch konnten die Löschflugzeuge und -helikopter fliegen und aus der Luft Wasser und flammenhemmende Materialien verteilten.

Auch bei den vor zwei Wochen ausgebrochenen Feuern haben die Einsatzkräfte nun Fortschritte bei den Löscharbeiten gemacht: Das Paradise Fire war am Freitag zu 77 Prozent eingedämmt, das Eaton Fire zu 95 Prozent. Inzwischen ist auch das Ausmass der Zerstörung klarer: Mehr als 15 000 Gebäude wurden zerstört, und mindestens 28 Menschen wurden getötet. Dutzende Personen werden noch vermisst. Den gesamten wirtschaftlichen Schaden schätzen Experten auf etwa 250 Milliarden Dollar.

Für das Wochenende ist endlich etwas Regen für Los Angeles angekündigt, der erste Niederschlag seit vergangenem April. Doch die Behörden befürchten, dass das in den abgebrannten Gebieten Erdrutsche auslösen könnte. «Bereits die kleinste Menge an Niederschlag macht uns Sorgen», teilte Lisa Derderian mit, eine Sprecherin für die Stadt Pasadena. Dort sowie im benachbarten Altadena hätten die Flammen bis 60 Zentimeter ins Erdreich hinein das Wurzelsystem zerstört, das den Erdboden zusammenhielt.

Der Feuerwehr hat begonnen, Sandsäcke an diejenigen Anwohner zu verteilen, die überhaupt noch Häuser haben. Die verbrannten Gebiete seien sehr anfällig für Überschwemmungen, sagte David Roth, ein Meteorologe des National Wetterdienstes. «Einige der ersten Regenfälle nach einem Brand können fast so schlimm sein wie der Brand selbst.»

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