Dienstag, Februar 3

ÖPNV-Nutzer in ganz Deutschland müssen sich im nächsten Jahr auf höhere Ticketpreise einstellen. Von Berlin bis Bayern werden die Kosten für Bus und Bahn steigen, davon sind nahezu alle Bundesländer betroffen.

ÖPNV-Nutzer in ganz Deutschland müssen im nächsten Jahr mit steigenden Ticketpreisen rechnen. Die Gründe für diese Steigerungen sind bundesweit auffallend ähnlich: steigende Kosten für Personal, Energie und Infrastruktur sowie die finanziellen Folgeeffekte des beliebten Deutschlandtickets.

Trotz der geplanten Preiserhöhung warnen Experten, dass weiterhin erhebliche Finanzierungslücken sowohl die Leistungserbringung als auch die Klimaziele gefährden.

Wir schlüsseln die Auswirkungen für die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel im ganzen Land auf, werfen einen Blick auf die Gründe für die Preiserhöhungen und bewerten, ob sie ausreichen, um das System zukunftssicher zu machen.

Wo sollen die Fahrpreise steigen?

Berlin and Brandenburg (VBB)

Im größten Verkehrsverbund Deutschlands, dem VBB, steigen die Fahrpreise ab Januar 2026 um durchschnittlich 6 Prozent. Erstmals kostet eine einfache Fahrt im Berliner S-Bahn-Ring 4,00 Euro, ein Plus von 20 Cent.

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North Rhine-Westphalia (VRR)

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) wird die Ticketpreise um knapp 5 Prozent erhöhen, was sich auf die Kosten für die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Städten wie Düsseldorf, Essen und Dortmund auswirkt.

Bremen und Niedersachsen

Der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen wird eine ähnliche Erhöhung umsetzen und die Fahrpreise um 5,1 Prozent erhöhen.

Bayern (München)

In München werden Bus- und Bahnfahrten um rund 4 Prozent teurer.

Die Einzelfahrt in den Mittelzonen M und 1 erhöht sich um 10 Cent auf 4,20 Euro, die Streifenkarte um 90 Cent auf 18,70 Euro.

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Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (MDV)

Einige Regionen haben bereits höhere Preise eingeführt.

Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV), der die Metropolregion Leipzig-Halle abdeckt, erhöhte im August dieses Jahres die Fahrpreise um 5 bis 6 Prozent.

Andere Regionen

In vielen anderen Bundesländern sind Preiserhöhungen noch nicht offiziell angekündigt, werden aber allgemein erwartet.

Die Analyse der Deutschen Presse-Agentur (dpa) legt nahe, dass die Kostensteigerungsdynamik und die Auswirkungen des Deutschlandtickets bundesweit weitere Steigerungen wahrscheinlich machen.

Warum steigen die Preise?

Der Hauptgrund für die Preiserhöhungen sind erhöhte Betriebskosten. Nach Angaben des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) verzeichnen Verkehrsverbünde in ganz Deutschland deutliche Preissteigerungen bei Strom, Kraft- und Schmierstoffen – teilweise bis zu 38 Prozent.

Auch Personalkosten sowie die Notwendigkeit zur Instandhaltung und Modernisierung der Infrastruktur belasten die Budgets.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Deutschlandticket, ein monatliches Abonnement, das unbegrenzte Fahrten im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr in ganz Deutschland ermöglicht.

Im Mai 2023 für 49 Euro pro Monat eingeführt, ist der Ticketpreis bereits auf 58 Euro gestiegen und wird nach einem einstimmigen Beschluss der Verkehrsminister der Länder ab Januar 2026 noch einmal auf 63 Euro steigen.

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Während das Deutschlandticket das Reisen für viele erschwinglicher macht, führt es auch zu Umsatzeinbußen bei den Nahverkehrsunternehmen, da es sich häufig als günstigere Option als regionale Monatskarten erweist.

Bund und Länder haben zugesagt, diese Verluste auszugleichen, doch die Finanzierung und Verteilung der Fördermittel bleibt umstritten.

Investition in die Zukunft?

Trotz der Preiserhöhungen – die sowohl das Deutschlandticket als auch Einzel- und Mehrfahrtentickets in verschiedenen Regionen betreffen – mangelt es nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) noch immer an einer ausreichenden Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland.

Zwar bieten der Ticketverkauf und die „Regionalisierungsfonds“ des Bundes (in Höhe von 11,56 Milliarden Euro im Jahr 2025) eine gewisse Unterstützung, diese reichen jedoch nicht aus, um das System zu modernisieren oder zu erweitern.

Laut einem vom VDV in Auftrag gegebenen Gutachten wären bis 2040 allein für die Aufrechterhaltung des bestehenden Leistungsangebots jährlich zusätzliche 1,44 Milliarden Euro vom Bund nötig.

Um den öffentlichen Nahverkehr – insbesondere im ländlichen Raum – deutlich auszubauen und zu verbessern, wäre mehr als das Doppelte dieses Betrags erforderlich.

Mit Berichterstattung der DPA.

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