Donnerstag, April 3

Wer geht schon gerne in die Apotheke? Einfach so, um sich ein wenig umzuschauen? Dabei gibt es in Europas Städten wahre Schmuckstücke zu entdecken.

Manche Apotheken sind nicht nur zum Medikamenten-Kauf da, sondern auch noch etwas für das Auge. Meist handelt es sich dabei um historische Einrichtungen mit schimmernden alten Holzregalen und nostalgisch beschrifteten Schubladen. Aber es gibt auch ein paar sehenswerte neue Designer-Exemplare.

Die 2011 eröffnete, völlig frei stehende Apotheke liegt nicht direkt im Chaos der über drei Millionen Einwohner zählenden griechischen Hauptstadt, sondern in deren glamourösem Strandvorort Glyfada. Dort passt sie auch hin: Von aussen wirkt das Gebäude wie eine runde Keksdose, die mit einem weissen, mit Blindenschrift perforierten Band umwickelt ist, im makellos weissen Inneren setzt sich die spiralförmige Sprache in einer geschwungenen Rampe fort, die das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss verbindet.

Der Entwurf stammt von KLab Architecture, einem von Konstantinos Labrinopoulos gegründeten Architekturbüro mit Büros in Athen und London. Das multikulturelle Team hoch qualifizierter und motivierter Architekten ist dafür bekannt, einzigartige und faszinierende urbane Ereignisse zu schaffen – die 600 Quadratmeter grosse Apotheke ist ein gelungenes Beispiel dafür.

Die perforierten Metallpaneele der Fassade sind eine Anspielung auf die Verwendung dieses Systems bei pharmazeutischen Verpackungen. Sie sorgen für ein glänzendes Äusseres, das die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zieht, und lassen gleichzeitig Licht ins Innere des Gebäudes. Die Apotheke ist im Grundriss strahlenförmig angeordnet, wobei die Hauptkasse den Mittelpunkt bildet. Von hier aus fächern sich die Warenauslagen auf, die Produkte folgen der zentrifugalen Kraft des Entwurfs und lenken die interne Zirkulation intuitiv in eine Kreisbewegung.

Besonders spektakulär ist die Apotheke übrigens nachts, wenn sie geschlossen ist: Sie funkelt wie ein Schmuckkästchen und verbirgt gekonnt, was sich hinter der glänzenden Fassade befindet.

Leof. Vouliagmenis 85

Wer die Apotheke zum ersten Mal betritt, wird sich staunend umschauen. So viel Pracht in einem Verkaufsraum ist selten, erst recht in einer Apotheke. Der Hintergrund: Früher befand sich hier eine Antikschreinerei mit teilweise denkmalgeschütztem Jugendstildekor. Als die Apothekerin, Homöopathin und Anthroposophin Silvia Briggen die Räume 1989 übernahm, war sie in Zürich bereits bekannt: In den Siebzigerjahren eröffnete sie am Bellevue die erste 24-Stunden-Apotheke der Schweiz. Der Service rund um die Uhr war damals neu und revolutionär.

Der Umzug an die St. Peterstrasse erfolgte nicht ganz freiwillig, sondern weil aufgrund einer familieninternen Nachfolgeregelung der Mietvertrag gekündigt worden war, erwies sich aber als vorteilhaft.

Heute kommen die Kunden nicht nur, weil hier das gesamte Spektrum der Komplementärmedizin angeboten wird, sondern auch, weil die Apotheke mit ihrem Schachbrettboden, den Holzregalen, den Jugendstillampen und der Stuckdecke so schön ist. Auch wer eigentlich nichts braucht, wird hier fündig – eine feine Handcreme oder die eigens für St. Peter produzierten Tropfen gegen Erkältung, Entspannung oder Gewichtsprobleme kann schliesslich fast jeder mal gebrauchen.

stpeter-apotheke.com

Seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert ist die Farmacia de los Austrias ununterbrochen als Apotheke in Betrieb. Sie befindet sich im traditionellen Viertel La Latina, dem ältesten Teil der Stadt, in der Nähe des Mercado de San Miguel, der Plaza Mayor und der Puerta del Sol.

Vor einigen Jahren wurde die Apotheke umgestaltet, wobei man sich bemühte, die klassischen Linien und geschwungenen Formen des Gebäudes beizubehalten, aber der Inneneinrichtung einen modernen Touch zu verleihen, der Nähe und Professionalität vermittelt. Es sollte sozusagen eine Mischung aus Tradition und Avantgarde werden, und wenn man bedenkt, in wie vielen Designzeitschriften die Apotheke erschienen ist und wie viele Designpreise sie gewonnen hat, kann man sagen, dass das Projekt gelungen ist. Auf jeden Fall hat es die Farmacia de los Austrias auf die Seiten zahlreicher Reiseführer geschafft und wird mittlerweile von fast ebenso vielen Touristen wie von erkrankten Menschen besucht.

Kein Wunder: Das spanische Innenarchitekturbüro Stone Designs hat die Apotheke von den kalten und aseptischen Tönen befreit, die mit dem pharmazeutischen Umfeld verbunden werden, und ihr stattdessen eine warme und freundliche Ausstrahlung verliehen.

Die Regale aus Drahtgeflecht sind ebenso filigran wie farbenfroh, sie wirken wie zweidimensionale Skizzen und haben einen geometrischen Reiz, der in letzter Zeit in der Designbranche häufig thematisiert wird. Der Boden ist psychedelisch gemustert, die Wände bekamen einen durchscheinenden Karibik-Meer-Farbton, auf klassische Glasschränke wurde verzichtet. Das Ergebnis? Die Farmacia de los Austrias wurde zur Attraktion und der Medikamentenkauf zum Erlebnis.

farmacialosaustrias.com

Es gibt Kunden, die in die Apotheke kommen, weil sie klassische Medikamente brauchen. Die werden zwar auch verkauft, sind aber in den hinteren Teil des Raums verbannt, der eigentlich eher ein Lifestyle-Beauty- und Wellness-Concept-Store ist.

Die Wurzeln der Brand Saint Charles liegen in der historischen Apotheke in der Gumpendorfer Strasse in Wiens 6. Bezirk. Noch heute stehen dort die historischen Apothekerschränke aus dem Gründungsjahr 1886. Weitere Vintage-Stücke aus jener Zeit sind im gesamten loftartigen Interieur verteilt, dazu kommen originale Jugendstil-Fliesen und ein schöner alter Trinkbrunnen.

All das sollte erhalten bleiben, als Alexander Ehrmann, Apotheker in sechster Generation, hier 2006 die erste St. Charles Apotheke eröffnete. Von Anfang an wurde viel Wert auf die Ästhetik der historischen Räumlichkeiten gelegt, die der Apotheke bis heute einen Platz in so manchem Wien-Reiseführer beschert.

Neben rund 400 Eigenprodukten aus den Bereichen Naturkosmetik, Aromatherapie und pflanzliche Heilmittel bietet die St. Karls-Apotheke auch schulmedizinisch zugelassene Medikamente an. Alexander Ehrmann scheute sich auch nicht, neue intelligente Technik in die historische Einrichtung zu integrieren: Wenn ein Rezept über den Tresen geht, kommt der automatische Roboter zum Einsatz, der die Medikamente sucht und ausgibt – wie in vielen anderen hochmodernen Apotheken auch.

saint-charles.eu

Schon der grössere Rahmen ist spannend: Das 2018 eröffnete Einkaufszentrum Schultheiss Quartier im multikulturellen Berliner Stadtteil Moabit bespielt die historischen, denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Schultheiss-Brauerei. Mittendrin befindet sich die mit Abstand modernste und stylischste Apotheke der Stadt, entworfen vom Studio Asslinger, dessen Gründer Werner Aisslinger zu den bedeutendsten Designern der Gegenwart zählt.

Bei dieser Apotheke gelang ihm der Spagat zwischen nostalgischem Retro-Design und moderner Funktionalität. Das Ergebnis passt in die besondere Umgebung der Apotheke und entspricht den Vorstellungen von Apothekeninhaberin und Designfan Heike Zweydinger, der die Themen Digitalisierung und innovative Technik wichtig sind – in der Apotheke im Schultheiss Quartier gibt es digitale Plakatwände, Beratungstouchpads, ein vollautomatisches Warenlager und die Möglichkeit, Rezepte auch per Mail oder WhatsApp anzufordern.

Eine vom Midcentury-Stil inspirierte Farbpalette aus Braun-, Grün- und Cremetönen hüllt den Raum in einen warmen Vintage-Look, der jene Aura des Vertrauens vermitteln soll, die für einen Ort der medizinischen Beratung und Medikamentenausgabe notwendig ist. Lose im Raum verteilte Beratungsinseln und Sitzgelegenheiten schaffen eine entspannte Atmosphäre, rotbraune Stahlregale setzen farbige Akzente, markante Glasbausteinwände bilden semitransparente Abgrenzungen, die die traditionelle Trennung zwischen Backstage-Räumen wie Kaffeeküche oder Labor und dem öffentlichen Dispensarium fast verschwinden lassen.

Die Apotheke bietet auch ein unterhaltsames Hightech-Detail: Die Sortiermaschine ist nicht wie in herkömmlichen Apotheken hinter einer Trennwand versteckt, sondern in einer Glaskabine mitten im Raum positioniert. In ihrem Inneren bewegt sich ein schneller Roboterarm zwischen den Regalen und entnimmt effizient und präzise die Medikamente – wartende Kunden können dem Kommissionierer bei der Arbeit zuschauen.

premium-apotheken-berlin.de

Ein visuelles Gegenprogramm bietet sich den Kunden der historischen Berliner Apotheke am Hackeschen Markt, die nicht nur im offiziellen Apo-Guide der Stadt zu finden ist, sondern auch immer wieder auf den Seiten eines Reiseführers und auf den Bildern internationaler Instagrammer auftaucht. Sie wurde 1732 vom Leibarzt Friedrich Wilhelms I., Dr. August Buddeus, in Sichtweite der heute so angesagten Hackeschen Höfe als Rothe Apotheke gegründet und gilt als die älteste Apotheke der Stadt.

Ihre prachtvolle, original erhaltene Inneneinrichtung mit Dutzenden Fächern, Schubladen und mit Löwenköpfen verzierten Schränken aus ahornkassettiertem amerikanischem Nussbaum steht heute ebenso unter Denkmalschutz wie die alten Gefässe in den Regalen.

Durch aufwendige Restaurierungsmassnahmen konnte auch das in einem Holzoval eingefasste Deckengemälde mit Rosen streuenden Engeln erhalten werden, während gleichzeitig ein zeitgemässes Versorgungssystem mit moderner Lagerhaltung etabliert wurde, das den Anforderungen an eine Apotheke von heute entspricht.

mediosapotheke.de

Sie ist kaum zu übersehen: Die 18 Meter lange Fassade mit ihrem markanten aquamarinfarbenen Anstrich und den schönen, mit Blumenmotiven verzierten Buntglasfenstern ist ein absoluter Blickfang an der langen Prachtstraße Gran Via, die sich praktisch einmal quer durch die Stadt zieht.

Die sechs teilweise verglasten Öffnungen der Fassade sind mit geschwungenen, in Holz geschnitzten Linien mit Reliefs und Pflanzendekor verziert. Im oberen Teil der Türen und Schaufenster befinden sich Bleiglasfenster in verschiedenen Farben, während die Eingangstür ein geätztes Glasfenster mit der Aufschrift «Farmacia» und einen in sich gedrehten Metallgriff aufweist. Zwischen den Fenstern befinden sich Tafeln mit den Symbolen der Apotheke: dem Kelch der Hygea und der Schlange.

Die 1902 eröffnete Apotheke befindet sich im Erdgeschoss eines Gebäudes, das aus drei Häusern besteht und vom Architekten Antoni Millàs i Figuerola als Einheit entworfen wurde. Ihren heutigen Namen verdankt sie Josep Mestre i Raventós, der die Apotheke von 1970 bis 1993 führte und bei der Übernahme versprechen musste, die bis dahin intakte modernistische Dekoration zu erhalten – eine Bedingung, die auch die heutige Besitzerin Adelina García Pastor zu erfüllen hatte.

Tatsächlich sind in dem geräumigen Inneren der Apotheke noch viele Originalmöbel erhalten, darunter Holzschränke mit den für den Jugendstil typischen geschwungenen Linien, die in der gleichen Farbe wie das Holz der Fassade gestrichen und von einem Wappen gekrönt sind. Gleich hinter dem Eingang befindet sich eine hölzerne Theke mit Flach- und Hochreliefs und floralen Elementen. Bewundert wird auch stets eine antike Waage mit Blumenmotiven, die in demselben tiefen Türkis erstrahlt wie der Rest der ursprünglichen Einrichtung.

Gran Via de les Corts Catalanes 53

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