Das Schweizer Parlament hat einem Vorschlag zugestimmt, eine Steuer auf Fahrer zu erheben, die durch das Land fahren. So würde sich die Maßnahme auf Reisende aus Deutschland auswirken.
Die Schweiz ist es leid, dass ihre Autobahnen auf dem Weg in die Sommerferien nach Italien oder Frankreich durch Autofahrer aus Deutschland und Mitteleuropa verstopft sind, und plant die Einführung einer neuen Steuer für Durchgangsfahrer.
Die Gebühr würde zusätzlich zum Preis einer Jahresvignette erhoben, die alle Fahrer zahlen müssen, um auf Schweizer Autobahnen fahren zu können.
Die Maßnahme wurde vom Schweizer Parlament genehmigt, stößt aber Berichten zufolge nicht bei allen Teilen der Regierung auf Zustimmung. Aus diesem Grund – und weil die Durchsetzung eine aufwändige Logistik erfordern würde – wird es voraussichtlich einige Zeit dauern, bis die Maßnahme umgesetzt werden kann.
Wie viel würde es kosten?
An den Details wird noch gefeilt, die Deutsche Presse-Agentur berichtete jedoch, dass ein durchschnittliches Honorar von rund 23 Euro (bzw. 21 Schweizer Franken) im Gespräch sei.
Die Idee ist, dass die Gebühr mit der Nachfrage steigt und fällt, um mehr Urlauber davon zu überzeugen, Reisen zu Spitzenzeiten zu vermeiden.
Derzeit müssen alle Autofahrer auf den Schweizer Autobahnen eine Jahresvignette für knapp 44 Euro (40 Franken) kaufen.
Für Autofahrer aus umliegenden Ländern, die auf ihrem Weg ins europäische Ausland durch die Schweiz fahren, dient die Jahresgebühr quasi als einmalige Mautgebühr. Doch für Autofahrer, die häufiger über Schweizer Autobahnen fahren, ist der Jahrespreis vergleichsweise günstig.
In Österreich kostet eine Tagesvignette auf der Autobahn 9,60 Euro, auf dem Weg von Deutschland nach Italien werden am Brenner ebenfalls 12,50 Euro berechnet.
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Ausländische Fahrersteuer
Laut dem Schweizer Parlamentarier, der den Antrag gestellt hat, Marco Chiesa von der Schweizerischen Volkspartei, bringen Fahrten auf den Autobahnen des Landes für die Schweiz „keinen nennenswerten Nutzen“.
Zahlen des Statistikamtes des Landes deuten darauf hin, dass Durchgangsreisen 31 Prozent des Personenverkehrs über die Schweizer Alpen ausmachen.
Kann es umgesetzt werden?
In der Schweiz gibt es fast 700 Grenzübergänge, Fernfahrer nutzen jedoch hauptsächlich Autobahnen und Hauptstraßen, deren Zahl rund 125 beträgt.
Theoretisch könnten an diesen Kreuzungen Kameras mit Kennzeichenerkennungstechnologie installiert werden.
Der Touring Club Schweiz (TCS) warnt jedoch davor, dass sich der erhebliche Aufwand für die Überwachung der Fahrzeuge möglicherweise nicht lohnt.
„Der TCS bezweifelt, dass die Wirkung der Durchfahrtsteuer den erheblichen Ressourcenaufwand rechtfertigen würde“, sagte Sprecherin Vanessa Flack.
Wie werden die Pläne angenommen?
Von Brüssel bis Baden-Württemberg kritisieren deutsche Vertreter die geplante Reisesteuer.
Der baden-württembergische EU-Parlamentsabgeordnete Andreas Schwab sagte: „Einseitige Maßnahmen dieser Art sind kein Fortschritt.“
„Grenzgebiete leben von Verlässlichkeit, der Vereinfachung von Regeln und einem offenen und reibungslosen Zusammenleben mit den Nachbarländern“, fügte er hinzu.
Das sieht auch Felix Schreiner, der den Wahlkreis Waldshut-Tiengen an der Grenze zur Schweiz vertritt, so: „Ich bin davon überzeugt, dass verkehrspolitische Herausforderungen im Herzen Europas nur gemeinsam gelöst werden können. Der richtige Weg ist daher nicht Abschottung, sondern mehr Zusammenarbeit.“
Thomas Sauter-Servaes, Professor für Mobilitätswissenschaften an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), der aus Berlin stammt, weist darauf hin: „Wenn jedes Land so denken würde und nur von Ausländern profitieren wollte, hätten wir ein Problem.“
„Dann würden sich die Regierungen fragen: Warum sollten Deutsche auf dem Weg zu einem Urlaub in Italien in der Schweiz bezahlen, Schweizer in Deutschland aber nicht auf dem Weg nach Dänemark?“
Tatsächlich hatten die CSU-Führer in Bayern versucht, eine Maut auf deutschen Autobahnen einzuführen und deutsche Autofahrer zu entschädigen. Doch dieser Plan wurde 2019 vom Europäischen Gerichtshof wegen Verstoßes gegen EU-Vorschriften abgeschossen.

