Bahnreisende im Fernverkehr in Deutschland bleiben für das kommende Jahr von einer generellen Erhöhung der Ticketpreise verschont, nachdem die Deutsche Bahn trotz steigender Treibstoff- und Energiekosten einen ungewöhnlichen einjährigen Fahrpreisstopp angekündigt hat.
Die Deutsche Bahn (DB) friert ab dem 1. Mai die Fahrpreise im Fernverkehr für das kommende Jahr ein.
Die Entscheidung gab die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, am Wochenende bekannt. Palla begründete den Schritt damit, dass das Einfrieren dazu gedacht sei, „Sicherheit und Stabilität“ in einer Zeit zu bieten, in der Autofahren und Fliegen aufgrund höherer Treibstoff- und Kerosinpreise teurer werden.
Sie verknüpfte die Entscheidung auch mit der laufenden Umstrukturierung der DB und mit dem übergeordneten Ziel, sicherzustellen, dass sich die Menschen in Deutschland weiterhin Reisen leisten können.
Ticketpreis eingefroren
Für Bahnreisende in Deutschland bedeutet dies, dass es in den nächsten zwölf Monaten zu keiner generellen Erhöhung der Fahrpreise im Fernverkehr im ICE, Intercity (IC) und Eurocity (EC) kommen wird.
Die Entscheidung gilt für rund 136 Millionen Fernreisende und ist ein ungewöhnlicher Schritt für den deutschen Bahnbetreiber.
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Normalerweise gibt die DB Tarifänderungen im Herbst vor der Fahrplanumstellung im Dezember bekannt. Diese Ankündigungen gehen oft auch mit Preiserhöhungen einher.
Dieses Muster wurde letztes Jahr durchbrochen, als der übliche Anstieg aufgegeben wurde. Unter Pallas Führung wurden im vergangenen Oktober auch geplante Erhöhungen der beliebten Flex- und Spar-Tarife auf Eis gelegt.
Durch den nun angekündigten Preisstopp können Bahnreisende sicher sein, dass die Ticketpreise im kommenden Sommer oder gar mit Beginn des nächsten Winterfahrplans im Dezember nicht erneut flächendeckend steigen.
Der Fahrpreisstopp bedeutet jedoch nicht, dass die Ticketpreise insgesamt gedeckelt werden. Die DB verkauft Fernfahrkarten nach einem dynamischen Preissystem, das heißt, die Fahrpreise steigen und fallen je nach Strecke und Nachfrage. Aus diesem Grund ist es in Deutschland oft vorteilhaft, Fahrkarten für den Fernverkehr rechtzeitig im Voraus zu kaufen.
Eine Eisenbahn unter Druck
Die Ankündigung kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt für die deutsche Bahn. Der Fernverkehr hat weiterhin Probleme mit der Zuverlässigkeit; die Pünktlichkeit liegt bei knapp über 60 Prozent.
Obwohl es im März gegenüber Februar eine leichte Verbesserung gab, kam immer noch mehr als jeder dritte Zug zu spät an.
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Auch finanziell bleibt die Deutsche Bahn weiterhin unter Druck. Der Konzern meldete im vergangenen Jahr einen Verlust nach Steuern in Höhe von 2,3 Milliarden Euro, einschließlich einer Abschreibung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro im Langstreckenverkehr im Zusammenhang mit der sich verschlechternden Infrastruktur.
Obwohl sich Umsatz und Betriebsergebnis leicht verbessert haben, warnt das Unternehmen selbst, dass große Bauarbeiten die Dienstleistungen auch in den kommenden Jahren beeinträchtigen werden.
„Ein Neuanfang bei der Deutschen Bahn bedeutet, mehr Verantwortung zu übernehmen und neue Prioritäten zu setzen“, sagte Palla Bild als sie den kommenden Ticketpreisstopp ankündigte.

