Donnerstag, Juni 25

Von Berlin bis Frankfurt und überall dazwischen saßen Bahnreisende in ganz Deutschland am Dienstagabend aufgrund eines beispiellosen Kommunikationsausfalls in Zügen und Bahnhöfen fest.

Fahrgäste der Deutschen Bahn (DB) sind an verspätete Züge und gelegentliche Ersatzbusse gewöhnt. Aber eine flächendeckende Lähmung des gesamten Schienennetzes – das ist etwas Neues.

Reisende in ganz Deutschland waren in der Nacht zum Dienstag mit mehreren Stunden Beeinträchtigungen konfrontiert, der Zugverkehr wurde am frühen Mittwochmorgen wieder aufgenommen.

Medienberichten zufolge bildeten sich ab etwa 23 Uhr bis nach Mitternacht lange Schlangen an den Informations- und Auskunftsschaltern in Bahnhöfen. Die DB hatte angekündigt, bei Bedarf Taxi- und Hotelgutscheine auszustellen.

Gegen halb Mitternacht fuhren die ersten Züge wieder los. Tagesschau berichtete, dass die landesweiten Dienste bereits vor 3 Uhr morgens wieder verkehrten.

„Alle Züge fahren jetzt wieder“, hatte Vorstandschefin Evelyn Palla angekündigt und ergänzt, ein „Notfallsystem“ habe es der DB ermöglicht, „die Situation zu stabilisieren“.

Berichten zufolge hing das Problem mit dem Ausfall eines digitalen Bahnfunks zusammen, der die Kommunikation zwischen Lokführern und Fahrdienstleitern ermöglicht. Da die Kommunikation praktisch unterbrochen war, konnte der Verkehr aus Sicherheitsgründen nicht weitergeführt werden.

Fern-, Regional- und Nahverkehr

Die Deutsche Bahn betreibt in Deutschland den Personenfernverkehr mit ihren ICE-, IC- und EC-Zügen sowie Regional- und Nahverkehrszüge, darunter auch S-Bahnen.

Um halb eins gab die Berliner S-Bahn Entwarnung, nachdem der Betrieb mehr als zwei Stunden lang eingestellt war und sowohl Passagiere im Stadtverkehr als auch den Verkehr vom und zum Berliner Flughafen beeinträchtigt hatte.

Während der Störung landeten nach 22 Uhr mehr als zwei Dutzend Flugzeuge am Flughafen. Ein Bericht von Tagesspiegel schilderte die Szene gegen 23 Uhr, als 200 Passagiere mit Gepäck darauf warteten, in Ersatzbusse gequetscht zu werden.

„Typisch Deutschland“, wurde ein Paar aus Dresden zitiert. Andere Passagiere beklagten mangelnde Informationsvermittlung.

Ähnliche Szenen spielten sich inzwischen an Bahnhöfen in der deutschen Hauptstadt und in anderen Städten in ganz Deutschland ab.

Am Berliner Hauptbahnhof standen Fernreisende Schlange an der Informationstheke. In der Navigator-App der DB kam es zu ständigen Verspätungen von Fahrten um eine Stunde, während Lautsprecherdurchsagen ertönten, dass die DB „an einer Lösung arbeitet“.

Das Personal ließ Passagiere in festgefahrene Züge einsteigen, um die Toiletten zu benutzen.

In Frankfurt berichtete die Deutsche Presse-Agentur (DPA), dass die DB Taxi- und Hotelgutscheine ausgestellt habe, einige Fahrgäste jedoch festgestellt hätten, dass es bereits zu spät sei, ein freies Zimmer für die Nacht zu buchen.

Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart verließ Frankfurt fast ohne Passagiere, weil die noch Wartenden nicht über die bevorstehende Abfahrt des Zuges informiert worden waren.

Der Verkehr wird wieder aufgenommen

Seit Mittwochmorgen ist der Bahnverkehr bundesweit wieder nahezu normal, die DB warnte jedoch davor, dass es aufgrund der Störung zu Folgeverzögerungen oder Ausfällen kommen könne.

In Köln kam es zu etwa 15-minütigen Verspätungen, in Dortmund fuhren einige ICE-Züge noch mehrere Stunden verspätet, heißt es in einem Bericht von Suddeutsche Zeitung.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer kritisierte die Deutsche Bahn: „Dass ein technischer Defekt den gesamten Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen gebracht hat, ist ein neuer Tiefpunkt …“

Er fügte hinzu, dass er von der DB erwarte, dass sie den Vorfall aufkläre und künftig neue Notfallmechanismen einführe.

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