Der Demokrat wollte mit seiner ungewöhnlichen Aktion ein Zeichen gegen die Politik des amerikanischen Präsidenten setzen. Dafür nahm er auch Muskelkrämpfe in Kauf.
Cory Booker kam vorbereitet. Als sich der Demokrat am Montagabend gegen 19 Uhr in Washington an das hölzerne Pult im Senat stellte, hatte er bereits seit Tagen gefastet und möglichst wenig getrunken. Kein menschliches Bedürfnis sollte ihn von seinem Plan abhalten. Schon in den ersten Sätzen machte er klar, dass er keine normale Rede halten wollte.
Er wolle die Arbeit des Senats unterbrechen, «solange ich körperlich dazu in der Lage bin», sagte der 55 Jahre alte Senator. Seine Rede wollte er als Protest gegen die Politik der amerikanischen Regierung verstanden wissen. In nur 71 Tagen Amtszeit habe Präsident Donald Trump die Grundprinzipien der amerikanischen Demokratie erschüttert, sagte Booker. «Das sind keine normalen Zeiten in Amerika. Und sie sollten so auch nicht im Senat der Vereinigten Staaten behandelt werden.»
Mit einer Dauer von 25 Stunden und 5 Minuten hielt er anschliessend die längste Rede in der Geschichte des US-Senats. Er sprach darin über eine Vielzahl von Themen. Booker kritisierte etwa den Tech-Milliardär Elon Musk und dessen Department of Government Efficiency, das derzeit umfassende Reformen in der Verwaltung vornimmt. Zudem verwies Booker auf Kürzungen bei Gesundheitsprogrammen, die laut ihm Millionen von Amerikanern betreffen.
Schweiss und Muskelkrämpfe
Booker füllte die Zeit ausserdem, indem er aus Briefen vorlas, die ihm Menschen aus seinem Wahlkreis New Jersey geschrieben hatten. Sie zeigten sich darin besorgt über Trumps Drohungen gegen Grönland und Kanada oder brachten ihre Furcht vor einer Verfassungskrise zum Ausdruck.
Im Laufe der Zeit baute Booker körperlich sichtbar ab. Immer wieder wischte er sich den Schweiss mit Papiertüchern von der Stirn, verlagerte sein Gewicht von einem Bein auf das andere, hielt sich mit beiden Händen am Pult fest. Dabei trank er lediglich in kleinen Schlücken Wasser. Nach eigener Aussage wurde er vorübergehend von Muskelkrämpfen geplagt.
Um ihn zu unterstützen, unterbrachen seine Parteikollegen die Rede immer wieder durch Zwischenfragen. Es waren die wenigen Momente, in denen Booker eine kurze Pause hatte. Gemäss den Regeln des Senats durfte er sich dabei jedoch nicht setzen.
Die letzte Frage stellte ihm am Dienstagabend der Minderheitsführer Chuck Schumer. Ob er wisse, dass er den Rekord für die längste Rede geknackt habe, wollte er von Booker unter dem Jubel der anderen Demokraten wissen.
Booker will Demokraten mobilisieren
Der Rekord wurde seit dem Jahr 1957 vom Senator Strom Thurmond aus South Carolina gehalten. Die Rede des Demokraten dauerte damals 24 Stunden und 18 Minuten und richtete sich gegen die Civil Rights Act. Das Bürgerrechtsgesetz verbot unter anderem Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe.
Booker, der erste schwarze Senator New Jerseys, sagte nach seiner Rede dem Sender MSNBC, dass ihn der Rekord stets geärgert habe. Mit Thurmond sei er von einer Person gehalten worden, «die Leute wie mich davon abhalten wollte, im Senat zu sein».
Booker fand für seine eigene Partei ebenfalls kritische Worte. In den vergangenen Wochen sei bei den Menschen in seinem Wahlkreis die Wut gewachsen – auch auf die Demokraten, sagte er. Die Menschen erwarteten von ihnen, in der gegenwärtigen Lage mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Partei wirkte nach der verlorenen Präsidentenwahl orientierungslos. Ihre Vertreter stritten zuletzt offen miteinander. Mit seiner ungewöhnlich langen Rede hofft Booker nun, im demokratischen Lager eine neue Bewegung «entzünden» zu können.