Gold hat in einem Jahr mehr als 40 Prozent an Wert gewonnen. Dennoch stellt eine neue Studie fest: Fast niemand setzt im Portfolio darauf.
Der Goldpreis nähert sich der Marke von 3000 Dollar. Am Montag stieg der Preis für eine Unze des Edelmetalls in London bis auf rekordhohe 2956 Dollar. In den vergangenen 12 Monaten hat der Goldpreis um sage und schreibe 44 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn liegt er knapp 12 Prozent im Plus, auch wenn es am Dienstag einen leichten Rücksetzer gab. Angesichts dieser Performance dürften sich Investoren ärgern, die das Edelmetall nicht im Portfolio haben – und das dürften viele sein.
Dies zeigt auch eine am Dienstag publizierte Analyse des Department of Finance an der Universität Zürich im Auftrag der Bank von Roll: Laut dieser halten Anleger in der Schweiz durchschnittlich weniger als 1 Prozent ihrer Finanzanlagen in Form von Gold. Laut einer Studie der Universität St. Gallen dürfte das Goldvermögen in der Schweiz bei rund 15 Milliarden Franken liegen, während das Bundesamt für Statistik (BfS) das Finanzvermögen der Schweizer Haushalte auf etwa 2500 Milliarden Franken schätzt.
Gold hatte am Finanzmarkt lange ein Image als Anlage, die langfristig überschaubare Renditen bringt. Schliesslich wirft das Edelmetall weder Zinsen noch Dividenden ab.
Finanzprofessor Thorsten Hens und Alvin Amstein von der Universität Zürich kommen in ihrer neuen Analyse nun aber zu dem Schluss, dass Gold beim langfristigen Vermögensaufbau und -erhalt eine wichtige Rolle spielen sollte. Dies zeigt die langfristige Wertentwicklung des Edelmetalls und der Vergleich mit anderen Geldanlagen.
- Lange Tradition in der Wertaufbewahrung: Gold hat eine jahrtausendealte Tradition als Wertaufbewahrungsmittel. Der Finanzprofessor Erwin Heri hat jüngst darauf hingewiesen, dass eine Unze Gold vor 2000 Jahren eine fünfköpfige Familie für einen Monat ernähren konnte. Dies sei heute immer noch der Fall, während der Wert aller ungedeckten Papiergeld-Währungen langfristig real gesehen auf null abgeschrieben worden sei. Die Studie der Wissenschafter der Universität Zürich zeigt bereits für einen kürzeren Zeitraum deutliche Verluste. Im Zeitraum 1972 bis heute ist die Kaufkraft von 100 Dollar Bargeld auf 13 Dollar gesunken.
- Starke langfristige Wertentwicklung von Gold: Die Kaufkraft einer Anlage in Gold hat sich laut der Studie im selben Zeitraum knapp verachtfacht. Eine Anlage in den Welt-Aktienindex MSCI World hätte sich im selben Zeitraum sogar verneunzehnfacht, wenn die Dividendenauszahlungen der Unternehmen direkt wieder angelegt worden wären. Rechnet man die Steuern auf Dividendenzahlungen ein, reduziert sich dieser Faktor für Schweizer Anleger auf 11. Hens und Amstein plädieren für eine Diversifikation von Vermögensanlagen in Gold und Aktien. Das Edelmetall sei das beste Gegenstück zu Aktien und auch besser als US-Staatsanleihen, deren Kaufkraft sich im selben Zeitraum verfünffachte.
- Guter Vermögensschutz in Krisenzeiten: Gold sei zum Vermögenserhalt in Krisenzeiten prädestiniert und ein Garant für den Erhalt der Handlungsfähigkeit, teilen die Studienautoren weiter mit. In Krisen wie beispielsweise dem Platzen der New-Economy-Blase, der Finanzkrise oder der Corona-Krise wies Gold positive Renditen auf, während es an den Aktienmärkten oft zu herben Verlusten kam.
Nun stellt sich noch die Frage, wie hoch der Goldanteil im Anlageportfolio sein sollte. Wie die Wissenschafter ausführen, sollten nach dem Finanzmarktmodell Capital Asset Pricing Model die Anteile von Anlageklassen der relativen Marktkapitalisierung entsprechen. Letztere betrage für alle Aktien derzeit 91 Billionen Dollar und für Gold 18 Billionen Dollar. Daraus resultiere für Anleger, die ein ausgewogenes Anlageportfolio anstrebten, ein Aktienanteil von 52,5 Prozent, ein Anleihenanteil von 35,5 Prozent sowie ein Goldanteil von 12 Prozent. Je nach Portfoliotheorie würde ein Goldanteil von 5 bis 26 Prozent empfohlen. Vermögensverwalter raten zu einem Anteil von Gold am Portfolio von zwischen 5 und 10 Prozent.
Nicht selten wird die Kryptowährung Bitcoin von Branchenvertretern als «das neue Gold» gepriesen. Hens und Amstein sehen dies skeptisch. Da der Bitcoin-Preis stark schwankt und nicht als krisenresistent gilt, sei Bitcoin nicht gut als Gold-Alternative geeignet. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im März 2020 gab der Bitcoin-Preis um 25 Prozent nach, während Gold seinen Wert annähernd hielt.
Auch gegenüber tokenisiertem Gold sind die Wissenschafter zurückhaltend. Die Blockchain eröffnet Anlegern neue Möglichkeiten, um Gold zu handeln. Dabei werden alle Transaktionen öffentlich innerhalb eines Netzwerks aufgezeichnet. Der Handel erfolgt mit sogenannten Token, die beispielsweise den Besitzanspruch auf eine Feinunze Gold verbriefen. Bei tokenisiertem Gold blieben Unsicherheiten in Bezug auf die Regulierung, die in jedem Land unterschiedlich ausfalle, teilen sie mit. Folglich sei diese Variante nicht für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet. Hens und Amstein empfehlen, Gold physisch zu halten.