Die Zeit für Gewinnausschüttungen ist gekommen. The Market zeigt, welche Dividendenperlen am deutschen Aktienmarkt jetzt besonders attraktiv sind und wo Vorsicht geboten ist.
Die Dividendensaison steht bevor. Unter den grossen Zahlern in Deutschland macht die Deutsche Telekom noch vor Ostern, nach ihrer Hauptversammlung am 9. April, den Anfang. Drei Viertel der im Leitindex Dax und Nebenwertebarometer MDax notierten Unternehmen schütten ihren Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr 2024 jedoch erst im Mai an ihre Aktionäre aus. The Market hat die attraktivsten Dividendentitel identifiziert.
Bereits jetzt steht fest: Die Konzerne aus der ersten Liga und der zweiten Reihe werden rund 60,8 Mrd. € in Form von Dividenden an ihre Anteilseigner verteilen. Fast 91% davon stammen von den Dax-Unternehmen. Das haben die Analysten der DZ Bank errechnet. Damit liegt die gesamte Dividendensumme knapp über dem Vorjahreswert von 60 Mrd. € – immerhin kein Rückgang, wie noch Ende vergangenen Jahres befürchtet. Für das laufende Jahr rechnet die DZ Bank gar mit 64,4 Mrd. €, wobei das Investitionspaket der Bundesregierung noch nicht vollends in den Dividendenprognosen Niederschlag gefunden haben soll.
Aufgrund der zuletzt gestiegenen Kurse erscheinen deutsche Aktien durch die Brille eines Dividendeninvestors mitunter weniger lukrativ. So beträgt die Dividendenrendite für den Dax nur noch 2,5%, während der Zehnjahresdurchschnitt bei rund 3% liegt. Der Median über die vergangenen zwanzig Jahre beträgt sogar 3,4%. Hinzu kommt eine deutlich gestiegene Attraktivität zehnjähriger Bundesanleihen, deren Rendite auf 2,7% geklettert ist.
Das Umfeld für Anleger ist schwieriger geworden, gerade mit dem Fokus auf Dividenden. Doch langfristig machen die Ausschüttungen stets einen grossen Teil der Gesamtrendite aus. Während der Dax in den vergangenen zehn Jahren 87% an Wert zugelegt hat, schaffte es der reine Kurs-Dax ohne Dividenden auf 40%. Beim MDax ist der Unterschied noch ausgeprägter. Der Nebenwerteindex stieg 33%, ohne Dividenden wären es nur mickrige 6,5% gewesen. Das zeigt: Der Dax ist nicht Deutschland, denn die Grosskonzerne erzielen nur 19% ihres Umsatzes in der Heimat. Am MDax ist die deutsche Wirtschaftsflaute der letzten Jahre dagegen deutlich abzulesen.
23 der vierzig Dax-Unternehmen werden ihre Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr erhöhen (57,5%), zehn unverändert belassen (25%), fünf müssen sie senken (12,5%) und zwei schütten keinen Gewinn aus (5%). Wobei Siemens, Siemens Healthineers und Infineon bereits im Februar Zahltag hatten.
Im MDax erhöhen immerhin exakt die Hälfte der Unternehmen ihre Ausschüttung. Mit knapp einem Viertel zahlen auffällig viele Konzerne aus der zweiten Reihe allerdings gar keine Dividende. Das sind vor allem junge Unternehmen wie etwa Auto1, Delivery Hero und Teamviewer, aber auch Alteingesessene wie Fraport und Tui.
Zwar vereint die Autobranche in Dax und MDax mit 22,4% weiterhin den Grossteil der Ausschüttungen auf sich, die Tendenz ist jedoch fallend. Im vergangenen Zyklus lag ihr Anteil noch bei mehr als 28%.
Von den fünf Dax-Konzernen, die ihre Dividende kürzen, sind vier Autohersteller. Die ohnehin schon bei Anlegern unbeliebten Titel sind zusätzlich unter Druck geraten durch die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Einfuhrzölle in Höhe von 25% zu erheben.
Nicht alle Autohersteller haben die Erwartungen der Analysten vom Dezember unterschritten. Für 📈 Mercedes-Benz hatten die bei Bloomberg erfassten Analysten eine Dividende je Aktie von 4.28 € auf dem Zettel und haben damit nahezu eine Punktlandung erreicht. Die Stuttgarter wollen 4.30 € je Aktie zahlen nach 5.30 € im Vorjahr – ein Minus von rund 19%.
Bei 📈 Volkswagen waren die Marktbeobachter sogar zu pessimistisch und prognostizierten nur 6.01 € je Vorzugsaktie. Manch einer fragte sich seinerzeit, ob es überhaupt politisch vertretbar sei, dass die Wolfsburger angesichts der Aufkündigung der Beschäftigungsgarantie und bevorstehendem Stellenabbau eine Dividende zahlen. VW will 6.36 € je Papier ausschütten, nach 9.06 € zuvor. Die Kürzung beläuft sich somit auf gut 30%.
Bei 📈 BMW waren die Analysten hingegen zu optimistisch, rechneten im Mittel mit 4.55 €. Der Dividendenvorschlag des Managements sieht 4.30 € vor, nach 6 € im Vorjahr – ein satter Rückgang von rund 28%. The Market hält die Münchener in der für Anleger problematischen Branche für den am besten positionierten deutschen Autohersteller.
Völlig verschätzt haben sich die Analysten bei der 📈 Porsche Holding, die für 2024 eine Dividende von 1.91 € vorschlägt, nachdem es im Vorjahr noch 2.56 € waren. Das entspricht einem Minus von gut 25%. Analysten sagten im Dezember noch fast stabile 2.50 € voraus.
Die US-Autozölle dürften 2025 erheblich den Gewinn schmälern, bei Porsche sogar um mehr als 15%.
Der fünfte Dax-Dividendenkürzer ist als einziger im unrühmlichen Bunde kein Autokonzern: 📈 BASF. Der harte Einschnitt für die Aktionäre des Chemieriesen beläuft sich auf ein Minus von fast 34%. Im Dax ist BASF damit das Schlusslicht. Im MDax haben Carl Zeiss Meditec (-45%), Aixtron (-63%) und K+S (-79%) ihre Dividende sogar noch stärker eingedampft (siehe Tabellen am Ende des Artikels).
Der Konzern aus Ludwigshafen hatte bei seinem Strategieupdate als Ziel eine Dividende von «mindestens 2.25 € je Aktie» ausgerufen. Mehr ist es dann leider auch nicht geworden, steckt das Unternehmen doch mitten im Umbau. 2024 waren es noch 3.40 €. Analysten erwarteten im Dezember 2.51 € je Aktie.
Kommen wir zu den Top-Dividendenzahlern. 📈 Allianz schüttet stolze 5,9 Mrd. € an seine Anteilseigner aus. Das ist mit Abstand der Spitzenwert. Auf den Plätzen folgen Deutsche Telekom und Mercedes. Der Versicherer steuert damit etwa ein Zehntel zu den gesamten Ausschüttungen der Dax- und MDax-Unternehmen bei. Im europäischen Ranking reicht die Summe allerdings nur für Platz vier hinter LVMH (6,5 Mrd. €), Intesa (6,2 Mrd. €) und Total (6,0 Mrd.€).
Die Aktien der Allianz zeichnen sich durch eine Dividendenrendite von 4,4% aus. Der Versicherer hat darüber hinaus seine Ausschüttung in den vergangenen zwölf Jahren trotz Niedrigzinsphase im Schnitt pro Jahr um gut 10% angehoben. Lediglich für das Coronajahr 2020 blieb die Ausschüttung unverändert, sonst stieg sie stets von Jahr zu Jahr. Für 2024 geht es von 13.80 auf 15.40 € je Aktie hinauf.
Allianz sowie Telekom, Mercedes, Siemens, VW, SAP, BMW und Munich Re schütten für 2024 zusammen 29,9 Mrd. € aus. Damit entfällt die Hälfte der Gesamtsumme aller Dax- und MDax-Dividenden auf diese acht Unternehmen.
Jenseits der Allianz, der problembehafteten Autobauer und durch hohe Zinsen belasteten Immobilienkonzerne wie Vonovia bieten noch weitere Unternehmen aus dem Dax attraktive Dividendenrenditen:
- 📈 DHL (4,7%; Ausschüttungsquote mit 64% über Zielwert von 40 bis 60%)
- 📈 E.On (3,9%) aus dem Dax
Folgende MDax-Mitglieder fallen durch eine attraktive Dividendenrendite auf:
Die Aktien könnten aus dieser Perspektive einen Blick wert sein. Die Kennzahl ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen, denn die Dividendenrendite setzt die Dividende je Aktie mit dem Aktienkurs ins Verhältnis. Sie kann hoch ausfallen, wenn der Kurs stark gefallen ist. Dann ist die Dividendenrendite unter Umständen ein Warn- und kein Kaufsignal.
Ganz simpel auf die Titel mit der höchsten Dividendenrendite zu setzen, hat in der Vergangenheit ohnehin nicht zum Erfolg geführt, wie der DivDax belegt. In dem Index werden die 15 Dax-Aktien mit der höchsten Rendite zusammengefasst – ähnlich dem bekannten Konzept «Dogs of the Dow» von Michael O’Higgins.
Die mit Abstand kräftigste Dividendenerhöhung gibt es unter dem Strich bei 📈 United Internet. Der Webspezialist mit Töchtern wie Mobilfunker 1&1 und Web-Hosting-Anbieter Ionos will zwar nur 0.40 € je Aktie und damit sogar zehn Cent weniger als im Vorjahr an seine Aktionäre ausschütten, zeitgleich soll es aber eine «Nachholdividende» von 1.50 € je Aktie geben. Sie diene zur «Kompensation der geschmälerten Dividendenzahlungen für die Geschäftsjahre 2018 bis 2023.» Das hatten viele Marktbeobachter so nicht erwartet.
Grund der Massnahme: United Internet ging davon aus, dass 1&1 spätestens 2025 neue Funklizenzen erwerben müsse. Doch der Bund hat vor rund einer Woche entschieden, auf eine Frequenzauktion zu verzichten, stattessen hat die Bundesnetzagentur die Nutzungsrechte um fünf Jahre verlängert. So soll den Unternehmen mehr Geld für den Ausbau der Handynetze bleiben.
Die United-Internet-Aktien kommen inklusive Sonderzahlung auf eine Dividendenrendite von 10%. Damit stehlen sie RTL glatt die Show.
Eine schon fast schon traditionell hohe Dividendenrendite erhalten Aktionäre nämlich von 📈 RTL. Der zu Bertelsmann zählende TV-Konzern hat sich als Dividendenpolitik «Ausschüttungen in Höhe von mindestens 80% des bereinigten Nettoergebnisses» auferlegt, für gewöhnlich liegt eine solche Quote eher zwischen 30 und 50%. Der Vorschlag für das abgelaufene Geschäftsjahr lautet 2.50 € je Aktie, nach 2.75 € im Vorjahr.
Das Umfeld sei schwierig. Voraussetzung für eine anvisierte Umsatzsteigerung und einen Anstieg des Gewinns 2025 sind «mindestens stabil bleibende» TV-Werbeumsätze. RTL erhofft sich auch, durch Streaming wachsen zu können. Das sollten Anleger berücksichtigen. Risikofreudige lockt eine Dividendenrendite von 7,2%.
Mehr als eine Verdopplung und das ganz ohne Sonderdividende gibt es bei 📈 Adidas. Statt 0.70 € wie im Vorjahr plant der Sportartikelhersteller, 2 € je Aktie auszuschütten. Das entspricht 43% des Gewinns. Vergleichen mit einem Aktienkurs von rund 220 € ist dies allerdings nur eine magere Rendite von 0,9%. Im Dezember hatten Analysten mehrheitlich noch 1.37 € Dividende je Aktie erwartet.
Den jüngsten Ausblick von CEO Bjørn Gulden für 2025 erachten sie als eher konservativ. Das ist nicht unüblich bei Adidas. Und Vorsicht ist durchaus angebracht, US-Zölle und eine hohe Inflation in den USA könnten das Geschäft mit den Sportschuhen und der Kleidung belasten. Für den US-Markt produziert Adidas in Indonesien und Vietnam, für China überwiegend in der Volksrepublik.
Sinnvoller, als auf die Dividendenrendite oder die Höhe der Anhebung abzuzielen, erscheint es, auf die Beständigkeit der Zahlung zu achten. In diesem Kontext wird gerne ein besonderes Quartett genannt, das mehr als ein Vierteljahrhundert die Dividende nicht gekürzt hat: Beiersdorf, Henkel, Munich Re und SAP.
- 📈 SAP will die Dividende um 0.15 auf 2.35 € je Aktie erhöhen. Damit zahlt die Softwareschmiede insgesamt 2,7 Mrd. € an ihre Anteilseigner aus und ist erstmals in der Spitzengruppe der acht absoluten Top-Zahler vertreten.
- 📈 Munich Re hebt die Dividende nicht nur von 15 auf 20 € je Aktie an, der Rückversicherer hat auch einen Aktienrückkauf im Volumen von 2 Mrd. € bis zur Hauptversammlung im nächsten Jahr angekündigt. Insgesamt fliessen so rund 4,7 Mrd. € an die Aktionäre.
- 📈 Henkel, bekannt für Marken wie Persil, schlägt 2.04 € je Vorzugsaktie vor, nachdem es zuletzt sechs Jahre in Folge jeweils 1.85 € gab. Die Stagnation beim Konsumgüterriesen war schwierigen Jahren geschuldet. Endlich – sind Marktbeobachter gewillt zu sagen – erhalten die Aktionäre wieder einen grösseren Dividendenscheck.
- 📈 Beiersdorf, nicht gerade für eine besonders hohe Ausschüttung bekannt, plant ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 500 Mio. € und zahlt eine Dividende von unverändert 1 € je Aktie. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von 25% und ergibt eine dürftige Dividendenrendite von 0,8%. Dafür ist der Hersteller von Nivea wie die anderen drei Dax-Konzerne ein Garant für stabile Ausschüttungen.
Wahre Dividendenaristokraten sind Unternehmen, die ihre Dividende 25 Jahre in Folge angehoben haben. Die gibt es in Deutschland nicht. Allerdings existieren ein paar Anwärter auf den Adelstitel. Dazu gehörten im vergangenen Jahr auch noch 📈 Brenntag und 📈 Bechtle. Sowohl der Chemikalienhändler als auch der IT-Dienstleister zahlen in diesem Jahr allerdings nur noch eine stabile Dividende und sind damit aus dem im Rennen um die Krone.
Bei Brenntag sank der Gewinn je Aktie im abgelaufenen Jahr deutlich von 4.73 € auf 3.71 €. Die Dividende soll unverändert 2.10 € je Aktie betragen. Die Essener schauen dennoch seit dem Börsengang 2010 auf ein jährliches Wachstum der Ausschüttung von 11% zurück.
Bechtle musste 2024 einen Rückgang des Gewinns je Aktie von 2.11 € auf 1.95 € hinnehmen. Und hält die Dividende mit 0.70 € stabil.
Schmierstoffhersteller 📈 Fuchs ist dagegen auf dem besten Weg, der einzige deutsche Dividendenaristokrat zu werden. 2027 wäre es so weit, dann hätten die Mannheimer ihre Ausschüttung 25 Jahre lang in Folge erhöht. The Market hat den Titel jüngst empfohlen, nicht nur aus diesem Grund.
Anleger mit Dividendenfokus sind bei den verbliebenen Aristokratenanwärtern durchaus gut aufgehoben. Unter den Titeln, die mindestens zehnmal in Folge ihre Ausschüttung angehoben haben, finden sich allerdings auch drei Unternehmen aus dem SDax. Oder mit anderen Worten: Es sind gerade einmal fünf Titel aus Dax und MDax, die dieses Prädikat vorweisen können.
Zurück unter den Dividendenzahlern ist indes der frühere Aristokrat 📈 Fresenius. Der Medizin- und Klinikkonzern musste die Ausschüttung aussetzen, hatte er doch 2023 Staatshilfe für seine Tochter Helios in Anspruch genommen. Fresenius hat zuletzt seine Risiken reduziert und etabliert sich als solider Gesundheitswert.
Zu früherer Stärke sind auch die 📈 Deutsche Bank und die 📈 Commerzbank zurückgekehrt. Beide Kreditinstitute heben ihre Dividende kräftig an. Bei der Deutschen geht es von 0.45 € auf 0.68 € je Aktie nach oben, das entspricht einem Anstieg von 51%. Dazu ist ein Aktienrückkauf im Volumen von 750 Mio. € genehmigt.
Bei der Commerzbank beträgt das Plus sogar fast 86%. Die von der Unicredit umworbene Bank zahlt 0.65 € Dividende je Aktie nach 0.35 € zuvor. Das kommt einer Ausschüttung von 71% des Konzernergebnisses gleich. Weitere bis zu 400 Mio. € fliessen ebenfalls in den Rückkauf eigener Aktien. Beide Banktitel bieten eine Dividendenrendite von 3,1%. The Market hält beide Valoren für attraktiv.
Trotz all der schlechten Nachrichten aus der Automobilbranche: Zuversicht kommt von 📈 Continental. Der Reifenhersteller und Autozulieferer will seine Automotive-Sparte abspalten. Das eigenständige Unternehmen soll im September an der Börse gelistet werden. Für zwei Conti-Aktien gibt es eine des künftigen Automotive-Unternehmens, so der Plan, dem die Hauptversammlung noch zustimmen muss. Geht der er auf, ändert sich die Dividendenpolitik: Conti will 40 bis 60% des Konzerngewinns ausschütten, anstatt wie bisher 20 bis 40%, während die Quote beim neuen Unternehmen bei 10 bis 30% liegen soll. Das sollte Dividendenjäger freuen.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlägt Conti eine Dividende von 2.50 € je Aktie vor (zuvor: 2.20 €, Dividendenrendite: 3,9%), was einer Quote von 43% entspricht und über dem bislang festgelegten Korridor liegt. Grund fürs Überschreiten sei ein einmaliger Steuereffekt.
Nicht nur bei Continental können sich Anleger in den kommenden Wochen über Zahlungseingänge auf ihren Konten freuen, wie die folgenden Übersichtstabellen zeigen. Und mittelfristig hoffentlich auch über Kursgewinne.
Der Autor hält Aktien der Commerzbank.