Marc Maurer, Co-CEO von On, kehrt dem Unternehmen nach zwölf Jahren den Rücken. Gleichzeitig kommen Leute von Levi Strauss, Spotify und dem Velohersteller Specialized ins Management. Die Eigentümerstruktur der Erfolgsfirma hat sich ebenfalls verändert.
Im Dezember 2024 demonstrierte die fünfköpfige Führungsriege von On Geschlossenheit und Teamgeist. In einem Unternehmensporträt des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» liess insbesondere der Co-CEO Marc Maurer keinen Zweifel daran, dass sein Feuer für das Unternehmen nach zwölf Jahren kein bisschen nachgelassen hat.
Auf die Frage, wie lange «der Geist der Firma» angesichts des starken Wachstums noch beibehalten werden könne, antwortete der 43-Jährige: «Noch sehr, sehr lange.» Und weiter: «Es ist kein Grössenthema, sondern ein Kulturthema: Sind die Individuen bereit, sich dem Schwarm und der Mission unterzuordnen?»
Wenige Monate nach diesen Aussagen ist Maurer selbst offenbar nicht mehr bereit, sich «der Mission» On unterzuordnen. Gestern gab der Konzern bekannt, dass Maurer das Unternehmen per Ende Juni verlassen werde. Er wolle «ein nächstes Kapitel» in seinem beruflichen Leben aufschlagen.
Der Finanzchef Martin Hoffmann, der sich den CEO-Posten seit 2021 mit Maurer geteilt hatte, wird neu der alleinige Chef. Das Experiment mit einer Doppelspitze wird damit nach weniger als vier Jahren beendet. Für die Position des Finanzchefs sucht das Unternehmen eine Nachfolgelösung.
Das Gründertrio mit David Allemann, Olivier Bernhard und Caspar Coppetti bleibt zwar weiterhin Teil des Managements. Dennoch markiert Maurers Abgang einen Wendepunkt in der Geschichte des Erfolgsunternehmens: Der Schweizer Sportartikelhersteller, der sich innert fünfzehn Jahren zu einem Grosskonzern mit mehr als 3000 Mitarbeitenden entwickelt hat, stellt sich breiter auf.
So wurde mit dem Abgang Maurers auch der Zukauf von externem Know-how bekanntgegeben: Vom amerikanischen Fahrradhersteller Specialized kommt ein neuer Innovationschef, vom Textilriesen Levi Strauss ein neuer Lieferkettenchef. Dem Musik-Streaming-Dienst Spotify wurde die HR-Chefin abgeworben, dem deutschen Verlagshaus Axel Springer der Kommunikationschef.
Der Co-Gründer David Allemann kommentiert die Neuzugänge in einer Medienmitteilung wie folgt: «Wir bauen unser Führungsteam weiter aus und bringen zusätzliche Erfahrung, Expertise und Ideen ein, um uns auf die nächste Phase des starken Wachstums vorzubereiten.»
Zu einer anderen Entwicklung, die seit geraumer Zeit ebenfalls zu On gehört, äussern sich die Verantwortlichen weniger gern: dem Verkauf grosser Aktienpakete durch Gründer und Manager der ersten Stunde.
Ende 2021, im Jahr des Börsengangs in den USA, besassen die drei Co-Gründer, die beiden Co-CEO sowie zwei weitere exekutive Mitglieder des Verwaltungsrats zusammen rund 34 Prozent der On-Aktien.
In den vergangenen Jahren haben die genannten Personen aber Aktien im Wert von dreistelligen Millionenbeträgen abgestossen. Die Folge: Ende 2024 gehörte das Unternehmen nur noch zu 20 Prozent den wichtigsten Mitgliedern von Verwaltungsrat und Management.
Der grösste Einzelaktionär heisst mittlerweile Fidelity Investments, eine amerikanische Investmentgesellschaft, die 8,9 Prozent der On-Aktien innehat. Dahinter folgen der brasilianische Unternehmer Carlos Alberto Sicupira (6,1 Prozent Unternehmensanteile) und Marc Lemann (5,6 Prozent), Sohn des brasilianisch-schweizerischen Investors und Bankiers Jorge Paulo Lemann.
2025 dürften die Unternehmensanteile der Gründer und des Top-Managements weiter zurückgehen. Wie aus Meldungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC hervorgeht, haben sie in den ersten drei Monaten des Jahres erneut grosse Aktienpakete verkauft: Coppetti für 18,6 Millionen Dollar, Allemann für 13,3 Millionen, Bernhard für 9,9 Millionen und der neue Allein-CEO Hoffmann für 7,6 Millionen. Einzig der abtretende Co-CEO Maurer hielt sich mit Verkäufen zurück.
Das Unternehmen begründete solche Aktienverkäufe in der Vergangenheit mit «langfristigen Verkaufsplänen» und der Wandlung von Optionen. Es handle sich dabei um einen geringfügigen Prozentsatz des Aktienbesitzes der Geschäftsleitungsmitglieder, dessen Verkauf «nichts Ungewöhnliches» sei und auch zu «Diversifikationszwecken» erfolgen könne.
Heute sagt eine Sprecherin auf Anfrage der NZZ: «Auch nach dem Weggang von Marc Maurer werden die vier Partner deutlich über 50 Prozent der Stimmrechte halten und somit nicht an Einfluss einbüssen.» Dies trage zur Kontinuität in der Eigentümerstruktur bei.
Tatsächlich haben die Gründer sowie die langjährigen Mitglieder von Verwaltungsrat und Management nach wie vor die strategische Entscheidungsgewalt. Der Grund: Es wurden in den vergangenen Jahren vor allem Aktien verkauft, die ein geringeres Stimmgewicht haben.
Der Stimmrechtsanteil der Ankeraktionäre ist seit 2021 allerdings ebenfalls um 7,3 Prozentpunkte zurückgegangen – und wird nach Maurers Abgang weiter sinken. Die On-Gründer wollen nur etwas mehr als ein Drittel von Maurers Stimmrechtsaktien übernehmen. Der Rest soll in Aktien mit weniger Stimmrechtsanteil umgewandelt werden.