Trotz sichererer Trends in anderen Teilen Europas nehmen die Todesfälle durch Radfahren in Deutschland zu. Neue Zahlen zeigen, dass ältere E-Bike-Fahrer am stärksten gefährdet sind – und an vielen Unfällen sind eher Autos als andere Radfahrer beteiligt.
Radfahren auf Deutschlands Straßen ist tödlicher geworden. Neue am Montag veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Radfahrer im Jahr 2025 erneut gestiegen ist und sich damit dem in weiten Teilen Europas beobachteten Abwärtstrend widersetzt.
Die Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) deuten insbesondere auf die zunehmende Nutzung von E-Bikes – offiziell Pedelecs genannt – hin und verdeutlichen, dass ältere Fahrer überproportional betroffen sind.
Für regelmäßige Radfahrer, sei es zum Pendeln oder in der Freizeit, werfen die Zahlen unangenehme Fragen zur Sicherheit auf deutschen Straßen auf.
Was die Zahlen zeigen
In absoluten Zahlen kamen laut Destatis im Jahr 2025 in Deutschland 462 Radfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben.
Das entspricht einer Steigerung von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einer Steigerung von 20,6 Prozent im Vergleich zu 2015.
Im gleichen Zehnjahreszeitraum sank die Gesamtzahl der Verkehrstoten um 18,4 Prozent, was bedeutet, dass Radfahrer einen immer größeren Anteil aller Verkehrstoten ausmachen.
Fast die Hälfte der im vergangenen Jahr Getöteten – 217 Menschen – fuhren E-Bikes.
Das Alter ist ein weiterer auffälliger Faktor. Im Jahr 2025 waren 61,5 Prozent der getöteten Radfahrer 65 Jahre oder älter. Bei den E-Bike-Fahrern lag der Anteil mit 67,3 Prozent sogar noch höher, verglichen mit 56,3 Prozent bei den Fahrern nicht motorisierter Fahrräder.
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Die Statistiken geben auch Aufschluss darüber, wie es zu Unfällen kommt. Bei rund zwei Dritteln der knapp 96.000 Fahrradunfälle mit Personenschaden war mindestens ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt, am häufigsten ein Autofahrer.
Auch die Unfallverantwortung variierte je nach Art der Kollision deutlich. Bei Unfällen mit Fußgängerbeteiligung wurde mit 58,1 Prozent häufiger der Radfahrer als Hauptverursacher angesehen.
Bei Pkw-Fahrern trugen Radfahrer jedoch nur bei 25,3 Prozent der Unfälle die Hauptverantwortung, bei Zusammenstößen mit Nutzfahrzeugen waren es sogar 21,4 Prozent.
Wie sind die Zahlen angekommen?
Der Anstieg der Radverkehrstoten in Deutschland erscheint im europäischen Vergleich noch deutlicher. Laut Analyse zitiert von taz In der Zeitung stellte der Europäische Rat für Straßenverkehrssicherheit fest, dass die Zahl der tödlichen Radfahrer in der gesamten EU zwischen 2014 und 2024 um durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr gesunken ist.
In Deutschland hingegen stiegen die Todesfälle im gleichen Zeitraum jährlich um rund 1,5 Prozent.
Warum der Unterschied? Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Fahrradinfrastruktur im Land mit dem Boom der Fahrrad- und insbesondere E-Bike-Nutzung nicht Schritt gehalten habe.
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Sie forderte gezielte Investitionen in die Straßengestaltung, insbesondere sicherere Kreuzungen, klarere Sichtlinien und getrennte Ampelphasen für Radfahrer und Kraftfahrzeuge.
Einige Radsportorganisationen sind noch weiter gegangen. So argumentiert der Radsportclub ADFC, dass viele Radwege in Deutschland unzureichend seien oder gänzlich fehlen und fordert den raschen Ausbau einer räumlich getrennten und toleranten Radverkehrsinfrastruktur.








