Rund um den Paradeplatz sollen 4000 Arbeitsplätze konzentriert werden. Abgebaut wird dafür in der Peripherie.
Mit der Übernahme der Credit Suisse hat sich die Schweizer Grossbank UBS auch deren Immobilien einverleibt. Das Kronjuwel unter den wenigen nicht schon früher abgestossenen Liegenschaften der ehemaligen Konkurrentin ist der CS-Hauptsitz am Paradeplatz.
Seit 1876 war die Credit Suisse in dem denkmalgeschützten Prachtbau im Herzen der Stadt Zürich zu Hause, doch mit dem Ende der Unabhängigkeit der Traditionsbank hing seine Zukunft in der Luft. Eines der grossen Ziele, die sich die UBS für 2024 verordnet hat, ist die Beseitigung von Doppelspurigkeiten, und kein Unternehmen braucht zwei Hauptsitze in unmittelbarer Nachbarschaft.
Jetzt hat die UBS entschieden, was mit dem Gebäude geschieht: Die Bank nutzt es selbst. Der Konzernchef Sergio Ermotti sagte im Interview mit dem «Blick», dass am Paradeplatz ein Finanzcampus entstehen werde. Die UBS wolle dort 4000 Arbeitsplätze bündeln. Dies sei auch ein Signal an die Stadt und den Standort Zürich.
Die UBS war früher gar nicht am Paradeplatz vertreten
Der berühmte Platz, der wie kein anderer Ort in der Schweiz für die Macht des Kapitals steht, befindet sich nun fast vollständig in der Hand der UBS. Auf der Westseite ist die UBS bereits heute einquartiert, zudem gehört ihr, ebenfalls aus Beständen der Credit Suisse übernommen, das Savoy-Hotel auf der Ostseite. Dazwischen steht die CS-Zentrale.
Die Ironie der Geschichte ist, dass das UBS-Logo früher überhaupt nicht am Paradeplatz zu finden war. Beim UBS-Haus auf der Westseite, einem Bau aus den 1950er Jahren, handelt es sich um die ehemalige Zürcher Niederlassung des Basler Bankvereins.
Die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) , die international als UBS auftrat, hatte ihre Zentrale an der Bahnhofstrasse 45. Dort, und nicht am Paradeplatz, hat auch die 1998 aus der Fusion von SBG und Bankverein entstandene neue UBS bis heute ihren Hauptsitz.
Daran soll sich nichts ändern. Obwohl die UBS Platzhirsch am Paradeplatz sei, solle die Zentrale des Finanzgiganten weiter unten an der Bahnhofstrasse bleiben, sagte Ermotti im «Blick». Der Paradeplatz werde aber lebendiger werden – nur in den oberen Stockwerken der Bankhäuser soll es Büros geben, das Erdgeschoss soll Gastronomie und Einkauf vorbehalten bleiben.
Dies gilt nicht nur für den Credit-Suisse-Stammsitz, wo es auf Trottoirhöhe schon seit zwei Jahrzehnten eine edle Einkaufspassage gibt. Auch die UBS-Filiale gegenüber wird derzeit im Erdgeschoss umgebaut, und zwar nach Plänen der Stararchitekten Herzog & de Meuron. Geplant ist unter anderem ein öffentlicher Innenhof, der Piazza-Atmosphäre versprühen soll.
Überdimensionierter Üetlihof
Wenn die UBS ihre Arbeitskräfte in der City zusammenziehen will, stellt sich die Frage, was mit den anderen Standorten geschehen wird. Ein grosses Fragezeichen gibt es insbesondere für den riesigen Üetlihof-Bürokomplex. Dort, im Südwesten der Stadt, hatte die Credit Suisse Backoffice-Funktionen untergebracht. Die CS hatte den Üetlihof vor zwölf Jahren für eine Milliarde Franken dem norwegischen Staatsfonds verkauft und war danach Mieterin.
Die Gebäude bieten Raum für 8500 Arbeitsplätze, doch die UBS braucht diesen Platz nicht; der Konzern hatte bereits letztes Jahr einen umfassenden Stellenabbau angekündigt, der allein in der Schweiz 3000 Jobs treffen dürfte – mindestens.
Bis Ende 2026 will der Konzern 13 Milliarden Dollar sparen, doch einfach so aus dem Üetlihof ausziehen kann die UBS als Rechtsnachfolgerin der CS nicht: Der Mietvertrag läuft noch bis 2037. Aufgegeben werden aber andere Standorte wie der CS-Tower in Oerlikon und Teile der Büroflächen im Sihlcity. Die Stellen werden zum Teil in den Üetlihof verlagert.
Die norwegischen Besitzer wollten den Üetlihof 2022 verkaufen. Am rund 56 000 Quadratmeter grossen Gelände hatte auch die Stadt Zürich Interesse gezeigt. Sie sieht das Grundstück, das in einer Wohnzone liegt, als strategische Landreserve. Doch das Stadtparlament lehnte einen Kreditrahmen über 1,2 Milliarden Franken ab; seither ist der Kauf für die Stadt kein Thema mehr. Ein Verkauf an eine andere Partei ist bis jetzt aber auch nicht zustande gekommen.
Was der norwegische Staatsfonds mit dem Üetlihof gegenwärtig vorhat, ist unklar. Zu seinen Plänen will der Fonds keine Stellung beziehen. Sicher ist aber, dass die Nachfrage nach Büroflächen in der Peripherie nicht gerade gross ist.
Während Private in und um Zürich kaum noch eine Wohnung finden, gibt es bei Büroflächen beträchtliche Leerstände. Rund um den Flughafen etwa steht ein Drittel aller Büros leer. In Wallisellen wiederum wird der ehemalige Microsoft-Hauptsitz sogar zu Wohnungen umgebaut.