Die Renfe droht, ihre Züge nach Frankreich wegen zu vieler Hürden zu streichen. Die Bundesbahnen hoffen auf Subventionen, um die neue Verbindung aus der Schweiz im Markt einzuführen.
Die SBB wollen künftig mit Hochgeschwindigkeitszügen nach Barcelona fahren. Heute ist die Bahnreise aus der Schweiz nur für Hartgesottene machbar. Einmal täglich fährt die Renfe seit 2023 in fünf Stunden von Lyon in die katalanische Metropole – mit Umsteigen ab Zürich sind es gut zehn Stunden. Ankündigungen der spanischen Bahngesellschaft zeigen nun aber, wie hoch die Hürden für eine neue Verbindung sind.
Die Renfe erwäge, alle ihre Züge nach Frankreich zu streichen, berichteten spanische und französische Medien vor kurzem. Die Verbindungen von Barcelona nach Lyon seien defizitär, wie auch jene von Madrid nach Marseille. Die französische Staatsbahn SNCF lege der Renfe ständig Hindernisse in den Weg.
Das Ziel der spanischen Bahn ist es seit längerem, lukrative Verbindungen nach Paris anzubieten. Die Züge nach Lyon und Marseille sollten es erleichtern, die nötigen Genehmigungen zu erhalten. Doch gemäss der spanischen Zeitung «La Vanguardia» ist es dabei wiederholt zu Verzögerungen gekommen. Die Zulassung für Fahrten der spanischen Hochgeschwindigkeitszüge nach Paris stehe nach drei Jahren immer noch aus. Dieser Prozess könnte sich bis 2029 hinziehen, sagte eine Vertreterin der Renfe. Ein Wirrwarr an Bürokratie und die Verzögerungen der SNCF hätten es der Renfe bis anhin verunmöglicht, Pariser Bahnhöfe anzufahren.
Bundesrat will Subventionen streichen
Trotz den Schwierigkeiten der Renfe halten die SBB an ihren Plänen fest. Sie setzen nicht auf einen Alleingang wie die Spanier, sondern auf eine Kooperation mit Partnerbahnen, wie der Sprecher Reto Schärli sagt. Eine Zusammenarbeit sowohl mit der SNCF als auch mit der Renfe wird allerdings wohl schwierig, da die zwei Bahnen Konkurrenten sind. Die Spanier sind mit günstigen Preisen in den Verkehr nach Frankreich eingestiegen, was die Passagiere gefreut, aber die SNCF verärgert hat. Die Franzosen verfolgen im nationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr in Spanien dieselbe Strategie noch konsequenter, mit ihrer Billigtochter Ouigo.
Wirtschaftlich sehen die SBB das Potenzial, eine direkte Tagesverbindung von der Schweiz nach Barcelona anzubieten, wie Schärli sagt. Eine Anschubfinanzierung würde es aber ermöglichen, die Risiken einer Markteinführung in den ersten Jahren zu reduzieren. Der Bund kann mit dem revidierten CO2-Gesetz den grenzüberschreitenden Personenverkehr von 2025 bis 2030 mit jährlich maximal dreissig Millionen Franken fördern. Die Mittel sind insbesondere für Nachtzüge bestimmt, doch auch die Unterstützung von internationalen Tageszügen ist möglich.
Der Bundesrat will wegen der angespannten Finanzlage allerdings auf Subventionen für den internationalen Personenverkehr verzichten. Eine finanzielle Förderung von Tageszügen sei nicht nötig, da diese in der Regel kostendeckend seien, schreibt er in der Vernehmlassung zum geplanten Entlastungspaket. Bei den Nachtzügen sei fraglich, ob diese längerfristig eigenwirtschaftlich betrieben werden könnten, wenn die Subventionen Ende 2030 ausliefen. Der Verzicht auf die Förderung soll ab dem Jahr 2027 gelten.
Neuer Nachtzug nur mit Bundesgeld
Zumindest für das laufende Jahr hat das Parlament Subventionen von zehn Millionen Franken freigegeben. Die SBB bereiteten die Gesuchseingabe von diversen Projektideen vor, sagt der Sprecher Schärli. Dazu gehöre unter anderem der geplante Nachtzug, der von Zürich nach Kopenhagen und Malmö verkehren soll, voraussichtlich ab dem Frühling 2026. Die neue Verbindung sei nur mit einer Mitfinanzierung durch den Bund machbar, sagt Schärli. Eine Unterstützung auch für 2026 und die folgenden Jahre würde den SBB die Planungssicherheit geben, die längerfristig notwendig sei.
Neues Rollmaterial soll es für die saisonale Verbindung nach Kopenhagen/Malmö nicht geben. Die SBB wollen für diese mit der privaten deutschen Bahngesellschaft RDC zusammenarbeiten, bei der sie für den bestehenden Nachtzug von Zürich nach Amsterdam bereits Schlaf- und Liegewagen gemietet haben. Diese werden mit den neuen Nightjet-Garnituren der Österreichischen Bundesbahnen frei, die künftig von Zürich nach Amsterdam fahren sollen.