Der Weltfussballverband löst mit seinem neuen Wettbewerb ein Versprechen ein und überschüttet einige Fussballklubs mit Geld. Damit verschärft er die Konkurrenz zur Uefa – und bedrängt die Frauen-EM.
Was der Weltfussballverband (Fifa) unlängst kommuniziert hat, dürfte selbst Klubverantwortlichen ein Leuchten in die Augen zaubern, die im jährlichen Umsatz die Milliardengrenze ritzen oder durchbrochen haben – wie Bayern München oder Real Madrid.
Die zwei Grossklubs nehmen im Sommer an der Klub-WM in den USA teil. Das Team, das sieben Spiele und somit das Turnier gewinnt, erhält auf einen Schlag umgerechnet 115 Millionen Euro Preisgeld. Das sind 16 Millionen auf einen einzelnen, siegreichen Match bezogen.
Solche Zahlen lesen sich zwar wie einem Science-Fiction-Roman oder dem virtuellen Fifa-Game entnommen. Aber sie sind Realität geworden. Ohne Schamröte kann der Fifa-Präsident Gianni Infantino im Communiqué zum Klub-WM-Preisgeld davon reden, das «Nonplusultra» des Klubfussballs erreicht zu haben. Ökonomisch betrachtet. Die Fifa hält, was sie mit grossen Worten angekündigt hat. Die Teilnehmer kassieren.
Was der Wettbewerb sportlich bringt, wird sich weisen.
Allein als Startgage gibt’s 18 bis 35 Millionen
Nachdem rund um die Vermarktung und die Medienrechte lange dicker Nebel gelegen hat, prescht die Fifa nun mit dem Jackpot vor. Das dürfte im europäischen Fussballverband (Uefa) zum Nachdenken anregen. Die Fifa schüttet total 900 Millionen Euro an die 32 Teams aus aller Welt aus, ein europäischer Verein erhält allein als Startgeld 18 bis 35 Millionen. Der Betrag variiert, weil das Klub-Ranking auf «sportlichen und kommerziellen Kriterien basiert». In der Champions League gibt’s dieses Jahr zum Start für alle 18,6 Millionen. Auch für den Schweizer Meister YB, der sämtliche acht Spiele verloren hat (Torverhältnis 3:24).
Das heisst: Die grossen Klubs erhalten an der Klub-WM viel mehr als die kleineren. Florentino Pérez, der Präsident von Real Madrid, reibt sich die Hände. Natürlich ist der Fussballmarkt Europas die Nummer 1, vor Südamerika (14 Millionen Startgeld pro Klub), Nord- und Mittelamerika, Asien und Afrika (9) sowie Ozeanien (3). Solche Abstufungen führen dazu, dass sich die Schere zwischen reich und weniger reich weiter öffnet.
Wer dabei ist, ist dabei. Wer nicht dabei ist, hat Pech gehabt. Das gilt in Europa seit je für die Champions League der Uefa – und neuerdings auch für die Klub-WM der Fifa. Massgebend sind Europacup-Erfolge und die Uefa-Rangliste. Liverpool, Barcelona, Leipzig oder die AC Milan fehlen, weil ein Nationalverband nicht mehr als zwei Klubs entsenden kann. So rutschten Teams wie Porto, Benfica Lissabon und Salzburg nach.
Da versteht sich von selbst, dass in Salzburg schon seit Monaten nur Lobeshymnen auf die Klub-WM erklingen.
Gianni Infantino kann in Superlativen reden
Der Fifa-Reibach auf Klubebene lässt aufhorchen, weil er die Champions League der Uefa konkurrenziert. Auf einen Match hochgerechnet, schüttet die Uefa in ihrer Königsklasse 2024/25 13 Millionen Euro aus. In der Klub-WM der Fifa sind es 14 Millionen. Vor diesem Hintergrund kann der Fifa-Chef Gianni Infantino Superlative zur Hand nehmen, zumal er dank der Klub-WM zusätzlich eine Viertelmilliarde als «Subventionsprogramm» zu den Klubs fliessen lässt, «rund um den Globus».
Die Fifa kommuniziert, dass sie im Geldregen der Klub-WM nichts für sich behalte und ihre Reserven nicht anzapfe. Damit beruhigt sie ihre 211 Landesverbände.
Bei solchen Beträgen stellen sich allerdings Fragen zur Finanzierung. Der Verband hat Sponsoren an Land ziehen können, doch entscheidend für die grossen Summen bleiben die Medienrechte. Dazn griff erst kurz vor der Turnierauslosung Ende 2024 zu, dem Vernehmen nach für nahezu 1 Milliarde US-Dollar. Nachdem im Februar 2025 bekanntgeworden ist, dass ein saudiarabischer Sportinvestmentfonds bei Dazn mit einer Minderheitsbeteiligung eingestiegen ist, lichtet sich der Nebel. Laut dem deutschen Magazin «Spiegel» soll der Dazn-Einstieg den Saudi eine Milliarde wert sein.
Saudiarabien bezahlt die Klub-WM mit
Saudiarabien zahlt an der Klub-WM also via Dazn mit, nachdem das Land Ende 2024 von der Fifa die WM 2034 geschenkt erhalten hat. Die Fifa «definiert mit der Klub-WM den Fussball neu», wie Infantino auch schon hat verlauten lassen. Dank der Hilfe aus Saudiarabien.
Auf jeden Fall ist das Turnier aus finanzieller Perspektive arg unter Strom gesetzt worden. Kein Wunder, wird so im Moment jeglicher Kritik der Stecker gezogen.
Befremdend bleibt die Tatsache, dass Inter Miami und Lionel Messi ohne Titel an die Klub-WM gemogelt wurden. Da wirken allein ökonomische Gründe. Zudem schloss die Fifa am 21. März den mexikanischen Klub Léon von der Klub-WM aus, weil er den gleichen Eigner wie der CF Pachuca hat (Pachuca Group). Da ist nun der Internationale Sportgerichtshof (TAS) gefragt. Léon wehrt sich, da ein paar Millionen auf dem Spiel stehen.
Die Klub-WM konkurrenziert die Frauen-EM
Schliesslich ist zu fragen, wie es um die Förderung des Frauenfussballs bestellt ist, wenn der Fussball-Mammon ruft. Ab den Viertelfinals überschneidet sich die Klub-WM mit der am 2. Juli beginnenden Frauen-EM. Immerhin ist am Tag des EM-Eröffnungsspiels in der Schweiz an der Klub-WM in den USA zufällig Ruhetag. Die Anspielzeiten der Klub-WM sind als Entgegenkommen für den europäischen TV-Markt so festgelegt worden, dass die meisten Partien am Mittag und Nachmittag stattfinden, also zur heissesten Zeit des Jahres in den USA, und deshalb in Europa am Abend an den Bildschirmen gezeigt werden können. Zu einer ähnlichen Zeit wie die Frauen-EM.
Übrigens verteilt die Uefa an der Frauen-EM Preisgeld in der Höhe von 41 Millionen Euro. Annähernd so viel erhält allein ein europäischer Topklub an der Klub-WM von der Fifa – nur dank der Teilnahme, ohne einen Ball gespielt zu haben.