Der neue Chefredaktor der amerikanischen Modezeitschrift «Vanity Fair» will Melania Trump offenbar aufs Cover setzen. Die Mitarbeitenden protestieren. Und die First Lady? Sie sagt ab.
Es hatte vielversprechend angefangen mit Melania Trump und der Modewelt. Nach der Amtseinführung ihres Mannes im Januar in Washington gab es ein grosses Gesprächsthema: die Kopfbedeckung der First Lady. Sie trug einen riesigen schwarzen Hut mit weissem Band. Die Krempe war so gross – sie war darunter kaum erkennbar.
Der Hut und sowieso ihr ganzes Auftreten zeigte aber auch: Die Modewelt arrangierte sich mit den Trumps. Melania Trumps Hut war von dem New Yorker Designer Eric Javits entworfen, ihr Mantel von Adam Lippes. Auch Jill Biden hatte schon Entwürfe von Lippes getragen. Ganz anders beim ersten Amtsantritt der Trumps im Jahr 2016: Damals hatten Designer wochenlang diskutiert, ob sie Melania Trump einkleiden würden oder nicht.
Nun kommt es zu einer weiteren Annäherung. Der neue Chefredaktor der «Vanity Fair» möchte Melania Trump auf dem Cover abdrucken. Das berichtete die Boulevardzeitung «New York Post».
Revolte der Belegschaft
Mark Guiducci, 36 Jahre alt, leitet die «Vanity Fair» erst seit wenigen Monaten. Er ist der erste Global Editorial Director, was heisst, dass er auch für die internationale Ausgabe des Magazins zuständig sein wird. Laut Medienberichten aus den USA hat er vor, die Ausrichtung der «Vanity Fair» zu verändern. Demnach soll es mehr politische Inhalte und Meinungsbeiträge geben. In dem Politik-Newsletter «Semafor» eines ehemaligen «New York Times»-Journalisten mutmasste man gar, Guiducci wolle die Beziehung zur Macht neu ausrichten. Und nun eben auch: Melania Trump auf dem Cover zeigen.
Die Redaktion aber rebellierte gegen das Vorhaben ihres neuen Chefredaktors. Laut dem Bericht der «New York Post» drohten mehrere Journalistinnen und Journalisten mit der Kündigung. Ein Redaktor in einer Leitungsposition sagte der «Daily Mail», er würde das Magazin sofort verlassen, würde man Melania Trump auf der Titelseite abbilden. Seine Teammitglieder würden ihm folgen. Man werde diesen Despoten und seine Frau keineswegs normalisieren, sagte er.
Andere sagten, das sei nur Gerede. Niemand würde einen gut bezahlten Job im Journalismus für einen Protest gegen ein Magazin-Cover aufgeben, hiess es in der «New York Post».
Die First Lady auf dem Cover eines Modemagazins, das hat Tradition. Die Zeitschrift «Vogue» reserviert seit 1929 mindestens eine Titelseite für die First Lady der USA. Im Jahr 2008 war Michelle Obama auf dem Cover der «Vogue», darunter stand: «Die First Lady, auf die wir alle gewartet haben». Auf einem weiteren Cover stand: «Die First Lady, in die wir uns alle verliebt haben». Auch Jill Biden, die Gattin von Joe Biden, war mehrere Male auf der Titelseite der «Vogue», ebenso Laura Bush, Hillary Clinton oder Nancy Reagan.
Michelle Obama und Jill Biden waren beide mehrere Male auf dem Cover der Vogue.
Melania Trump zeigte man 2016 allerdings nicht auf dem Cover. Offenbar auf Anordnung der ehemaligen «Vogue»-Chefin Anna Wintour. Auch in diesem Jahr hatte die First Lady bisher keinen Auftritt auf einem Cover der «Vogue». Dafür erhielt sie nun die Anfrage von der «Vanity Fair».
Absage von der First Lady
Die Zeitschrift «Vanity Fair» gehört zum selben Verlag wie die «Vogue», zu Condé Nast, einem der grössten Medienhäuser der USA, das auch Zeitschriften wie den «New Yorker» oder die «GQ» herausgibt. In den 1990er Jahren, der goldenen Zeit des Magazinjournalismus, veröffentlichte die «Vanity Fair» aufwendige Recherchen zum Zeitgeschehen, etwa über den Mordprozess gegen den ehemaligen Footballstar O. J. Simpson oder den Kindsmissbrauch von Michael Jackson.
Heute berichtet das Magazin immer mehr aus dem Bereich des People-Journalismus, es hat an Relevanz verloren. Guiduccis Vorgängerin Radhika Jones hatte sich in ihrer Zeit als Chefredaktorin zwar dafür eingesetzt, auf den Seiten der «Vanity Fair» mehr Diversität abzubilden. Darüber hinaus fokussierte sie aber vor allem auf die Berichterstattung aus Hollywood.
Unter Guiducci soll sich das ändern. Doch was Guiducci neben dem Melania-Cover mit der «Vanity Fair» wirklich vorhat, bleibt vorerst ein Rätsel.
Die Beziehung der Medien zum Präsidenten hat sich dieses Jahr noch einmal verkompliziert. Trump geht seit Monaten gegen jene Medien vor, die kritisch über seine Präsidentschaft berichten, erst diese Woche hat er den Sendern NBC und ABC gedroht, ihnen die Sendelizenzen zu entziehen. Condé Nast wird in Teilen der Make-America-great-again-Bewegung auch als Condé Nasty bezeichnet. «Nasty» bedeutet auf Englisch so viel wie ekelhaft oder böse.
Vielleicht hätte ein Coverbild von Melania etwas an diesem Ruf geändert. Doch diese hat dafür schon längst abgesagt. Überhaupt zeigt sie sich seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit kaum in der Öffentlichkeit, gibt kaum Interviews. Der «Vanity Fair» antwortete sie, sie habe keine Zeit für eine Cover-Geschichte. Sie habe Wichtigeres zu tun.