Seit Anfang Jahr haben die europäischen Börsen und Edelmetalle die Nase vorn, während den Trump-Trades die Luft ausgegangen ist. Das könnte noch eine Weile so bleiben.
«Buy the rumour, sell the news». Diese Börsenweisheit hat sich in den letzten Monaten einmal mehr bewahrheitet. Herrschte bis kurz nach der Wahl des neuen, alten US-Präsidenten Donald Trump noch Euphorie um US-Aktien, Bitcoin und den Dollar, ist diesen auch als Trump-Trades bezeichneten Assets die Luft ausgegangen.
Das zeigt die Performance-Hitparade für das erste Quartal, das demnächst endet. Die «glorreichen Sieben», die die Börsen bis vor kurzem dominiert haben, Bitcoin und der Nasdaq Composite rangieren am Ende einer Liste von 45 Vermögenswerten (vgl. Grafik unten, gezeigt wird eine Auswahl der besten und schlechtesten Indizes, gemessen am Gesamtertrag in Franken). Ganz anders präsentiert sich das Bild bei den noch vor kurzem geschmähten europäischen Börsen: Spanien, Italien und Deutschland belegen die Podestplätze, gefolgt vom brasilianischen Bovespa und dem Hongkonger Hang Seng, um den Anleger ebenfalls lange einen weiten Bogen gemacht haben.
Die Gründe für diese Scherenbewegung sind bekannt: Die US-Regierung sorgt mit ihrer konfusen Zollpolitik und dem Kahlschlag in der Verwaltung für Verunsicherung. So erstaunt es nicht, dass das Konsumentenvertrauen in den meisten Umfragen teils deutlich eingebrochen ist, während gleichzeitig die Inflationserwartungen gestiegen sind. Stagflation – also die Kombination aus sich verlangsamendem Wirtschaftswachstum und hoher Teuerung – ist für die Börsen keine erbauliche Aussicht.
Politik in Europa gibt sich einen Ruck
Gleichzeitig hat sich die Politik in Europa unter dem Eindruck, von den USA sicherheitspolitisch alleingelassen zu werden, zusammengerauft. So will die Europäische Union zusätzliche 800 Mrd. € für die Verteidigung ausgeben, und der designierte deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Schuldenbremse zu Fall gebracht sowie zwei riesige Fiskalpakete für Verteidigung und Infrastruktur geschnürt. Als Folge davon hellen sich die Wachstumsaussichten in Europa plötzlich auf, während sie sich in den USA eintrüben.
Die besseren Perspektiven auf dem Alten Kontinent schlagen sich auch am Markt für Staatsanleihen nieder. So ist die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen nach der Ankündigung von Merz zwischenzeitlich 50 Basispunkte auf fast 2,9% gestiegen. Weil sich die Anleihenkurse entgegengesetzt zu den Renditen entwickeln – die Preise also fallen, wenn die Zinsen steigen – haben Bunds seit Anfang Jahr 2,5% verloren. In Franken verbleibt ein Minus von 1,2%.
Frankenanleihen schneiden schlecht ab
Die anziehenden Anleihenrenditen in Deutschland haben auch die Verzinsung von «Eidgenossen» in die Höhe getrieben. In der Folge resultiert für den auf Anleihen mit Anlagequalität fokussierten Swiss Bond Index ein Minus von 2,4%. Schlechter hat keiner der hier betrachteten Anleihenmärkte abgeschnitten. US-Treasuries haben in Dollar dank des Zinsrückgangs in den USA 2,3% abgeworfen, wegen des schwachen Dollars resultiert in Franken aber ein Minus von 0,4%.
Dem Ruf als digitales Gold nicht gerecht werden konnte Bitcoin. Während das Edelmetall mit einer Avance von 12,3% in Franken hervorragend abgeschnitten hat, resultiert für die Kryptowährung ein Minus von 8,5%. Sie korreliert weiterhin eng mit dem technologielastigen Nasdaq 100 und bleibt ein Risk-on-Play, während Gold seiner Funktion als Krisenschutz einmal mehr bestätigt hat. Noch besser als Gold schnitt mit einem Plus von 13,3% Silber ab, das demnächst auf neue Mehrjahreshöchst ausbrechen dürfte, was den Weg zu deutlich höheren Kursen ebnen würde.
Da es den Anschein macht, als ob politische Börsen keine kurzen Beine mehr haben, könnten sich diese Trends noch einige Zeit fortsetzen. Wer hätte das noch vor wenigen Monaten gedacht?