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Startseite » Grönland hat strategische Bedeutung, aber nicht zuletzt ist es ein persönliches Prestigeprojekt des US-Präsidenten
Welt

Grönland hat strategische Bedeutung, aber nicht zuletzt ist es ein persönliches Prestigeprojekt des US-Präsidenten

MitarbeiterBy MitarbeiterMärz 27, 2025
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Grönland hat strategische Bedeutung, aber nicht zuletzt ist es ein persönliches Prestigeprojekt des US-Präsidenten

Donald Trump schickt seinen Vizepräsidenten in die Arktis und fordert unverfroren die Kontrolle über Grönland. Mit geopolitischen Interessen allein lässt sich dieser Kurs jedoch nicht erklären. Ein Überblick mit Karten.

Der amerikanische Präsident Donald Trump lässt sich von den negativen Reaktionen aus Grönland und Dänemark nicht beirren: Er beharrt darauf, dass die USA die Kontrolle über die politisch autonome Arktis-Insel erlangen müssen. In einem Interview machte er diese Woche erneut sicherheitspolitische Gründe geltend. Ohne Grönland sei die Verteidigung Amerikas unmöglich, behauptete er und erklärte mit Nachdruck: «Wir brauchen es. Wir müssen es haben.»

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Die hemdsärmeligen Machtansprüche der USA sorgen bei den Betroffenen für Entsetzen und rund um die Welt für Aufsehen. Unstrittig ist allerdings, dass Grönland tatsächlich strategische Bedeutung hat – wegen seiner geografischen Lage und seiner Rohstoffe.

Landmasse zwischen Nordamerika und Europa

Grönland wirkt auf den üblichen Weltkarten abgelegen und zugleich grösser, als es in Wirklichkeit ist. Aber mit einer Fläche von fast 2,2 Millionen Quadratkilometern ist die Insel trotzdem riesig – so gross wie zwei Drittel des Kerngebiets der USA. Auf der obigen Karte erscheint die grönländische Landmasse wie ein Schutzschild, der Nordamerika vorgelagert ist. In Luftlinie führt der direkteste Weg von Russland an die amerikanische Ostküste über Grönland. Das war schon im Kalten Krieg bedeutsam, zum Beispiel mit Blick auf die Gefahr russischer Raketenangriffe.

Zusätzliches strategisches Interesse erzeugt die Region, weil infolge der globalen Erwärmung das arktische Eis schmilzt. Dies weckt Hoffnungen auf die Erschliessung neuer, lukrativer Handelswege. Die vor gut einem Jahrhundert entdeckte Nordwest-Passage verläuft zwischen Grönland und Kanada und führt schliesslich durch die Beringstrasse in den Pazifikraum. Die Route ist inzwischen mehrere Monate im Jahr eisfrei und bietet – derzeit noch eher theoretisch – eine Alternative zur Durchquerung des Panamakanals.

Jahrzehntealte amerikanische Militärpräsenz

Die USA erkannten die strategische Bedeutung der zu Dänemark gehörigen arktischen Insel schon im Zweiten Weltkrieg. Damals besetzten sie Grönland militärisch und bewahrten es so vor dem Zugriff Nazideutschlands, das Dänemark unterworfen hatte. Vollständig zogen die Amerikaner nie ab: Im Einklang mit Dänemark errichteten sie im Kalten Krieg den Luftwaffenstützpunkt Thule, der heute den Namen Pituffik Space Base trägt. Er ist unter anderem für die Früherkennung von feindlichen Raketenstarts wichtig.

Auch als Standort für ein amerikanisches Raketenabwehrsystem könnte Grönland dereinst von Nutzen sein. Angesichts der Bedrohungen aus Russland handelt es sich noch aus einem weiteren Grund um eine strategische Schlüsselzone. Im Kalten Krieg sprach man von der Giuk-Lücke (Greenland, Iceland, United Kingdom Gap) und meinte damit das Nadelöhr zwischen Grönland, Island und Grossbritannien. Durch diese Passage kann die russische Nordflotte in den Nordatlantik vorstossen.

Zudem verlaufen dort viele verletzliche Untersee-Datenkabel, wie die obige Karte zeigt. Die europäischen Verbündeten sind allein nicht in der Lage, die verdächtigen russischen Marineaktivitäten in dieser Zone zu überwachen. Eine verstärkte amerikanische Militärpräsenz, mit Patrouillenschiffen der Navy und vorgelagerter militärischer Aufklärung, wäre eine mögliche Antwort. Darauf spielt Präsident Trump vermutlich an, wenn er insistiert, dass Grönland für die Verteidigung Amerikas unabdingbar sei.

Verlockende Rohstoffe

Grönland ist reich an Rohstoffen, darunter Zink, Gold und Kupfer. Auch umfangreiche Vorkommen von Erdöl und Gas werden unter dem Eisschild vermutet. Verlockend für die USA sind aber vor allem seltene Erden und weitere sogenannt kritische Rohstoffe, bei denen es gilt, die Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten zu verringern.

Auch das geplante Rohstoffabkommen der USA mit der Ukraine zeigt, dass Trump dem Thema kritische Rohstoffe hohe Bedeutung beimisst. Zu einem Eldorado wird Grönland jedoch auf absehbare Zeit nicht werden. Bergbau ist ein riskantes Geschäft, in der Arktis ganz besonders. Auf Grönland erschweren die langen Winter, der dicke Eisschild und der Mangel an Strassen eine Ausbeutung der Bodenschätze erheblich. Viele Minenprojekte haben sich als unwirtschaftlich erwiesen. Hinzu kommt der grosse Widerstand der grönländischen Bevölkerung gegen die umweltschädlichen Folgen des Bergbaus.

Zwischen Strategie und Obsession

Die Regierung Trump lässt sich von solchen Hürden nicht beirren, wie nun auch der Besuch von Vizepräsident J. D. Vance auf Grönland illustriert. Experten wenden allerdings ein, dass die USA die Insel nicht besitzen müssen, um ihre strategischen Interessen wahrzunehmen. Dänemark ist offen dafür, seinem Verbündeten Amerika eine verstärkte Militärpräsenz zu gewähren. Es hat ausserdem auf amerikanischen Wunsch grössere Investitionen aus China in Grönland verhindert. Das Schreckgespenst, dass plötzlich die Chinesen eine einflussreiche Präsenz auf der Insel aufbauen könnten, wirkt nicht realistisch.

Zugleich richten die USA mit ihren Drohungen an die Adresse Grönlands und Dänemarks politischen Schaden an. Bedeutende strategische Partner werden unnötig brüskiert. Trump untergräbt das auch für amerikanische Interessen wichtige Prinzip der territorialen Unverletzlichkeit und setzt die nordatlantische Allianz mit seinen Gebietsansprüchen einer noch grösseren Belastungsprobe aus.

Allein mit strategischem Kalkül lässt sich die Grönland-Politik Washingtons deshalb nicht erklären. Dies liegt auch daran, dass Trump weder in seiner ersten Amtszeit noch jetzt ein strategisches Konzept vorgelegt hat, das seine Ansprüche argumentativ untermauern würde. Die Möglichkeit, dass Trump auch andere Motive hat, lässt sich deshalb nicht von der Hand weisen: Prestigedenken und die Verlockung, als erster Präsident seit mehr als hundert Jahren das Territorium der Vereinigten Staaten zu erweitern.

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